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Autor Thema: Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012  (Gelesen 15290 mal)

itchy

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Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« am: 31. Oktober 2012, 22:40:07 »

Moin Moin

 (wer mit mir auf einer Stube war, erinnert sich an einen ständig quasselnden beknackten OGefr...)

Das hier ist mein Erfahrungsbericht über meine 2,5 Tage an der OPZ in Köln Ende Oktober 2010.
Ich werde in den nächsten 1-2 Tagen alles aufschreiben, bitte lasst mir Zeit.

Ich komme vorab schonmal zu dem wichtigsten: Ich wurde mit Sofortzusage eingestellt, beide Erstwünsche (Verwendung und Studium) sind erfüllt worden.

Dazu noch wichtig: ich bin derzeit noch (ab 1.7.2013 nicht mehr) FWD 23 Monate, DG OGefr.

(Ich habe bisher nur wenige direkte Erfahrungsberichte von aktiven Soldaten gelesen)

Gliederung:
- Anreisetag
- 1. Prüfungstag
- 2. Prüfungstag

Ich beginne einfach mal mit dem Anreisetag:
Anreisetag war für mich und meine Mitbewerber der 29.10.2012. Wir mussten bis 15:00 Uhr da sein.
Hierbei schon beachten: wer früher da ist, hat mehr Zeit sich einzurichten und sich bspw. für den ersten Tag richtig anzukleiden (zivile Bewerber). Einige kamen 3 vor an und mussten dann zwangsweise den ersten Tag in Alltagsklamotten verbringen, was nicht gerade einen guten Eindruck macht bzw. machen kann.
Die Stuben sind in Ordnung und sauber. Das Unterkunftsgebäude ist auch sauber und ordentlich und wenn man mal vergisst was die Anforderungen für den Sporttest sind, was man studieren kann oder wann es Essen gibt, braucht man sich keine Sorgen machen, da überall Plakate, Zettel, Pinnwände u.Ä. sind die vollgeschrieben und bedruckt sind mit allen wichtigen Informationen.

15:00 Uhr:
Alle Bewerber versammelten sich vor dem Unterkunftsgebäude. Dort erhielten wir noch ein paar Informationen von der Betreuerin des Unterkunftsgebäudes und wurden von einem der 3 Betreuungsoffiziere, einem Oberleutnant abgeholt und zur OPZ geführt, wo dann der Einweisungsvortrag begann.
Der Einweisungsvortrag ist nichts spannendes. Uns wurde von einem StFw und Personalberater erzählt was wie wo wann abläuft und wir erhielten unsere Laufzettel für den morgigen Tag. Danach erhielten wir noch einen Vortrag von einem Major über das allgemeine Berufsbild des Offiziers. Wer sich im vornherein informiert hat, dem wird dort nichts neues erzählt.
Es folgte das Ausfüllen des persönlichen Fragebogens.
Wichtig: Wer keine Meinung zu seiner Verwendung in Auslandseinsätzen hat und nicht weiß ob er schonmal Verantwortung übernommen hat, könnte hier Probleme kriegen. Da sind lebensältere, erfahrenere und erwachsenere Männer und Frauen (egal ob Soldaten oder nicht) den Abiturienten im Vorteil. Es kommen keine schwierigen Fragen, aber man muss vorbereitet sein und wissen ob man auf o.g. Fragen Antworten hat - wenn nicht, dann wird es im Interview wahrscheinlich angesprochen.

Dazu kam noch die kurze Vorstellung der 3 Betreuungsoffiziere.
Diese sind für alle Arten von Fragen da über die Laufbahnen, die Studiengänge usw., dürfen und können aber keinerlei Fragen zum laufenden Verfahren oder zu den Tests beantworten.
Kurzum: die 3 sitzen den längsten Teil des Tages in den Warteräumen bei den Bewerbern und langweilen sich und an beiden Abenden waren sie im Mannschaftsheim und sind dort auch kaum angesprochen worden. Warum? Weil die Bewerber entweder wissen was sie wollen und informiert sind oder weil sich nicht trauen... Wer weiß das schon.

Den Abend verbrachten wir entspannt im Mannschaftsheim. Während meine 3 ungedienten Stubenkameraden gegen 21:00 Uhr (oder früher?!) ins Bett gingen habe ich die Zeit bis kurz ach 22:00 Uhr noch genutzt und im Unterkunftsgebäude unten im Aufenthaltsraum Mathe "gelernt". Dazu später mehr.

