Forum Chat () Bookmark and Share
StartseiteForumTeamANB / RegelnFeedgenerator Hilfe
  • 22. Mai 2012, 04:51:20
  • Willkommen Gast
Bitte logg dich ein oder registriere dich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Werte User, ihr habt bestimmt in den letzten Tagen mitbekommen, dass es ein paar Veränderungen im Forum gibt. Uns ist aufgefallen, dass der Ton in letzter Zeit im Forum rauher geworden ist und sich einige User nicht mehr so ganz wohl gefühlt hatten.

Wie die meisten sicher schon mitbekommen haben, verfolgen wir eigentlich eine recht entspannte Forenphilosophie und die macht sicher einen großen Teil des Erfolgs unseres Forums aus. Wir schätzen die Erfahrung der "alten Hasen" sehr und jedem sollte klar sein, dass es sich bei Bundeswehrforum.de nicht um die Homepage eines Rosa-Plüsch-Pony-Vereins handelt. Gleichtzeitig möchten wir Neulinge unterstützen und nicht verschrecken. Immerhin handelt es sich oft um zivile Interessenten oder junge Soldaten mit wenig Erfahrung.
Wir vom Team apellieren an alle, sich um ein freundliches Miteinander zu bemühen und Nachsicht mit unerfahrenere Usern zu üben und werden selber in nächster Zeit verstärkt darauf achten.

Auf ein entspanntes Forenleben, Euer Team

Autor Thema: Afghanistan-Akten auf wikileaks  (Gelesen 2896 mal)

schlammtreiber

  • Spam - Meister
  • Administrator
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 15.130
Afghanistan-Akten auf wikileaks
« am: 26. Juli 2010, 09:58:24 »

Über wikileaks wurden ca. 90000 Dokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht - siehe hier:

http://www.n-tv.de/politik/WikiLeaks-veroeffentlicht-Afghanistan-Akten-article1132866.html

Der SPIEGEL macht heute die Titelstory daraus:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708311,00.html

Meinungen, Kommentare, etc?  ;)
Moderator informieren   Gespeichert
Semper Communis
Bundeswehrforum.de - Seit 9 Jahren werbefrei!
Helft mit, dass es so bleiben kann

=TRG=

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.120
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #1 am: 26. Juli 2010, 11:24:25 »

Da hat wohl jemand bei der Vergabe der Ü-3 versagt.
Moderator informieren   Gespeichert
"Der Fall ist glasklar."

ulli76

  • Forums-Doc
  • Global Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 9.468
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #2 am: 26. Juli 2010, 11:40:57 »

Viel heisse Luft um nichts. Und wie immer beim "Spiegel" viel Meinung um wenig konkrete Infos.
Afghanische Sicherheitskräfte sind die Hauptopfer und recht schutzlos gegen Anschläge (s. ntv-Artikel)- na wer hätte DAS gedacht. Weiss jeder und kann sich jeder denken, der sich ein wenig Gedanken macht, bzw. sich mal die Zahlen außerhalb der deutschen Verluste anschaut.

Der ISI steckt mit drin?- Auch sicher kein Geheimnis. Zieht euch einfach mal das Buch "Die Bärenfalle" rein. Aber auch hier: Wer die politischen Verstrickungen und so "Geheiminfos" wie die Existenz der Paschtunengebiete in Pakistan kennt, für den ist das auch keine Überraschung.

Eine amerikanische ELiteeinheit hat den Auftrag ranghohe Taliban zu beseitigen- Oh Wunder. Und dabei gibt es auch zivile Opfer und sogar KINDER- 1. Ja passiert- Krieg ist nun mal nicht sauber und 2. ja mei, wenn es zivile Opfer gibt, weden wohl auch Kinder dabei sein. Aber schon mal überlegt was für Opfer es bei Anschlägen in Moscheen, auf Märkte oder bei Hahnenkämpfen gibt (alles Beispiele aus meinem Kontingent. Bei einem Anschlag auf eine von Italienern gebauten Brücke hab es übrigens deutlich mehr tote Kinder als verwundete und getötete italienische Soldaten zusammen)
Von den Kopfgeldern, das ein Konvoi, den ich begleitet hatte, "wert" gewesen wäre, hätte man wahrscheinlich mehrere Dörfer in´s 21. Jahrhundert bringen können.

