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Autor Thema: Die Lage in Afghanistan  (Gelesen 207047 mal)

schlammtreiber

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Die Lage in Afghanistan
« am: 17. Juni 2011, 12:10:43 »

Ein interessanter Artikel über „interessante Artikel“, vom Blog Afghan Quest:

http://afghanquest.com/?p=584

Interessant insbesondere die Diskussion zum „tipping point“: auch außerhalb von Fachkreisen schimmert langsam die Erkenntnis durch, dass die Taliban auf dem absteigenden Ast sitzen.

Zitat
In COIN, incremental success makes for a jumbled, ugly picture. No victorious flag-raising, no victor hoisting his sword to the heavens in triumph. The tipping point in a local situation isn’t even recognizable when it occurs.
ISAF’s latest report on the progress of the conflict retains the phrase, “fragile but reversible gains.” We all expect rhetoric from ISAF. But the fact that some of these things are being noted by mainstream reporters… whether they are COIN gurus or not… speaks volumes. To me, it speaks even louder that they are by no means experts in counterinsurgency. If they were, the filters they applied may muddy the information. These two articles are largely devoid of all but superficial analysis, and that makes them stronger indicators. If an MSM reporter can convey some of this, and if one of them even flirts with the concept of the “tipping point,” that is an interesting conversation-starter.

 Der erwähnte Artikel in der NYT übrigens hier:

http://www.nytimes.com/2011/06/12/world/asia/12helmand.html?pagewanted=1&_r=4

Interessant auch für die Einschätzung zu Taktik und strategischem Hintergrund, sprich “die Taliban bomben, weil sie nicht mehr richtig kämpfen können”.

Zitat
One other interesting congruence in these two separate articles is the reference to the current insurgent tactics. A certain reliance on suicide bombings and assassinations is being recognized. The insurgents are working very hard to portray themselves as having influence greater than their actual grasp. Just because one can infiltrate a civilian city and detonate a concealed weapon does not denote the ability to influence the daily activities of those residents, other than to inspire a bit of fear (hence the term, “terrorism”). It actually indicates a certain weakening of the insurgent, a sense of desperation. Like a team that has fallen behind in a playoff game, “Hail Mary” passes and continued efforts to pull off a big play actually display a recognition of being disadvantaged. The Afghan insurgents may be displaying these signs.
Lastly, recent reports indicate that Afghan civilian casualty incidents (CIVCAS) are higher than ever… with pro-government forces being attributed with only 12% of the casualties. An increase in reliance on more indiscriminate weapons also indicates that the insurgents are less able to confront their foes directly. Force preservation is an insurgent imperative even in good times. They are insurgents precisely because they are overwhelmed by their opponents. Assymetry in warfare is not a choice made by the strong, it is a necessity for the weak. When insurgents are a bit more flush, politically and militarily, they can afford to be more direct and discriminating in their attacks. A rise in the use of “victim-initiated” devices, such as pressure plate IED’s, indicates an inability or unwillingness to use riskier and more time-consuming command detonation techniques. This may also be an indication of insurgent weakness and the acceptance, in the minds of the insurgents, that the unintended (or even intended) infliction of civilian casualties is more acceptable or even necessary.

Was dort oben geschrieben steht deckt sich nicht nur mit den Aussagen unseres Ministers, sondern es deckt sich auch mit den maßgeblichen COIN-Theorien, von Galula bis Kilcullen. Es deckt sich auch mit den jüngeren Erfahrungen aus dem Irak und mit älteren Erfahrungen aus Algerien, Vietnam, Malaya, Kolumbien,…ob der Wendepunkt bereits überschritten ist wird mit Sicherheit erst in der Rückschau zu beantworten sein, aber die Indizien sind schon sehr stark.

Überspitzt gesagt: Wir siegen gerade. Wir merken es nur nicht. Und das ist das Problem. So lange die eigene Bevölkerung nicht merkt, dass der Erfolg sichtbar ist, sondern nur Hiobsbotschaften hört und nach jedem Anschlag panisch „Rückzug“ geschrien wird, so lange haben die Taliban noch gute Chancen. Die Taliban können den Sieg nicht mehr in Afghanistan aus eigener Kraft erlangen, sie können ISAF nicht besiegen, sie können nur noch hoffen, dass der Sieg ihnen geschenkt wird. Durch einen zu schnellen Abzug, ohne ausreichendes Engagement zum Aufbau afghanischer Strukturen.
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schlammtreiber

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #1 am: 17. Juni 2011, 13:11:59 »

Apropos Aufbau afghanischer Strukturen: ein Knackpunkt ist nach wie vor der zivile Aufbau.
Dieser kommt zwar langsam voran, aber nicht so effizient wie man es sich wünscht und nicht schnell genug, um die militärischen Erfolge voll auszunutzen.