Tipps für den ersten Tag:
- früh anreisen (ca. 45 min vorher reicht)
- bereits am ersten Tag schon ordentlich auftreten d.h. saubere und angemessene Kleidung (keine verdammte Jeans mit T-Shirt und bunten Schuhen oder so ein Mist)
- ordentiches und ruhiges Verhalten (d.h. man hält auch mal eine Tür auf, grüßt entgegenkommende Personen usw.)
- ordentlich rasiert und mit guter Frisur (ja das ist so selbstverständlich das es gesagt werden muss)
- Soldaten werden gleich zu Beginn informiert über die Besonderheiten d.h. keine Kopfbedeckung innerhalb der Kaserne, gegrüßt wird erst ab Oberst/General aufwärts (aber: Leiter der OPZ ist ein OTL, also wenn man einen OTL trifft, was durchaus vorkommt, grüßen)
- Bei mir reichte die Einladung zur OPZ, damit mein Rechnungsführer entsprechend die Reisekosten für die Dienstreise hin und zurück (fuhr ca. 520 km mit eigenem Auto hin) bearbeiten konnte.
- als Letztes: seit euch im Klaren was ihr da vor habt! Informiert euch umfassend über diesen Beruf und überlegt euch schonmal Antworten zu Fragestellungen wie:
- würden sie auf rechtmäßigen Befehl von der Schusswaffe gebrauch machen?
- würden sie ins Ausland gehen?
- wie gehen sie mit Belastungen wie z.B. langer Trennung von der Heimat um?
- sind sie bereit öfters bundesweit umzuziehen?
- haben sie schonmal Verantwortung übernommen?
- was sind ihre Stärken und Schwächen?

Morgen folgen die weiteren Teile. Gute Nacht.






itchy

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #1 am: 01. November 2012, 18:19:10 »

Ahoi

Hier der zweite Teil meines Erfahrungsberichtes:

1. Prüfungstag
Ich bin kurz vor 5 aufgestanden und nach Gewohnheit sofort hoch und ab unter die Dusche und war damit der erste dort. Ab 05:30 Uhr sollte es bereits Frühstück geben, letztlich standen wir für fast 15 min dort und die Truppenküche öffnete um ca. 05:45 Uhr.
Nur zur Info: die gesamte Verpflegung ist am 1. und 2. Prüfungstag für alle kostenlos. Die Chipkarten dürfen und müssen nicht genutzt werden.
06:10 Uhr fanden wir uns dann im gleichen Raum in der OPZ ein, in dem wir am Vortrag die Vorträge gehört haben.
Nach einer kurzen Einweisung ging es gleich los mit dem Aufstatz. Ich hatte zur Auswahl "Recht und Gerechtigkeit" und "Betrug und Manipulation". Nichts spannendes - bloß keine Angst haben. Schnappt euch das Thema zu dem euch eher was einfällt und legt los. Begriffe definieren - voneinader Abgrenzen - Gemeinsamkeiten finden und am Ende ein Statement dazu abgeben (mit eigener Meinung). Hier sollte niemand ins Schwitzen kommen.
Danach folgte jeder individuell seinem am Vortag erhaltenen Laufzettel. Zwischen den Stationen ging es immer wieder zum Personalberater (SFw), der bei mir bspw. im späteren Verlauf Termine änderte und Tests vorzog, da ich schneller fertig war als gedacht.

Ich ging als erstes zum CAT-Test, d.h. dem Test den alle aus der Musterung kennen sollten. Auch hier nichts aufregendes. Wortpaare finden, Matheaufgaben aus der Grundschule und Matrizen.

Danach folgte für mich die Voruntersuchung beim Arzt, d.h. Urinprobe, Körpermaße, Gewicht, Seh- und Hörtest. Dazu ist auch nichts weiter zu sagen.

Nun kommen wir zum ersten spannenden Teil: dem GSV - dem Gruppensituationsverfahren.
Ich war in einer Prüfgruppe zusammen mit einem Abiturienten von meiner Stube und zwei Anderen, die ich noch nicht kannte, was schonmal gut war. Wir mussten zwei Planspiele machen, eine Notlage und ein Ressourcenengpass.
Bei der Notlage ging es darum im Rahmen einer fiktiven Situation zusammen zu einer Entscheidung zu kommen. Wir mussten als Fremdenführer eine Gruppe Touristen jeden Alters aus einem Watt vor der steigenden Flut retten. Es ging um die Frage was wir machen, wo wir hingehen, wie wir uns aufteilen und wo wir Hilfe holen, wie wir kommunizieren (bspw. per Handzeichen/Signalgebung per Kleidung) usw.
Danach folgte der Ressourcenengpass, bei dem wir mit einem ziemlich unspannenden Szenario vertraut gemacht wurden. Wir sollten als 4 Freunde einen auswählen der in unserer neuen WG das kleinste und am schlechtesten Ausgestattete Zimmer kriegt. Da kann man nicht allzu viel sagen. Letztlich fand sich einer, der sich dazu bereit erklärte ins kleinere Zimmer zu gehen und dann war das auch vorbei.
Ich komme jetzt zu dem letzten Teil des GSV: dem Vortrag.
Jeder Bewerber zieht einen Zettel auf dem eine Aufgabe steht. Einem wird ein Dilemma präsentiert und man muss eine Entscheidung finden, diese erklären und begründen und am Ende präsentieren.
Zeitansatz: 25 Minuten zur Vorbereitung und maximal 10 Minuten für den Vortrag.
Ich sollte meinen Freunden (den anderen Bewerbern) erklären, was ich mit dem Altbau machen werde, den ich geerbt hatte (zusammen mit Geld) und in dem wir 4 zusammen wohnen. Denn der Altbau ist baufällig und Reparaturen sind teuer. Dazu hatte ich ein Gespräch mit einem Finanzberater gehabt, der mir riet das Haus abzureißen und mit einem Kredit neue Mietwohnungen zu bauen. Dazu habe ich mich dann auch entschieden.