Uii- die Anschlagszahlen im Norden steigen- oh Wunder- wer hätte das gedacht. Das soll eine Geheiminformation sein?

Naja- der letzte erfolgreiche Anschlag auf die Deutschen ist schon ne Weile her, für den Love-Parade-Artikel braucht man wohl noch ne Woche. .... ::)

@TRG: Seit wann haben die Afghanen ne Ü3 ???
Moderator informieren   Gespeichert
•Medals are OK, but having your body and all your friends in one piece at the end of the day is better.
http://www.murphys-laws.com/murphy/murphy-war.html

snake99

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 4.643
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #3 am: 26. Juli 2010, 12:53:04 »

Ich sehe es ähnlich wie Ulli ... die Informationen sind nicht neu und sollten den Menschen bekannt sein, wenn sie sich für das Thema AFG interessieren.

Der amerikanischen Propaganda Maschinerie schadet es jedoch gewaltig, denn nun liest man es schwarz auf weiß, dass man eher auf der Verliererseite steht, als auf der Gewinnerseite ....

Ich stelle es mal übertrieben da, wobei dies nur meine persönliche Meinung und Beurteilung ist:

Seit 9 Jahren sind die NATO Truppen nun in AFG ... anfangs haben sie Erfolge erzielen können, doch der Gegner ist nicht doof und hat eine Menge gelernt und weiß heute zu reagieren ... Ende vom Lied wird sein, dass "der Westen" in den kommenden Jahren AFG nach und nach verlassen wird und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis Taliban & Co. auch ganz offiziell wieder das Zepter im Land in der Hand halten werden ...
Moderator informieren   Gespeichert
„Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!" John F. Kennedy

schlammtreiber

  • Spam - Meister
  • Administrator
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 15.130
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #4 am: 26. Juli 2010, 13:32:31 »

... Ende vom Lied wird sein, dass "der Westen" in den kommenden Jahren AFG nach und nach verlassen wird ...

Welch gewagte These - etwas anderes war nie geplant  :D
Moderator informieren   Gespeichert
Semper Communis
Bundeswehrforum.de - Seit 9 Jahren werbefrei!
Helft mit, dass es so bleiben kann

snake99

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 4.643
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #5 am: 26. Juli 2010, 14:00:27 »

Du weißt wie ich das meine ;) 
Moderator informieren   Gespeichert
„Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!" John F. Kennedy

Fitsch

  • ... mit der Lizenz zum Löschen ...
  • Global Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 4.403
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #6 am: 26. Juli 2010, 14:29:49 »

...  doch der Gegner ist nicht doof und hat eine Menge gelernt und weiß heute zu reagieren ... Ende vom Lied wird sein, dass "der Westen" in den kommenden Jahren AFG nach und nach verlassen wird und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis Taliban & Co. auch ganz offiziell wieder das Zepter im Land in der Hand halten werden ...

aha - aber auch der Westen hat dazu gelernt. Das gehört zu den Spielregeln eines Konfliktes daß alle Parteien lernen und ihre Strategien dem Gegner anpassen.

