bedeutet das, dass der einzelne soldat für 2 arbeitet?
Nein. Es bedeutet, dass die Streitkräfte schlanker geworden sind, weil sich das Aufgabenfeld massiv verändert hat. Gab es vor 1990 noch weit über 500.000 deutsche Soldaten in Deutschland, wurde diese Zahl bis 1994 auf ~375.000 reduziert - weil eine Auseinandersetzung von Massenarmeen mit tausenden Panzern und Millionen Soldaten auf jeder Seite auf dem Boden Deutschlands unwahrscheinlich geworden war. Seither hat sich die Bundeswehr weiterentwickelt, von der Armee zur Landesverteidigung hin zur Armee im Einsatz. Das hat dazu geführt, dass die Zahl der Soldaten nochmal ein gutes Stück gekürzt wurde, da man z.B. heutzutage nicht mehr jeweils 1.500 Panzer und Schützenpanzer braucht, sondern eher Infanterieverbände, die man in kurzer Zeit überall auf der Welt einsetzen kann.
Man braucht also vom Grundsatz her schlicht und ergreifend nicht mehr so viele Soldaten - die, die man noch hat, müssen sich aber stärker spezialisieren bzw. stärker auf die neuen Aufgaben hin ausgebildet werden. Gleiches gilt dann auch für den zivilen Bereich - weniger Soldaten bedeuten z.B. auch weniger Verwaltungsaufwand und damit einen geringeren Personalbedarf.
oder sind wir dann wieder an dem punkt der überbesetzung, dass es zu viele dienstposten gibt, die sinnlos sind?
Der Umkehrschluss ist nicht wirklich logisch ... Wenn ein Dienstposten, z.B. auf Grund des Transformationsprozesses, überflüssig geworden ist, wird er aus den Strukturen gestrichen, der darauf sitzende Soldat auf einen anderen Dienstposten umgesetzt und kein Nachfolger mehr eingestellt. Eine Streichung von Dienstposten führt damit auch automatisch zu einer geringeren Anzahl an Einstellungen von Bewerbern.
Es mag Einzelfälle geben, in denen es dann dazu kommt, dass ein Soldat auf eine andere Verwendung hin umlernen muss und dieser anschließend nicht nachkommt, sondern direkt wieder umgeplant wird und umlernen muss. Oder dass ein Soldat schlicht und ergreifend mal einen gewissen Leerlauf hat, da er mit seiner Qualifikation im Moment keinen neuen Dienstposten angeboten bekommen kann. Das sind aber Einzelfälle und kein Beleg für eine (noch nie existente!) Überbesetzung!
wenn man abbaut und abbaut, ist die bundeswehr dann überhaupt noch handlungsfähig im verteidigungsfall? die zivilen können ja nicht kämpfen...
Könnten sie prinzipiell schon, aber egal.
Wie wahrscheinlich ist es denn deiner Meinung nach heutzutage noch, dass die Bundesrepublik Deutschland den Verteidigungsfall ausrufen muss? Es dürfte eher unwahrscheinlich sein ... Die Armeen, mit denen man einen klassischen Krieg ausfechten könnte, bzw. die technologisch auf einem Niveau sind, dass sie der Bundeswehr ebenbürtig oder überlegen sind, sind heutzutage zum größten Teil unsere Verbündeten. Ein richtiges Feindbild, wie die DDR/NVA, gibt es heutzutage nicht mehr. (Übrigens sind auch diese Armeen in den letzten Jahren und Jahrzehnten eher kleiner als größer geworden ...)
Und gegen eine (realistischere) asymmetrische Bedrohung, wie in Afghanistan, ist eine Bundeswehr heutzutage von Ausbildung, Struktur und Ausstattung her bei geringerem Personalumfang wesentlich besser aufgestellt als eine Bundeswehr von vor 20 Jahren ...