Zum Stand der Fortschritte:

Glimmers of Hope

http://www.economist.com/node/18681871

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StOPfr

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #2 am: 17. Juni 2011, 13:30:57 »

...Die Taliban können den Sieg nicht mehr in Afghanistan aus eigener Kraft erlangen, sie können ISAF nicht besiegen, sie können nur noch hoffen, dass der Sieg ihnen geschenkt wird. Durch einen zu schnellen Abzug, ohne ausreichendes Engagement zum Aufbau afghanischer Strukturen.
Das ist doch mal was Konkretes: Ein Mut machendes Resümee, das auch auf den Knüppel zeigt, der den Verbündeten - und der im Aufbau befindlichen Zivilgesellschaft Afghanistans - noch zwischen die Beine geworfen werden kann.   
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schlammtreiber

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #3 am: 17. Juni 2011, 14:04:10 »

Da kommt ein gutes Stück Arbeit auf einige Leute hierzulande zu.
Politiker, Journalisten, Wissenschaftler, und eventuell sogar protestantische TheologINNen  ;D die dem Durchschnittsbürger erklären müssen, WAS dort geschieht, WIESO es geschieht und welche Schlüsse man daraus ziehen kann.
Und was getan werden kann, welche Optionen zur Verfügung stehen.

"Den Krieg zu verstehen schützt vor Populismus" (Bing West, "The Strongest Tribe")

Herr de Maiziere hat ja schon angefangen. Auch wenn er dafür von den ausgewiesenen Counterinsurgency-Experten der "Bild-Zeitung" (eine absolute Autorität in der internationalen Szene der Sicherheitspolitik, fallt auf die Knie und schaudert...) verspottet wird.

Was immer man auch von Dr. Herrn zu Guttenberg halten mag, ein Verdienst bleibt ihm - er hat Deutschland klar gemacht, dass wir in Afghanistan in einem Krieg sind. Vielleicht sagen wir später von de Maiziere, sein Verdienst sei gewesen, den Deutschen diesen Krieg dann erklärt zu haben.

Aber alleine kann er das nicht machen. Wir brauchen mehr Journalisten, die über die Ereignisse und Hintergründe dort berichten. Mehr Reporter, die mutig genug sind "aus dem Feld" zu berichten (wo zur Hölle ist eigentlich Antonia Rados? Die ist doch immer da wo´s knallt...). Mehr zivile Experten, die bereit sind für den Aufbau nach Afghanistan zu gehen. Mehr Politiker, die sich trauen Millionen und Millionen Euro über Jahre hinweg für die wirtschaftliche Hilfe am Hindukusch zu fordern und zu bewilligen.

Was wir schon haben, und auch vor Ort haben, sind Soldaten, die in der Lage sind die Taliban zu verdrängen und die Kontrolle über die Gebiete herzustellen, in denen die Bevölkerung lebt. Aber in diesen gesicherten Gebieten müssen wir dann auch was machen, etwas aufbauen, einheimische Strukturen schaffen, sonst geht nach unserem Abzug alles wieder den Bach runter. Jedes Dorf, in dem kein Aufbau betrieben wird, war umsonst erobert.
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schlammtreiber

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wolverine

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #5 am: 18. Juni 2011, 11:47:31 »

wo zur Hölle ist eigentlich Antonia Rados?
In Syrien
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instfw

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #6 am: 19. Juni 2011, 19:41:00 »