Am Anfang sind die Deutschen blauäugig mit Bussen durch die Gegend gefahren, jetzt bekokmmen die Indianer 155mm auf die Rübe wenn sie Stress machen.
Moderator informieren   Gespeichert
I will mei 1. Gebirgsdivision wiada hong !!!
                                                                  
                                                               www.kameradenkreis.de

schlammtreiber

  • Spam - Meister
  • Administrator
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 15.130
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #7 am: 27. Juli 2010, 08:38:09 »

Nach Sichtung der "Essenz" in den drei Sekundärquellen muss ich mich weitestgehend ulli76 anschließen.
Das ist ja teilweise lächerlich. Da reitet z.B. der SPIEGEL ewig auf der "Enthüllung" über die toten Kinder in der Koranschule rum - und wenn man in der Printausgabe mal genau nachliest erfährt man im verschämten letzten Halbsatz zum Thema, dass da nichts geheimgehalten wurde, sondern der Vorfall bereits am nächsten Tag öffentlich von der US Army eingestanden und bedauert wurde. In etlichen Onlineartikeln steht dazu kein Wort - das ist mit Verlaub schlechter Journalismus.

Interessant ist jedoch die Datenlage zur Verstrickung des ISI. Nicht, dass das (im Wesentlichen) nicht schon lange bekannt gewesen wäre, aber jetzt wird die breite Öffentlichkeit mit der Nase draufgedrückt und dementsprechend dürfte sich hier einiges an Druck auf die pakistanische Regierung aufbauen. Vielleicht kommt was dabei raus.

Hochinteressant übrigens die "geheimen" Verlustzahlen - sie entsprechen den "offiziellen". Herbe Enttäuschung wohl für einige Leute, die Stein und Bein schworen dass hier ja soviel vertuscht würde. Und irgendwie klingt der Satz im SPIEGEL, dass in den Akten nichts über geheime Kriegsverbrechen oder sonstige illegale Verstrickungen der Bundeswehr stünde, schon fast ein wenig enttäuscht. Honi soit qui mal y pense.

Dementsprechend lächerlich übrigens das gestrige Geschrei der Opposition, man wolle "wissen was die Bw wirklich treibt"  ::)
Moderator informieren   Gespeichert
Semper Communis
Bundeswehrforum.de - Seit 9 Jahren werbefrei!
Helft mit, dass es so bleiben kann

miguhamburg1

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.824
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #8 am: 27. Juli 2010, 09:41:45 »

...eine hübsch beschriebene, sehr treffende Analyse der vermeindlichen Enthüllungen, lieber Kamerad Schlammtreiber!

Aus miener Sicht ist nicht das wesentliche Problem, dass eine Menge Redakteure, Reporter und sonstige Journalisten nachlässig oder schlampig arbeiten. Die sind genauso professionell wie andere Berufsgruppen auch, sprich: Sie machen teilweise viele Fehler. So what!

Viel schlimmer ist aus meiner Sicht, dass vor allem Menschen in Deutschland offenbar solche "Skandale" auf die Nase gedrückt bekommen müssen, damit sie endlich kapieren, in welcher Welt wir Soldaten tatsächlich leben. Und genauso schlimm ist es, dass derartige Sensationsmeldungen einfach so geglaubt werden und ohne weiteres Nachdenken zu Folgerungen führen, die genausowenig durchdacht sind!
Moderator informieren   Gespeichert

Name

  • Gast
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #9 am: 27. Juli 2010, 16:03:30 »

Interessant ist jedoch die Datenlage zur Verstrickung des ISI. Nicht, dass das (im Wesentlichen) nicht schon lange bekannt gewesen wäre, aber jetzt wird die breite Öffentlichkeit mit der Nase draufgedrückt und dementsprechend dürfte sich hier einiges an Druck auf die pakistanische Regierung aufbauen. Vielleicht kommt was dabei raus.

Ich sehe das anders. Der Druck wird jetzt auf die NATO-Länder aufgebaut, nicht auf Pakistan. Denn daß bereits seit vielen Jahren Druck (hinter den Kulissen von der US-Regierung) auf Pakistan und den ISI ausgeübt wird ist ja bereits bekannt. Oder glaubt hier jemand daß Clinton jetzt schnell in Pakistan anruft und sagt "also, daß ihr da seit vielen Jahren die Terroristen unterstützt ist ja völlig in Ordnung, aber jetzt nachdem die Akten öffentlich sind müßt ihr sofort damit aufhören, ok?".