Tipps für das GSV:

Macht den Mund auf - fangt gleich voll und ganz an. Seid nicht zu dominant und lasst die Anderen ausreden, aber zeigt das ihr dort seit um euch zu präsentieren. Also: Zähne auseinander und los gehts!
Versucht die euch präsentierten Lagen sinnvoll zu ergänzen. Bei dem Ressourcenengpass hab ich z.B. erwähnt, das ich ja Soldat war und in der Kaserne schon in kleinen Stuben mit mehreren und ohne Fernseher und Internetanschluss leben musste, und das nicht wieder machen wollte. Ein Argument wie "Du da - du verdienst doch mehr, da kannst du dir doch eh eine eigenene Wohnung leisten" (Übertrieben und unwahr, wurde nicht gesagt) sind nicht sinnvoll.
Versucht zu einer Lösung zu kommen, z.b. wie bei uns zu einem Kompromiss. Am Ende der Ressourcenengpass-Lage machten wir aus, wer als erstes in das kleinere Zimmer einzieht und das wir dann dort per Kabel Internet rein legen und alle 3-4 Monate derjenige der das kleinere Zimmer hat mit einem Anderen tauscht, sodass alle mal in das kleinere Zimmer müssen (wir waren ja laut Lage alle Studenten die noch länger studieren).
Zum Vortrag: bereitet euch gut vor. In meiner Lage wurde ich vor eine Problemstellung gestellt und es wurden mir 2 Lösungswege als Alternativen (Haus abreisen oder nicht) vorgestellt. Schreibt alle Argumente (pro&contra) auf euren Zettel (den ihr benutzen dürft) und wägt sie ab. Entscheidet euch und bleibt bei der Entscheidung. Dichtet möglichst wenig dazu und geht auf eure fiktiven Freunde/Mitarbeiter/... (d.h. das Publikum) ein, indem ihr z.B. ihnen bei fiktiven späteren Entscheidungen ein Mitspracherecht einräumt (z.b. zur Gestaltung der Wohnungen wie bei mir beim Neubau der Mietwohnungen).
Benutzt nicht die kleine Tafel. Benutzt sie einfach nicht.
A) ist ungerne gesehen von den Prüfern
B) ihr macht Fehler (wie z.B. ihr schreibt was an und redet dabei, abgewendet vom Publikum)
Ihr solltet euch klar und verständlich ausdrücken und wenn ihr kleinere Fehler macht - kein Problem, macht einfach weiter. Entspannt euch, das ist wie ein Vortrag vor der Schulklasse, denn ihr redet nicht zu den Prüfern, sondern zu euren Mitbewerbern.
Gestik und Mimik sind wichtig. Hampelt nicht rum aber steht auch nicht da wie eine Salzsäule. Lest nicht alles von eurem Zettel ab, ihr habt mit 25 min Vorbereitungszeit genügend Zeit um eure Argumente weitgehend im Kopf zu haben.
Ich habe z.B. mich zentral vor meine Mitbewerber gestellt, abwechselnd zu jedem Augenkontakt gehalten und ihnen erstmal die Lage erklärt (dabei drauf achten: das waren meine fiktiven Freunde und keine Chefs/Mitarbeiter oder sowas, also kann man auch ruhig locker sein bei der Begrüßung bzw. bei der Einleitung - aber: lageabhängig!). Dann habe ich kurz meine Position zur rechten Seite gewechselt, für die eine Seite argumentiert und dann habe ich mich nach lnks gestellt und für die andere Seite argumentiert um dann am Ende, wieder in der Mitte stehend, mein Schlussplädoyer zu halten.
Steht aufrecht und strahlt Ruhe aus, dann klappt das.

