Meinst das das ernst? 
Absolut, snake. Und ich glaube Du weißt ja, dass ich mich mit dem Thema etwas näher beschäftig habe.
Ich habe neulich erst eine Reportage im TV gesehen, die genau das Gegenteil ausgesagt hat ...
Geht die Quelle genauer? Würd ich mir gerne auch anschauen.
die Kernaussage war: Die Amerikaner haben nach der Entmachtung des Saddam Regimes versucht Ordnung ins Land zu bringen ... dieses ist ihnen jedoch nicht gelungen, da sie aufgrund ihrer bekannten "Holzhammermethoden" sehr schnell sämtliche Sympathien im irakischen Volk verspielten.
Stimmt soweit auch… bis etwa 2007. Nach dem Sturz Saddams versuchten die Amerikaner gemäß sog. „Rumsfeld-Doktrin“ (und gegen die Warnung der Generalität) mit einem minimalen Kräfteansatz das Land zu sichern. Noch dazu mit falschen operativen Vorstellungen, Stichworte „FOB“ und „repetitive raiding“. Als Sahnehäubchen obendrauf wurden dann noch gut gemeinte gravierende Fehler gemacht, wie die Auflösung der irakischen Armee und die tiefgehende „Entbaathisierung“ des Staatsapparates. Daraus resultierend verschlechterte sich die Sicherheitslage bis 2006/07 zunehmend, der Krieg war bereits als verloren abgeschrieben.
Als der Wiederstand der irakischen Bevölkerung zu groß wurde, die Unterstützung im amerikanischen Volk aufgrund der hohen Verluste stark schwindete, reagierte die USA vielerorts mit einem recht eiligen Rückzug, damit die Stimmung zu Hause nicht gänzlich kippte.
Und hier beginnt es nicht mehr zu stimmen. Die sich verschlechternde Sicherheitslage führte nicht zum Rückzug, sondern im Gegenteil zur Aufstockung der Truppen („the surge“). Gleichzeitig drehte sich in den ländlichen sunnitischen Gegenden die Stimmung gegen ausländische Dschihadisten und führte dazu, dass bisher dem Widerstand angehörende sunnitische Milizen die Seite wechselten und mit den Amerikanern gegen Al Qaida im Irak kämpften („Al Anbar awakening“). Diese zwei Faktoren führten in Kombination mit neuen Operationsmethoden (die wesentlich von Gen. Petraeus eingeführt wurden) dazu, dass 2008 ff. sowohl AQI als auch andere Widerstandsgruppen eine herbe Niederlage einstecken mussten. Einige sunnitische und schiitische Gruppen stellten den Kampf ein, andere wechselten die Seiten, AQI wurde größtenteils zerschlagen und beschränkt sich seitdem auf Bombenanschläge. Die Sicherheitslage verbesserte sich rapide, ausgehend von Al Anbar, dann in Baghdad, dann im Rest des Landes. Gleichzeitig ging die Berichtserstattung in den europäischen Medien stark zurück.
Ergebnis laut Reportage:
Vielerorts haben die USA im Irak nur Chaos hinterlassen ohne sich darum zu kümmern, dass der Irak selbstständig für seine Sicherheit sorgen kann. Besonders in ländlichen Regionen des Iraks soll der irakische Staat null Einfluss haben ... dort bestimmen bewaffnete Rebellen das Leben und die zivile Bevölkerung ist deren Willkür schonungslos ausgeliefert ... lediglich an lukrativen Orten im Irak, sollen die USA sehr bemüht gewesen sein dort einigermassen für Ordnung zu sorgen .... komischerweise sind dort überall Ölquellen zu finden 
Und hier, mit Verlaub, wird es schlicht und einfach nur noch falsch.
Und zwar in allen drei Punkten (Chaos, Rebellenkontrolle, Ölquellen).