Der Druck liegt jetzt auf der NATO Pakistan nicht mehr als Verbündeten anzusehen, keine Waffen mehr an die zu liefern, Geldzahlungen einzustellen usw. Nur wird das natürlich nicht passieren, Pakistan ist einer der wenigen Verbündeten der NATO in der Region, und die NATO ist völlig vom Goodwill von Pakistan abhängig um den Nachschub für Afghanistan sicherzustellen. Gleiches gilt auch für Kirgistan, ein brutaler Diktator der wahrscheinlich jetzt schon mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat als Pakistan, aber "er ist unser bester Freund" in der Region und Deutschland zahlt Milliarden an Militärhilfen, Miete für den Flugplatz usw. um den Nachschub zu sichern.

Mein Vorredner hat recht, vieles von dem was veröffentlicht wurde war bereits bekannt, aber nur Leuten die sich für Afghanistan interessieren.

Jetzt wird es viel mehr in den Massenmedien breitgetreten als vorher, was bedeutet daß nun der Spaß beginnt einer kriegsmüden Öffentlichkeit, welche nun von Tagesschau, Bild, Spiegel etc. in allen Details über die Verbrüderung von ISI und Taliban beschallt werden, zu erklären warum man Pakistan und den ISI trotzdem voll unterstützen muß und keinerlei Handhabe hat um das zu unterbinden, bzw. dafür zu sorgen daß Pakistan (teilweise mit unserem Geld finanzierte) Waffen liefert die unsere eigenen Söhne töten.

Und selbstverständlich werden z. B. die Grünen und die Linken genau diese Fragen jetzt genüßlich in der Öffentlichkeit stellen und die Regierung zwingen diese zu diskutieren, zumindest werden sie es versuchen.

Der Öffentlichkeit war bereits bewußt daß auch Zivilisten starben und Sonderkommandos im Einsatz sind, aber durch diese Ausbreitung der Details in den Massenmedien, die einen Blick in den Alltag eines militärischen Konflikts aus Sicht der Soldaten zulassen, wird vielen erst so richtig bewußt daß Spezialeinheiten, die nicht im Rahmen der ISAF arbeiten, in Afghanistan Jagd auf Taliban und andere Verdächtige machen, um sie zu töten. Es handelt sich also um einen heimlich und schmutzig geführten Krieg von Killerkommandos oder Todesschwadronen, der aber von allen ISAF-Ländern gedeckt und gebilligt wird, obgleich hier auch viele Zivilisten getötet werden. Gleichzeitig wird immer wieder betont daß Amerika ein Rechtsstaat ist, Deutschland ein Rechtsstaat ist usw. und diese Wildwest-Methoden, töten ohne Richter, Gerichtsverhandlung, Urteil, etc. nicht in einen Rechtsstaat passen.

Eines ist sicher: das ganze wird nicht dazu beitragen die Zustimmung zum (verlorenen) Krieg gegen die Taliban zu erhöhen, in keinem Land welches Truppen stellt.
Moderator informieren   Gespeichert

Terek

  • **
  • Offline Offline
  • Beiträge: 105
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #10 am: 27. Juli 2010, 16:36:24 »

[...] daß Spezialeinheiten, die nicht im Rahmen der ISAF arbeiten, in Afghanistan Jagd auf Taliban und andere Verdächtige machen, um sie zu töten. Es handelt sich also um einen heimlich und schmutzig geführten Krieg von Killerkommandos oder Todesschwadronen, der aber von allen ISAF-Ländern gedeckt und gebilligt wird, obgleich hier auch viele Zivilisten getötet werden. Gleichzeitig wird immer wieder betont daß Amerika ein Rechtsstaat ist, Deutschland ein Rechtsstaat ist usw. und diese Wildwest-Methoden, töten ohne Richter, Gerichtsverhandlung, Urteil, etc. nicht in einen Rechtsstaat passen.