Danach durfte ich zum PMO Test - PersönlichkeitsMerkmaleOffizier.
116 Fragen der Art "Nehmen sie Drogen?" bis hin zu "Sind sie arbeitsscheu?". Einfach offen und ehrlich beantworten und auf die teilweise doppelt gestellten Fragen achten, die meisten Fragen drehen sich um die Themen "gesetzeskonformes Verhalten" und Einstellung zur Arbeit.

Da ich schnell war durfte ich noch vor dem Mittagessen zum Arzt zur Hauptuntersuchung.
Was soll ich da groß sagen?
Nachdem der Arzt erst ein wenig rummoserte wegen alten Rückenproblemen von denen er in meiner G-Akte gelesen hatte, und mehrmals um mich herum lief und mich beobachtete, sagte er: "Naja was sie machen wollen wird wohl nichts."
Er setzte sich an den Rechner, tippte ein wenig was ein, stand auf und gab mir die Hand und sagte: "Herr XY, herzlichen Glückwunsch, sie sind T2 und dürfen alles machen außer Wachbatallion wegen der Größe. Sie sind voll belastbar und von der Rückenmuskulatur wesentlich kräftiger als der Durchschnitt." Vorher hatte ich Ausschlüsse für Fallschimjäger, Gebirgsjäger, Pioniere usw. Jetzt nicht mehr :)

Danach ging es ins Mittagessen. Eigentlich hätte ich zwischen 12:00 Uhr und 12:30 Uhr Mittagessen gehabt (wie alle), war aber so früh fertig, dass ich 30 min mehr Pause hatte und erstmal durchatmen konnte.

Danach folgte der Test, den die Meisten am meisten fürchten.
Der Mathetest:
Zu meiner Vorgeschichte. Ich habe 2010 Abitur gemacht und hatte Deutsch und Geschichte als LK und war in Mathe grottig. In der Oberstufe nie besser als 9 Punkte, wobei ich von Mathe so viel Ahnung habe wie mein Hund vom Liedersingen.
Ich kann kein Mathe und das war und ist mein Schwachpunkt. Und machen wir uns nichts vor: jemand kann der tollste und fitteste Typ sein - wenn sein Mathetest Mist ist, wird es wahrscheinlich nichts, da sich auf die jeweils 40 Studienplätze für die beiden Fächer in denen man absolut kein Mathe braucht (Politik und Geschichte) jeweils ca. 400+ Leute bewerben und entsprechend eine strenge Bestenauslese stattfindet.
Ich habe erst 1,5 Wochen vorher von meinem Termin in Köln erfahren und 1,5 Wochen reichten mir niemals um auch nur Ansatzweise wieder in die Mathethemen der Oberstufe reinzukommen.
Also hab ich das Internet durchforstet und erstmal geschaut was denn überrhaupt dran kommt.
Keine Stochastik
Aber:
- Vektoren
- Limes
- Integrale/Ableitungen/Aufleitungen/Algebra allgemein
- Viele Funktionen mit Brüchen, Quadraten usw. (e-Funktionen/cos und sin usw.)
- Wurzeln
- Geometrie (!!! hatte ich nicht gelernt, wichtig sind Sachen wie Bogenmaß, Radikanten usw.)
- Bruch und Prozentrechnung
- Dinge die ich schon vergessen hab (sorry, aber ich hab nicht mitgeschrieben, war zu beschäftigt den Test zu bestehen)

Wie habe ich mich nun vorbereitet? Ich habe mir 5 Tage lang jeden Abend nach Dienst erklärende  Videos zu allen mir bekannten Themen auf Youtube angeschaut. (Hätte ich das bloß zu Schulzeiten gewusst!)
Dazu Kopfrechnen und schriftliches Rechnen geübt und mir dutzende Zettel geschrieben, auf denen ich alles nochmal für mich mit geschrieben habe was mir diese Matheheinies auf Youtube erklärt haben.
Wichtig: ihr habt im Mathetest keinen Taschenrechner und keine Formelsammlung. Schriftliches Rechen kann helfen, Kopfrechnen allemal!

Ich habe mir für jede (!) Aufgabe Zeit genommen (keine Panik!) und habe so gut wie es ging versucht zu rechnen (was soll ich auch Anderes tun). Ich habe nach dem Ausschlussverfahren gearbeitet, d.h. oft erkennt man das von den 5 möglichen Ergebnissen mindestens schonmal 2 oder 3 Wegfallen, da sie keinen Sinn machen. Bei vollkommen wilden Funktionen hab ich einfach mal für x 1 oder 2 eingesetzt und gerechnet und geschaut ob mein Ergebnis unter den Antwortmöglichkeiten war (was einem nichts bringt, wenn man eine Zahl errechnet, aber es nur Funktionen als Antwortmöglichkeiten gibt haha  ;D)

Na gut, das hab ich irgendwie überstanden. Auf ging es zum letzten und wichtigsten Teil:
dem Interview.