Ich finde es schon etwas befremdlich wie kritik- und widerspruchslos der ein oder andere in diesem Forum mit der Lage in Afghanistan umgeht. 
Jegliche Kritik an der offiziellen Line der Führung wird schon fast zur Dolchstoßlegende hochstilisiert. Oder es wird versucht unter dem Deckmantel der Intellektualität die Quellen des ein oder anderen als nicht seriös darzustellen.
Verwiese auf Publikationen im Internet in anderer Sprache als die der Forumssprache sind in meinen Augen kein Ausdruck besonderer Seriosität der Quellen.
Als Zeichen der Niederlage der Taliban Algerien und Vietnam anzuführen sprechen in meinen Augen auch nicht unbedingt von besonderen Kenntnissen der Geschichte dieser Konflikte. Zu mindestens ist mir bekannt dass in Algerien die Franzosen und in Vietnam die US Amerikaner die Konflikte nicht für sich entscheiden konnten.
Niemand hier im Forum, ich nicht dessen Aufenthalt in A’stan schon etwas länger her ist, irgendein Offizier der nicht direkt mit der Thematik befasst ist und erst recht kein Reservist aus einem Luftwaffenregiment der ab und an bei der Einsatzvorbereitung seines Verbandes übt, kann sich ein Bild über die Lage in diesem Lande machen. Selbst der Kamerad der aktuell in der Polizeistation in Char Darah steht kann sich nur einen Überblick über seine Lage verschaffen und nicht über die Gesamtlage.
Und wenn es eines aus allen Konflikten vorher zu lernen gibt, dann ist es das, das eines der ersten Opfer des Krieges immer die Wahrheit ist. Zu mindestens ich gehe daher mit den offiziellen Äußerungen etwas vorsichtiger um. Mit Siegesmeldungen wurde unser Volk schon mal belogen. Nicht das ich diesen Konflikt oder unsere Regierung mit denen aus unserer Vegangenheit vergleichen möchte was auch völlig absurd wäre. Aber Tatsache ist doch das die Wahrheit in Kriegszeiten immer leidet.

Aber egal wie die Lage auch ist so gehört es doch zu den grundlegenden Formen zivilisierter Kommunikation die Meinung des anderen zu akzeptieren und nicht von ihm zu Entschuldigungen zu verlangen weil mir seine Meinung und/oder seine Quellen nicht zusagen, schon gar nicht mit ultimativen Drohungen.
Der Konflikt an sich ist für mich nicht mehr zu gewinnen, je eher wir uns aus diesem Lande zurückziehen, desto besser. Dort zu bleiben mit der Begründung „Wenn wir jetzt gehen, dann wäre jeder gefallene Kamerad umsonst gestorben“ ist in meinen Augen einfach nur pervers. Das ist es was man meiner Meinung nach aus Konflikten wie Vietnam oder Algerien lernen kann. Ich für meinen Teil werde mich für diesen Einsatz nicht mehr freiwillig melden, wenn ich gesetzt werde dann werde ich fahren, weil es mein Job ist und nicht weil ich von der Sinnhaftigkeit dieses Einsatzes überzeugt bin. Aber das ist meine Meinung.                                                                     
Der Balkan war und ist da eine ganz andere Sache, dort wollten die Menschen Hilfe und es war vor unserer Haustür.
Aber ob ich oder andere Recht haben wird erst in schätzungsweise 50 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen. Bis dahin würde ich mir auch in diesem Forum die Toleranz und Meinungsfreiheit und -vielfalt wünschen die ich an der Bundeswehr so schätze.
In diesem Sinne wünsche ich allen Kameraden in den Einsätzen eine glückliche und gesunde Heimkehr.
« Letzte Änderung: 19. Juni 2011, 20:28:23 von instfw »
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TheAdmin

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #7 am: 19. Juni 2011, 20:30:39 »

Willst du nun Toleranz und Meinungsfreiheit, wie du es am Ende deines Posts ausdrückst? Oder aber die Meinung von einigen Leuten hier anprangern, wie in deinem ersten Satz geschrieben? Oder willst du jemanden Unterstützen, der je nach Wetterlage seine Stammtischparolen mit Gefallenen zu untermauern versucht, wie im mittleren Anteil des Posts geschrieben? Oder darf ab sofort sich keiner mehr zu dem Thema äußern, vor allem nicht, wenn er Reservist der Luftwaffe ist?

Jeder darf hier seinen Senf dazugeben. Was wir aber löschen sind Dinge, die unsere Soldaten instrumentalisieren oder beleidigen. Schlammi drückt seine Meinung aus und andere müssen hier damit leben, dass sie mit ihm diskutieren müssen. Soll ich ihm den Mund verbieten, weil er eine nicht Mainstream Meinung hat? Oder weil er den Kram studiert und damit vielleicht eine andere mehr akademische Sicht der Dinge hat?