Alleine die Irrungen in o.g. Absatz geradezurücken ist schon ein Großprojekt. Sie behaupten mehrfach es wird ein Krieg geführt, scheinen aber nicht zu wissen, daß es in einem Krieg durchaus legitim ist, wenn nicht sogar das Ziel, den Gegner unschädlich zu machen. Man kann Einheiten, die den Gegner aufspüren und bekämpfen sicher so betiteln wie Sie, aber die Implikation ist eine falsche. Das Ganze muß auch nicht von irgendwem gedeckt werden, weil, ohne auf die Eigenarten des Völkerrechts einzugehen, so etwas durchaus legitim ist.
Oder darf Ihrer Meinung nach der Gegner nicht mehr bekämpft werden, weil er keine Uniform trägt und sich mit der Zivilbevölkerung verzahnt? Zudem sollen Opfer in der Zivilbevölkerung, auch im Sinne der Verhältnismäßigkeit vermieden werden, aber mir scheint entgangen zu sein, daß es in einem "Krieg" keine zivilen Opfer geben darf. Wobei natürlich jeder der bei Trost ist versucht diese zu vermeiden.

Ferner frag ich mich was das mit einem Rechtstaat zu tun haben soll. Abgesehen davon, das Deutschland nur noch unter ISAF Mandat tätig wird und damit auch keine, von Ihnen als "Killerkommandos" bezeichneten Einheiten entsendet, entbehrt Ihre Ansicht, daß Kampfhandlungen in einem Krieg einen Richtervorbehalt haben sollen, jeder Realität. Es geht in einem Krieg um Kampfhandlungen und nicht um das Ausführen einer Strafe, das einem Gerichtsverfahren bedarf. Bevor Sie mit Begriffen wie Rechtsstaatlichkeit und ähnlichem arbeiten, sollten Sie sich vielleicht erst einmal informieren, was das überhaupt bedeutet...
Moderator informieren   Gespeichert

StOPfr

  • Unterwegs im Auftrag des Herrn
  • Global Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8.754
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #11 am: 27. Juli 2010, 18:20:07 »

Viel schlimmer ist aus meiner Sicht, dass vor allem Menschen in Deutschland offenbar solche "Skandale" auf die Nase gedrückt bekommen müssen, damit sie endlich kapieren, in welcher Welt wir Soldaten tatsächlich leben.

Dass Deutschland und seine empfindsamen Bürger die besondere Zielgruppe der drei Redaktionen bzw. von WikiLeaks sein sollen hat sich mir so deutlich nicht erschlossen.
Die positive Einschätzung von schlammis Anmerkungen teile ich uneingeschränkt. Mir ist genau diese Überlegung auch in den Sinn gekommen: 

Und irgendwie klingt der Satz im SPIEGEL, dass in den Akten nichts über geheime Kriegsverbrechen oder sonstige illegale Verstrickungen der Bundeswehr stünde, schon fast ein wenig enttäuscht.

Im übrigen: Wer sich auch nur ansatzweise für die Vorgänge in Afghanistan interessiert, wird nicht erst durch diese Dokumente zur Erkenntnis gelangen, dass es sich um einen Krieg handelt, der unter den gegebenen Umständen mit aller Konsequenz zu führen ist und auch so geführt wird. Das war außerhalb Deutschlands ja auch selten eine Frage.
Ich bin nur sehr erstaunt darüber, dass geheime Unterlagen in solcher Menge (wenn auch von weniger Brisanz als angenommen) in der Öffentlichkeit landen können. Wenn es dieser angebliche "computerkundige Gefreite" war muss man ihn fast bewundern...
Moderator informieren   Gespeichert
Bundeswehrforum.de - Seit 9 Jahren werbefrei!
Helft mit, dass es so bleiben kann.

miguhamburg1

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.824
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #12 am: 27. Juli 2010, 18:55:24 »