Mein erster Tipp: redet! Mund auf und fangt an zu labern!
Nicht sinnlos und ohne was dahinter, aber wenn ihr was gefragt werdet, gebt eine volle Antwort. Es werden Fragen gestellt, die praktisch jedem Bewerber gestellt werden zu denen sich jeder was überlegen sollte.

Ich wurde gebeten mit meinem Lebenslauf zu beginnen, da ich ja nun zwischen Abitur und Wehrdienst schon studiert und bei einer Behörde gearbeitet hatte.
Also hab ich denen meine Lebensgeschichte (beginnend ab Abitur) erzählt und auch den einen oder anderen "schwarzen Fleck" nicht ausgelassen. Dazu werde ich aber nichts weiter sagen.
Wichtig ist nur Folgendes: ihr habt Probleme in der Schule gehabt? Ihr habt eine Ausbildung oder ein Studium abgebrochen?
Es wird wahrscheinlich angesprochen werden und es zeugt nicht von irgendwelchen Qualitäten wenn man dann unreflektiert antwortet, das man selber keine Fehler gemacht hat und das an allem Andere Schuld waren. In meinen Augen disqualifizieren solche Aussagen einen Bewerber sofort, da ja ein verantwortungsbewusster, erwachsener und gebildeter junger Mann (oder eine entsprechende junge Frau) gesucht wird, der seine Handlungen reflektieren und bewerten kann und sich selber nicht im Weg steht und Probleme und Fehler nicht einfach auf Andere abschiebt.
"It's not about what happens - it's about how you respond"

Ich wurde dann gefragt wie es zum Afghanistaneinsatz kam (andere Bewerber wurden über Themen wie Atalanta, Libyen oder Syrien befragt).
Ich will Geschichte studieren - das war ein Selbstgänger. Wer sich nicht informiert hat über Einsätze der Bw und das aktuelle und vergangene Weltgeschehen, der hat schlechte Karten. Wer Wissen hat ist klar im Vorteil.

Tipp: ein anderer Bewerber wurde gefragt, was er denn als Pilot über Afghanistan denn machen würde, wenn er beschossen würde. Er sagte mir, er hatte ein wenig Angst eine "typische Battlefield Spieler Antwort" zu geben. Letztlich sagte er, er würde Flares benutzen und ausweichen, was vollkommen richtig war.
Macht euch nicht selbst verrückt und wenn solche "was wäre wenn sie eingesetzt sind als ... und ..." Fragen kommen, dann Antwortet einfach. Die werden nicht aufspringen und plötzlich laut schreien "Ahahaha- der spielt ja Battlefield der Kleine! Wie peinlich!". Keine Angst.

Der Psychologe fragte mich noch ein wenig aus zu meinen Hobbies und meiner "Lebenseinstellung" (ich trinke nicht, nehme keine Drogen usw.). Da hab ich ihn zugeredet über die englischen (Fach-) Bücher die ich gerne lese und über Sport, z.b. die GoRuck Challenge aus meiner Signatur (ja, wer freiwillig in seiner Freizeit Geld ausgibt für Durchschlageübungen kriegt wohl Pluspunkte  8)).

Danach wurde ich rausgeschickt und nach weniger als 5 Minuten wieder reingeholt.
"Herr XY, sie waren vor 3 Jahren schonmal hier (vor dem Abitur) und haben jetzt wieder die geistige Eignung aber mit wesentlich besseren Punkten*"

*= alles was man macht und mitbringt wird in Notenpunkten verrechnet. Noten 1-7.
Am Ende wird ein Schnitt errechnet und wer einen Schnitt von ~100 hat, wird genommen. Wer einen Schnitt von ~600 hat, kann sogar die Warteliste vergessen, das wird definitiv nichts.

Damit war der 1. Prüfungstag für mich gelaufen und ich hatte den Zettel "Zwischenbescheid: Herr XY ist körperlich und geistig geeignet, ausstehend ist der Sporttest" in der Hand.

Ich werde bei Zeiten heute oder Morgen den Rest zum 2. Prüftag mit Sporttest und Einplaner schreiben.





itchy

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #2 am: 01. November 2012, 21:14:50 »

Ich komme nun zum Teil 3: dem 2. Prüfungstag

Ich bin gegen 05:30 Uhr aufgestanden um dann gleich gegen 05:45 Uhr zum Essen zu gehen (die Truppenküche öffnete um Punkt 05:45 Uhr).
An dem Morgen hab ich nur viel Milch & Wasser getrunken und ein paar Cornflakes und ein wenig Obst gegessen.
Wir waren am Vorabend vorgewarnt worden, dass wir nicht zu viel frühstücken sollten, da wir um 07:00 Uhr mit dem Sporttest beginnen würden.
In meinen Augen kein Problem, wer um 05:45 Uhr isst hat um 07:00 Uhr keine Probleme mit Sport. Wer länger schläft muss wohl eher weniger essen damit die sportlichen Leistungen nicht im Keller sind.