Das hier ist ein Diskussionsforum und wer sich beteiligt muss einfach damit rechnen, dass mitdiskutiert wird und zu einer Diskussion gehört normalerweise der Austausch von Argumenten verschiedener Seiten.
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miguhamburg1

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #8 am: 19. Juni 2011, 21:09:36 »

@ instfw:

So Manches, was Sie hier schreiben, weiß ich durchaus zu schätzen, weil es viel fachliche Information bietet, die Manche nicht haben. Das, was Sie in Ihrer letzten Zuschrift allerdings anbieten, kommt über das Stammtischniveau leider nicht heraus.

Es hält doch wohl einer intellektuellen Auseinandersetzung nicht stand, einem anderen ohne weitere Kenntnis seiner Person jedwede Ahnung abzusprechen, nur weil er Reservist oder meinethalben auch Aktiver ist/war, dessen Aufenthalt in einem Einsatzland länger zurückliegt oder der gar nicht im Einsatz war. Eine solche pauschale Aussage ist einfach nur töricht.

Und da Sie mit Ihrem Einwurf u.a. auch meine Aussage als falsch/unvollständig/inkompetent abtun: Ich war u.a. zuletzt im März/April zwei Wochen in AFG, war im ISAF-Kdo eingesetzt und war Kdr eines der PRT - und das alles liegt auch kein Jahrzehnt zurück. Insofern maße ich mir sicher nicht an, die politische und militärische Großwetterlage in den Einsatzgebieten und insbesondere in AFG zu kennen.

Dass gewisse Presseorgane des In-und Auslandes weit über das Niveau der Bildzeitung hinausgehen und allgemein als sehr seriös angesehen werden, ist sicher auch Ihnen bekannt. Aus derartigen Medien hat der Kamerad Schlammtreiber zitiert - und die Links zur Verfügung gestellt. Dass Sie Informationen offizieller staatlicher Stellen pauschal in Zweifel ziehen, macht Sie - wenn Sie denn aktiver Soldat  sind - nicht gerade vertrauenswürdiger. Ich jedenfalls würde erheblich an Ihrer Loyalität zweifeln, wenn Sie mir bekannt wären.

Wenn wir jetzt üerstürzt aus AFG abziehen würden, wären nicht nur die Opfer der gefallenen und verwundeten Kameraden umsonst gewesen, sondern die ISAF-Truppensteller würden den Taliban den größten Triumph ermöglichen - nämlich ohne jeden WidersFG erneut ins tiefe Mittelalter zu katapultieren mit allen bekannten Folgen. Genau das zu verhindern, ist Ziel der ISAF-Mission.
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Timid

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #9 am: 19. Juni 2011, 22:01:36 »

Verwiese auf Publikationen im Internet in anderer Sprache als die der Forumssprache sind in meinen Augen kein Ausdruck besonderer Seriosität der Quellen.

Ich kann nicht genau einschätzen, wie es im Bereich COIN etc. aussieht, aber es ist in einigen Bereichen der akademischen Welt nicht unüblich, dass es genau eine Sprache für wissenschaftliche Werke gibt, nämlich das Englische. In "meinem" Gebiet sind deutschsprachige Quellen die absolute Ausnahme.
Die Sprache sagt also nichts über die Seriösität der Quelle aus!

Zitat
Als Zeichen der Niederlage der Taliban Algerien und Vietnam anzuführen sprechen in meinen Augen auch nicht unbedingt von besonderen Kenntnissen der Geschichte dieser Konflikte. Zu mindestens ist mir bekannt dass in Algerien die Franzosen und in Vietnam die US Amerikaner die Konflikte nicht für sich entscheiden konnten.

Es ging ja bei den Beispielen nicht darum, wer den jeweiligen Konflikt gewonnen hat, sondern was man daraus für Lehren gezogen hat. Und da waren gerade Algerien und Vietnam, eben wegen der Niederlagen in der Aufstandsbekämpfung, Wegbereiter für spätere Theorien wie COIN!
Dass man heute weiter ist, sieht man z.B. am Irak oder eben Afghanistan. Im Irak hat man "gewonnen". In Afghanistan ist man auf einem guten Weg.

Zitat
Niemand hier im Forum, [...]

Stimmt zwar prinzpiell. Aber man kann die vorhandenen Quellen (und das sind eben häufig nicht deutschsprachige Medien, sondern englischsprachige Quellen) zu einer passenden Analyse nutzen.
Das hat Schlammtreiber getan. Einige der Quellen hat er hier im Forum genannt, so dass sich jeder, der es denn will, seine eigene Meinung bilden kann. Seine Einschätzung hat er mehrfach dargestellt und mit Quellen untermauert. Z.B. ist er da auf einer Linie mit unserem Verteidigungsminister und anderen Politikern und Militärs.