@ StOPf: Sicher war das nicht die primäre Absicht der Wiki-Leude. Aber das Kalkül der Redakteure der deutschen Zeitungen und Zeitschriften, die sich dieses Thema vermeindlich sensastionslüstig annahmen und es ausschlachten wollten. Und die deutsche Bevölkerung wird in den von mir beschriebenen Reflex verfallen, betroffenheitsselig, wie sie mit Masse eben ist!
Moderator informieren   Gespeichert

Name

  • Gast
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #13 am: 27. Juli 2010, 19:16:21 »

Alleine die Irrungen in o.g. Absatz geradezurücken ist schon ein Großprojekt. Sie behaupten mehrfach es wird ein Krieg geführt, scheinen aber nicht zu wissen, daß es in einem Krieg durchaus legitim ist, wenn nicht sogar das Ziel, den Gegner unschädlich zu machen. Man kann Einheiten, die den Gegner aufspüren und bekämpfen sicher so betiteln wie Sie, aber die Implikation ist eine falsche. Das Ganze muß auch nicht von irgendwem gedeckt werden, weil, ohne auf die Eigenarten des Völkerrechts einzugehen, so etwas durchaus legitim ist.
Oder darf Ihrer Meinung nach der Gegner nicht mehr bekämpft werden, weil er keine Uniform trägt und sich mit der Zivilbevölkerung verzahnt? Zudem sollen Opfer in der Zivilbevölkerung, auch im Sinne der Verhältnismäßigkeit vermieden werden, aber mir scheint entgangen zu sein, daß es in einem "Krieg" keine zivilen Opfer geben darf. Wobei natürlich jeder der bei Trost ist versucht diese zu vermeiden.

Ferner frag ich mich was das mit einem Rechtstaat zu tun haben soll. Abgesehen davon, das Deutschland nur noch unter ISAF Mandat tätig wird und damit auch keine, von Ihnen als "Killerkommandos" bezeichneten Einheiten entsendet, entbehrt Ihre Ansicht, daß Kampfhandlungen in einem Krieg einen Richtervorbehalt haben sollen, jeder Realität. Es geht in einem Krieg um Kampfhandlungen und nicht um das Ausführen einer Strafe, das einem Gerichtsverfahren bedarf. Bevor Sie mit Begriffen wie Rechtsstaatlichkeit und ähnlichem arbeiten, sollten Sie sich vielleicht erst einmal informieren, was das überhaupt bedeutet...


Zunächst möchte ich betonen das ich nicht meine Meinung geschrieben habe, sondern versucht habe darzustellen welche Konsequenzen die Veröffentlichung auf die öffentliche Meinung in den NATO-Staaten hat. Das mir das nicht immer wie gewünscht gelingt ist bei einem so komplexen Thema leider nicht zu vermeiden. Entschuldigung dafür, und an konstruktiver Kritik und Diskussion wäre ich interessiert.

Das ein Krieg geführt wird kommt nicht von mir, diese Behauptung stammt von der US Regierung, der NATO und als "kriegsähnlich" auch von Deutschland. Natürlich wird niemand, der sich auf einen Krieg einläßt, verneinen das man Gegner töten darf/soll/muß.

Aber das Erstellen einer (geheimen) Liste, die dann "abgearbeitet" wird, und zwar teilweise ohne eben wie Sie auch betonen Rücksicht auf evtl. Unbeteiligte und Unschuldige zu nehmen, ist nunmal nicht mit einem Rechtsstaat in Einklang zu bringen.

Nach der Analyse des Materials wird klar, dass die Deutschen sich offensichtlich nicht an solchen Aktionen beteiligt haben. Das ist sehr sehr gut. Deshalb ist das auch eher ein Problem für die Amerikaner, und nur sekundär für die Deutschen. Trotzdem muß und soll das Verhalten unserer Verbündeten auch in anderen NATO-Ländern öffentlich diskutiert und evtl. gerügt werden. Denn in der deutschen Öffentlichkeit wird das nunmal auch Teil der Afghanistan-Debatte sein, und es wird eben nicht gerade zur Unterstützung der Befürworter des Einsatzes dienen.