07:00 Uhr saßen wir dann wieder im "Warteraum" oder eher im "Warteareal" vor dem Büro des Personalberaters und sind dort wahllos in Gruppen zu ca. 10 Personen zusammengefasst worden. Sodann ging es in die Sporthalle.
Nicht täuschen lassen von alten Berichten - die Halle sieht neuer aus, da neue Umkleideräume angebaut wurden, aber es ist und bleibt weiterhin die gleiche alte Halle ohne Fenster.

In der Halle konnten wir uns individuell warm machen, die meisten liefen sich ein wenig ein und dehnten sich. Ich hab mein eigenes Programm mit dehen & mobilisieren --> bewegen & aufwärmen --> sprinten (2-3 kurze Sprints) durchgeführt.

Eine kurze Info für dienende Bewerber: der blaue Sportanzug ist nicht Pflicht. Auf dem Weg hin zur und zurück von der Sporthalle trug ich ganz normal den blauen Sportanzug lang und hatte eigene Schuhe dabei und trug meine eigene kurze Hose und mein eigenes Shirt dann beim PFT.

Dann haben wir den PFT durchgeführt.
Wichtig: rutschfeste Schuhe. Ich hatte meine 2 Jahre alten durchgelatschten und an der Sohle kaputten Vivobarefoot-leicht-Barfuss Laufschuhe an und mit den Dingern lieg alles super. Bloß keine allzu schweren und dicken Schuhe nehmen (nicht nur weil das laufen damit bescheiden ist, sondern auch das springen).

Was soll ich groß zum PFT sagen? Wer hier versagt hat selbst Schuld. Das ist, und da muss man dem einen SFw wirklich recht geben, der einzige Test auf dem man sich komplett vorbereiten kann, sodass man sicher ist.

Ich hab 22 Punkte gemacht und war sehr zufrieden damit. 7 Punkte werden minimal gebraucht, aber den Zahn muss ich jedem hier ziehen:
1. ihr wollt später Soldaten anführen und das ist ohne körperliche Leistung nicht machbar
2. wer einen schlechten Sporttest hinlegt kriegt in "Sport" eine entsprechend schlechte Note die am Ende mit in die Einplanung eingerechnet wird

Dazu muss ich aber auch folgendes sagen: you gotta play the system.
Ich habe 27 Liegestütz in 40 sek. gemacht für die entsprechenden 6 Punkte. Meine Form war total bescheiden, ich hab mich jedesmal aufs Gesicht fallengelassen, aber ich habe 6 Punkte gemacht. So bitter es klingt, aber die Form vieler war absolut grausig, auch bei den Sit-Ups und es wurde das Meiste gezählt. Am Ende zählt hier nicht "Meine Liegestütze waren sauberer als deine" sondern die Punktzahl.

Ich gehörte zu der ersten von drei Gruppen beim 12 Minuten lauf und hatte einen schönen Lauf. Hab zwar nur 48 Runden geschafft, 6 Punkte wären 49 Runden gewesen, aber was solls. Sorgt im Vorfeld durch Training dafür, dass ihr beim Lauf überholt und nicht eingeholt werdet. Dauerlauf ist dafür in meinen Augen weniger geeignet, ihr solltet euch mit 100m, 200m und 400-800m Sprints anfreunden. Wer viel und schnell sprinten kann sollte besser dran sein als jemand der jeden 2ten Tag 20km läuft.

Also war ich einer der ersten die fertig waren und dann ging es sofort zum Duschen in zurück zum Unterkunftsgebäude.
Nach dem Duschen haben alle ihre Sachen gepackt (Betten wurden morgens schon abgezogen und Bettbezüge abgegeben, Schlüssel für die Schränke und Stuben wurden jetzt abgegeben) und sind zur OPZ. Dort konnten wir dann im Keller unsere Sachen einschließen (Schlösser sind vorhanden) und mussten uns dann beim Einplaner melden.