Chaos herrschte 2006. Seit 2007 ist die Zahl der Kampfhandlungen, Anschläge etc um über 90 Prozent zurückgegangen (das ist keine Angabe in gefühlten Prozent oder so, sondern belegbar:
Statistik )
Darüber wurde vielleicht nicht so intensiv berichtet wie über den „Weg ins Chaos“ bis 2006… vielleicht war es zu langweilig wenn weniger passiert, vielleicht wollte man seine Vietnam-Prognosen auch einfach nicht revidieren. Wer weiß…
Rebellenkontrolle: finde ich hochinteressant! Deshalb würde ich diese Reportage gerne selbst sehen, denn das wären mal ganz neue Informationen. Welche Rebellen sind das, welche Gegenden kontrollieren sie? Und warum gibt es dazu keinerlei Infos in Fachkreisen? Alles was ich zu dem Thema finden kann datiert etwa von 2004-2006, egal ob Print oder Online. Oder meinte diese Reportage vielleicht die im Norden des Irak stehenden (und mit den Amerikanern verbündeten) Kurdenmilizen?
Ölquellen: epic fail. Die Ölquellen des Irak liegen im Norden (kurdischer Teil) oder im Süden (schiitische Region um Basra) des Landes. Kannst Du nachprüfen. Die Hauptanstrengungen der Amerikaner richteten sich aber nachweislich (kannst Du genau so leicht nachprüfen) auf die Mitte des Landes, die sunnitischen Teile (Al Anbar, surge in Baghdad…) Der Norden war die meiste Zeit weitgehend unproblematisch (wegen der kurdischen Bevölkerung), im Süden gab es Kämpfe mit schiitischen Milizen (Mahdi-Armee und Co), die aber letztlich unter Kontrolle kamen – interessanterweise waren es übrigens irakische (!) Truppen, die Basra wieder von den Milizen zurückeroberten, wenngleich mit Unterstützung der Amerikaner. Weder der Norden, noch der Süden des Landes gehörten bei der Aufteilung der Besatzungszonen zum amerikanischen Sektor.
Die Kombination surge und Abzug war ein „Glücksspiel“ der USA. Bush und Co sahen 2007 angesichts der katastrophalen Lage ein, dass ihre Strategie im Irak völlig gescheitert war, und waren damit offen für Rettungsvorschläge der Militärs, auch für die bisher stets abgelehnte Truppenaufstockung (entgegen der Rumsfeld-Doktrin). Die surge sollte in einem letzten Kraftakt das Ruder herumreißen, um den Abzug aus einem stabilisierten Irak zu ermöglichen. Das ist gelungen. Die Amerikaner haben den Krieg 2008 völlig gedreht.
Wie gesagt, diese Reportage würde ich gerne mal sehen, denn soviel Distanz zur Realität ist schwer zu erklären. Eigentlich nur durch stark tendenzielle Berichterstattung (euphemistisch gesagt). Oder, was natürlich auch sein könnte: die Reportage ist älter, 2007 oder früher.
Dann beschreibt sie die Lage recht korrekt

Aber seitdem hat sich die Lage eben komplett verändert.
Ein paar gute Quellen hierzu:
Marston, Daniel/Malkasian, Carter: “Counterinsurgency in Modern Warfare”, Osprey Publishing, Oxford 2010.
Ricks, Thomas E.: „The Gamble. General David Petraeus and the American Military Adventure in Iraq, 2006-2008”, Penguin Press, New York 2009.
Rid, Thomas/Keaney, Thomas (Hrsg.) : “Understanding Counterinsurgency. Doctrine, operations, and challenges”, Routledge, London/New York 2010.
West, Francis J. Jr. „Bing“: “The Strongest Tribe. War, Politics, and the Endgame in Iraq”, Random House, New York 2009.
Anderson, Gary: “The Closers (Part 1): How Insurgencies End”, Small Wars Journal, 30. Januar 2011.
http://smallwarsjournal.com/blog/journal/docs-temp/660-anderson.pdfPaul, Christopher/Clarke, Colin P./Grill, Beth: “Victory Has a Thousand Fathers. Sources of Success in Counterinsurgency”, RAND Corporation, Santa Monica 2010, online
http://www.rand.org/pubs/monographs/2010/RAND_MG964.pdf