Zitat
Aber Tatsache ist doch das die Wahrheit in Kriegszeiten immer leidet.

Nur lassen sich manche Tatsachen auch dann nicht leugnen - z.B., dass die Sicherheitskräfte in Afghanistan zunehmend Raumgewinne erzielen, oder dass die Taliban (in Afghanistan!) zunehmend seltener die offene Schlacht suchen, sondern sich mehr und mehr auf Anschläge konzentrieren.

Zitat
Aber egal wie die Lage auch ist so gehört es doch zu den grundlegenden Formen zivilisierter Kommunikation die Meinung des anderen zu akzeptieren und nicht von ihm zu Entschuldigungen zu verlangen weil mir seine Meinung und/oder seine Quellen nicht zusagen, schon gar nicht mit ultimativen Drohungen.

Du scheinst die Beiträge, um die es ging, überhaupt nicht zu kennen, oder?
Es ging nicht um eine abweichende Meinung (die wir übrigens bei dem Nutzer über Jahre [!!!] hinweg hier zugelassen haben), sondern um ganz konkrete Bemerkungen über gefallene Kameraden, die wir so nicht stehen lassen konnten!

Zitat
Aber ob ich oder andere Recht haben wird erst in schätzungsweise 50 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen. Bis dahin würde ich mir auch in diesem Forum die Toleranz und Meinungsfreiheit und -vielfalt wünschen die ich an der Bundeswehr so schätze.

Wie schon geschrieben: Wir sind hier in einem Diskussionsforum. Wer sich hier öffentlich äußert, darf sich nicht wundern, wenn es darauf Antworten gibt.
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schlammtreiber

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #10 am: 20. Juni 2011, 10:16:57 »

Ich finde es schon etwas befremdlich wie kritik- und widerspruchslos der ein oder andere in diesem Forum mit der Lage in Afghanistan umgeht. 
 

Ja, das finde ich auch äußerst bedenklich. Befremdlich finde ich vor allem, wie jedes Abweichen von der Zweites-Vietnam-Friedhof-der-Großmächte-ungewinnbare-Apokalypse-Linie gleich als blauäugiges, kritikloses Nachplappern diffamiert wird. Ich danke Dir, dass Du auf diesen Missstand hinweist.

Oder es wird versucht unter dem Deckmantel der Intellektualität die Quellen des ein oder anderen als nicht seriös darzustellen.

Auf die Gefahr hin, arrogant zu klingen: die BILD-Zeitung ist keine wissenschaftlich fundierte Quelle für sicherheitspolitische Diskussionen. Wer eine Quelle vorbringt, um seine Meinung zu untermauern, der muss damit rechnen, dass diese Quelle hinterfragt wird. Quellenkritik ist völlig normal im Diskurs.

Verwiese auf Publikationen im Internet in anderer Sprache als die der Forumssprache sind in meinen Augen kein Ausdruck besonderer Seriosität der Quellen.

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Fachdiskussion zum Themenbereich Counterinsurgency (COIN) international fast ausschließlich auf Englisch stattfindet. Dies beschränkt sich keineswegs auf das Internet, sondern setzt sich in der Printliteratur fort. Eine deutschsprachige Diskussion findet kaum statt und produziert daher extrem wenig schriftliche Quellen. Meine Literaturlisten zu modernen (post 1945) militärischen Themenbereichen bestehen zu etwa 80% aus englischen Quellen und nähern sich in manchen Bereichen in großen Schritten noch höheren Prozentwerten. Es bleibt mir also wenig übrig, was es nicht gibt kann ich nicht zitieren. Und ich kann auch schlecht meine eigene Arbeit als Quelle einstellen ;)

Dass nicht jedermann diese Quellen verwerten kann ist mir klar. Selbst wenn man gut Englisch spricht wimmelt es doch von Fachchinesisch, das erklärungsbedürftig ist. Ich kann nicht jede dieser Quellen vollumfänglich ins Deutsche übersetzen, dafür fehlt mir die Zeit und auch die Berechtigung. Ich kann nur anbieten, unklare Stellen auf Anfrage hier zu übersetzen, wenn das gewünscht wird.