Studienberatung und Einplaner:
Hoch in den 2. Stock zum Einplaner. Dort hab ich mich dann im entsprechenden Büro angemeldet - und durfte gleich wieder runter um ein Zeugnis zu holen was noch eingereicht werden musste. Also: besser Zeugnisse mitnehmen, erspart Zeit und Weg.
Mir wurde dann gesagt, dass ich mich in den Warteraum setzen solle um auf die Studienberatung zu warten. Da dachte ich schon "naja gut, ich hab noch eine Chance". Also hab ich mir dann erstmal die Infotafeln an den Wänden und die ausliegenden Broschüren zu den Studiengängen angeschaut, weil ich davon ausging, dass meine Studienerstwünsche (Geschichte, Politik, Pädagogik) nicht erfüllt werden, dafür aber z.B. Staats- und Sozialwissenschaften.
Dazu musste dann jeder noch einen Haufen Zettel für die eventuelle Verpflichtung ausfüllen. Ging um Widerrufserklärung (nur für Ungediente!), Trennungsgeld, Wohnort usw.

Nach vielleicht 30 Minuten wurde ich aufgerufen vom Einplaner und war baff. Die ersten waren schon wieder da vom Einplaner, aber noch keiner mit einem anderen Ergebnis als "naja bestanden ja, aber nicht genommen" oder "bestanden und Einladung für weitere Tests für Pilotenlaufbahn".
Also folgte ich dem netten Herrn Oberleutnant in sein Büro.

Er grinste breit und sagte mir: "Herzlichen Glückwunsch, Herr XY sie haben bestanden"
Aha, toll. Haben andere auch.

Er grinste breiter und sagte: "Ja, ihr Zeugnis, das sie noch nachgereicht haben, konnten wir noch nicht miteinrechnen in das Endergebnis. Von der geistigen Eignung her sind sie aber im obersten Drittel."
Ahja, das hört sich schon besser an.

Dann gab er mir die Hand und sagte: "Wir stellen sie ein mit Sofortzusage für ihren Verwendungs-Erstwunsch Heeresaufklärungstruppe und für ihren Studien-Erstwunsch Geschichte"
 ;D 8)

Ich habe die körperliche und geistige Eignung demonstriert und mein Mathetest war gut, sodass ich im Rahmen der Bestenauslese sofort genommen werden konnte. Was will man mehr?
Ich hab zwar keine Ahnnung (und werde auch nicht nachfragen) wie zur Hölle ich den Mathetest bestanden habe, aber was solls. Ich bin drin.

Im nächsten Post werde ich noch einige Tipps und Infos geben (ja einige wundern sich vielleicht schon, warum ich den Einplanungsvortrag am Ende des ersten Tages nicht erwähnt habe...)

Daniel1990

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #3 am: 01. November 2012, 21:52:06 »

Super Bericht , vielen dank . Kannst du vielleicht noch ein paar Informationen zu deiner Vorbereitung geben ? Wie hast Du dich auf die 3 Tage vorbereitet ?
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Ralf

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #4 am: 01. November 2012, 21:55:15 »

Sofortzusage. Glückwunsch, einer der 10%. Klasse Leistung.
Ist immer wieder zum schmunzeln, wenn man die beteiligten Personen kennt.
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ulli76

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #5 am: 01. November 2012, 21:57:54 »

Herzlichen Glückwunsch und danke für den Bericht.

@Daniel: Also er war hier im Forum ziemlich aktiv (und ich hoffe mal, dass das auch so bleibt)  ;)
Ne im Ernst- ich denke mal, dass wir hier schon einiges an Infos zusammengetragen haben, die einem weiterhelfen.
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itchy

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #6 am: 01. November 2012, 22:26:28 »

Tipps & Tricks & Infos die keiner braucht....

Ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass es am Abend des 1. Prrüfungstages noch einen Einplanungsvortrag gab.
Ich erinnere mich nicht mehr an alle Zahlen aber:
10.000 Bewerber
6.000 werden eingeladen
4.000 bestehen
~1.950 werden 2013 eingestellt

Wichtig für alle die Geschichte/Politik studieren wollen:
Es gibt jeweils nur 40 Studienplätze, aber jeweils 400+ Bewerber.
Pädagogik, Staats- und SoWi und Bildungs- und ErziehungsWissenschaften haben jeweils auch Anteile an Politik und Geschichte (z.B. als Wahlpflichtfächer) - das sind gute Alternativen!
Wer kein Mathe kann muss lernen. Ich kann auch kein Mathe (auch jetzt nicht) und hab es irgendwie geschafft. Um Mathe kommt keiner rum.