Nicht die Kampfhandlungen sollen unter Richtervorbehalt stehen, das ist unsinnig wie Sie auch schreiben. Die Todesliste muß es aber.

Kleines Beispiel: wenn der Staat in Deutschland einfach aufgrund einer geheimen Liste Ihren Nachbarn verhaften würde, ohne Anklage, Informationen warum er verhaftet wird, ohne Gerichtsverhandlung usw., dann wären Sie wohl ebenfalls sehr beunruhigt. Wenn der Staat aber den Nachbarn vor Gericht bringt und es Beweise gibt daß er Geld unterschlagen hat, und er wird dann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ist das völlig in Ordnung.

Was die amerikanische Öffentlichkeit nun diskutiert (oder auch nicht) ist die Tatsache, das bis jetzt niemand beweisen mußte das XY ein Terrorist ist und den Tod verdient hat. Man hat einfach den Namen auf die Liste gesetzt und dann die Task Force losgeschickt. Das ist mit rechtstaatlichen Prinzipien nicht zu vereinbaren. Natürlich kann man nicht in einer Tageszeitung veröffentlichen welche Taliban man in der nächsten Woche zu töten gedenkt. Aber man kann nach einer solchen Aktion dem Parlament, der Öffentlichkeit und dem Rest der Welt, besonders den Verbündeten, Beweise vorlegen warum XY ein böser Bursche war und wieso er zum Tode verurteilt wurde. Wenn der Beweis einzig und alleine ein Zettel ist den der Nachbar von XY der NATO zugesteckt hat, und XY dann ohne jegliche Überprüfung dieser Behauptung liquidiert wird (schlimmstenfalls sogar noch unter Verlusten von Zivilbevölkerung), dann muß es in einem Rechtsstaat möglich sein denjenigen, der den Namen XY auf die Todesliste gesetzt hat, zur Rechenschaft zu ziehen. Ansonsten sind wir nämlich nicht besser als China, Russland, die Taliban, .....

Nochmals: nicht meine persönliche Meinung, sondern was meiner Meinung nach diese Veröffentlichung für Auswirkungen haben könnte.
Moderator informieren   Gespeichert

miguhamburg1

  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.824
Re:Afghanistan-Akten auf wikileaks
« Antwort #14 am: 27. Juli 2010, 19:26:43 »

Lieber Gast, Sie schreiben:

"Aber das Erstellen einer (geheimen) Liste, die dann "abgearbeitet" wird, und zwar teilweise ohne eben wie Sie auch betonen Rücksicht auf evtl. Unbeteiligte und Unschuldige zu nehmen, ist nunmal nicht mit einem Rechtsstaat in Einklang zu bringen."

Dass so eine Liste nicht mit einem Rectsstaat zu vereinen wäre, ist Ihre Interpretation und kann keine allgemeingültige Richtigkeit haben. Denn es kommt vor allem darauf an, welches Recht gilt. Dass die USA ein demokratischer Rechtsstaat ist, dürfte niemand ernsthaft bezweifeln können. Ebenso wird allerdings auch kaum jemand bezweifeln, dass sich das amerikanische Rechtssystem teilweise erheblich von unserem in Deutschland unterscheidet.

Insofern ist es schlicht inkonsistent begründet, das eine mit dem anderen Rechtssystem bezüglich einer solchen Target List für eine militärische Spezialeinheit in einen Topf zu werfen und zu Ihrer Schlussfolgerung zu kommen.

Richtig ist,dass auch Truppenteile der Bundeswehr in Ex-Jugoslawien eine derartige Liste hatte, nämlich die der vom Internationalen Gerichsthof gesuchten Kriegsverbrecher undf daraufhin auch aktiv wurden - nach den jeweiligen ROE i.V.m. dem Polizeirecht, das dort galt.
Moderator informieren   Gespeichert
 

© 2002 - 2012 Bundeswehrforum.de