Als Zeichen der Niederlage der Taliban Algerien und Vietnam anzuführen sprechen in meinen Augen auch nicht unbedingt von besonderen Kenntnissen der Geschichte dieser Konflikte. Zu mindestens ist mir bekannt dass in Algerien die Franzosen und in Vietnam die US Amerikaner die Konflikte nicht für sich entscheiden konnten.
 

Ich kann Dich beruhigen, meine Kenntnisse dieser Konflikte sind ganz in Ordnung. Und sie beschränken sich nicht auf die Kenntnis des Kriegsergebnisses, was vielleicht die eine oder andere Irritation erklärt.

Niemand hier im Forum, ich nicht dessen Aufenthalt in A’stan schon etwas länger her ist, irgendein Offizier der nicht direkt mit der Thematik befasst ist und erst recht kein Reservist aus einem Luftwaffenregiment der ab und an bei der Einsatzvorbereitung seines Verbandes übt, kann sich ein Bild über die Lage in diesem Lande machen

Falls es Dich beruhigt, meine Beurteilung der Lage entspringt nicht der Teilnahme an einem Reservisten-Gefechtsschießen mit anschließendem geselligen Waffenreinigen, ist vielmehr davon völlig unabhängig, und rein theoretischer Natur.

Und wenn es eines aus allen Konflikten vorher zu lernen gibt, dann ist es das, das eines der ersten Opfer des Krieges immer die Wahrheit ist. Zu mindestens ich gehe daher mit den offiziellen Äußerungen etwas vorsichtiger um. Mit Siegesmeldungen wurde unser Volk schon mal belogen

Offizielle Siegesmeldungen? Hab ich die verpasst?

Aber egal wie die Lage auch ist so gehört es doch zu den grundlegenden Formen zivilisierter Kommunikation die Meinung des anderen zu akzeptieren und nicht von ihm zu Entschuldigungen zu verlangen weil mir seine Meinung und/oder seine Quellen nicht zusagen, schon gar nicht mit ultimativen Drohungen.
 

Ähm… wie kommst Du darauf, dass sich das auf die geäußerte Meinung bezog? Müssten wir dann nicht schon hunderte Posts der betreffenden Person gelöscht haben? Genau sowenig bezog es sich auf die Quelle, denn die wurde hier auch nicht zum ersten Mal zitiert.

Der Konflikt an sich ist für mich nicht mehr zu gewinnen

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miguhamburg1

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #11 am: 20. Juni 2011, 10:47:33 »

Ach, lieber Schlammtreiber,

dieses Vietnam-Virus, wie Sie es so schön beschreiben, ist wie der Ehec-Virus: Viele erkranken daran, manche gehen (argumentativ) zugrunde, und selbst vor denen, die es besser wissen sollten, macht er nicht Halt. So ist es eben in unserer Gesellschaft, dass es immer wieder welche gibt, die auf den Zug der Blöd-Zeituing aufspringen: vulgo: Populisitische Parolen auf Stammtischniveau genauso blöde (nein, besser unreflektiert) im Chor mitschunkeln...
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AriFuSchr

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #12 am: 20. Juni 2011, 11:43:43 »

Zitat
Der Konflikt an sich ist für mich nicht mehr zu gewinnen

Warum?



Timothy Geithner kann die nächste Mun-Rechnung nicht mehr bezahlen  :o
 
 
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Kameradschaftliche Grüsse 
 
                            




AriFuSchr

schlammtreiber

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #13 am: 20. Juni 2011, 11:57:47 »

P.S.: Seit einiger Zeit ist das Mod/Admin-Team auch dabei, eine Liste mit Fachliteratur zu Guerillakrieg, Guerillabekämpfung usw... ein wenig Hintergrundwissen erleichtert das Verständnis komplexer Konflikte wie insbesondere Afghanistan. Wir werden das ganze etwas zu beschleunigen versuchen, eventuell trägt es zur Diskussion hier im Forum positiv bei.

Leider muss gesagt werden, dass aus o.g. Gründen der überwiegende Teil Englisch ist  ;)
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Oscar Golf Mike

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Re:Die Lage in Afghanistan
« Antwort #14 am: 20. Juni 2011, 15:46:07 »

Gibs ein praktischen Teil quasi als Forums DVaG? Wenn ja meld ich mich hiermit schon mal an. ;D
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2./192 PzGrenBtl.      

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