Studienplatz ist Studienplatz und Verwendung ist Verwendung. Einmal drin - kommt man so leicht nicht wieder raus.
Soll heißen: seien wir mal ehrlich. Von >1.950 Bewerbern schaffen nicht alle die ersten 15 Monate vor Studienbeginn, es werden nicht mal alle bei Dienstantritt erscheinen und es werden auch nicht alle das Studium schaffen.
Wer nicht ganz den richtigen Studiengang hat (blödes Beispiel: Studiengang Geschichte will aber Politik studieren), der sollte vor Studienbeginn das PersAmt in Köln nerven und nachfragen ob nicht irgendwoanders Plätze frei geworden sind. Es könnte passieren, dass ein Wechsel des Studienplatzes möglich ist.
Genauso ist es mit der Verwendung. Erst nach dem Studium beginnen die truppengattungsspezifischen Lehrgänge. Da wird es auch möglich sein, noch Änderungen an seiner letztlichen Verwendung zu beantragen. Auch hier: es könnte passieren, es gibt aber keine Garantie.

Ich wollte als Erstwunsch zur Heeresaufklärungstruppe.
Von den ungedienten Bewerbern wusste kaum jemand überhaupt von dieser Truppengattung und der Einplaner zeigte in seinem Vortrag noch nicht einmal eine Statistik darüber, wie viele Aufklärer eingestellt werden und wie viele sich darauf bewerben.
Ergo: informiert euch gut über alle für euch in Frage kommenden Verwendungen.
Beispiel: es werden nur ca. 30 Fallschirmjäger Offz eingestellt, dafür gibt es aber über 200 Bewerber (viele fallen wohl aus ärztlichen Gründen aus). Es gibt aber auch Luftlandeaufklärer, Luftlandelogistiker, Luftlandefernmelder usw.
Was ich damit sagen will: es gibt nicht nur fallschirmspringende Infanteristen, sondern auch andere Luftlandesoldaten. Allerdings wird man nicht als Luftlandeaufklärer o.Ä. engestellt, sondern muss sich später um diese Verwendung kümmern durch Leistung und Befähigung.

Wer beim Einplaner landet kreigt eines von 5 möglichen Ergebnissen:
1. Sofortzusage
2. Zusage unter der Bedinung, dass die weiteren Pilotentests in Fürstenfeldbruck usw. bestanden werden
3. Warteliste: gute Chance noch einen Platz zu ergattern (2-4 Monate könnte es dauern bis man Info erhält)
4. Warteliste: praktisch keine Chance noch einen Platz zu kriegen, da Mathe/Interview/... zu schlecht
5. Absage: Sporttest (erst hier werden die Ergebnisse bekannt gegeben) war zu schlecht, Wiederholung nach frühestens 6 Wochen möglich, aternativ einreichen des abgelegten Deutschen Sportabzeichens (DSA)

Weitere Tipps:
Die Herren und Damen arbeiten dort das ganze Jahr durch und schleusen tausende Bewerber da durch.
Es kann nicht oft genug gesagt werden: Jeans, T-Shirt oder Turnschuhe müssen zu Hause bleiben. Entweder im Dienstanzug (als Soldat) oder schick in Schale geworfen im Anzug oder wenigstens mit feiner Hose und Jacket oder so. Aber keine "Laufschuhe - Jeans - feines Hemd" Kombination, denn das fällt schon auf (ja ist bitter, ist aber so).
Mit guter ordentlicher und sauberer Kleidung ist schon viel gewonnen.

Dazu kommt noch:
jeden morgen frisch rasieren, Haare müssen sitzen und auf die eigene Haltung achten.
http://www.scrawnytobrawny.com/the-2-step-body-upgrade
Damit ihr mal seht wie man innerhalb kürzester Zeit seine Haltung verbessern kann. Ihr sollt euch präsentieren und ordentlich und gepflegt auftreten. Tretet auf, als ob ihr 2m Brustumfang habt und gerade von einem gewonnen Boxkampf kommt mit stolz geschwellter Brust.
Ihr müsst immer Ruhe bewahren. Jemand redet über seinen letzten Test und wie schwer das war? - steht auf und geht weg. Geht ein wenig auf und ab und entspannt euch. Immer schön ruhig atmen. Ihr müsst entspannt sein wenn ihr an die Tests ran geht (Zitat: "Ja beim letzten Mal letztes Jahr hab ich den Mathetest nicht bestanden weil ich dachte ich hätte für alle 60 Fragen nur 3 Minuten Zeit und hab mich wie ein wilder durchgeglickt" - der Bewerber hatte einfach nur Panik gekriegt).

Wichtiger Buchtipp:

http://www.amazon.de/Karriere-Bundeswehr-Erfolgreich-durchs-Auswahlverfahren/dp/3828824994/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1351803693&sr=8-1
"Karriere in der Bundeswehr - Erfolgreich durchs Auswahlverfahren" von Steffen Buch
(ca. 90 Seiten) hat mir sehr gut geholfen bei der Vorbereitung, auch als Kauf in letzter Minute.
Wenn ihr keinen Bock habt meine geistigen Ergüsse zu lesen oder irgendwelche anderen Berichte: lest dieses Buch. Der Autor war Prüfoffizier an einem ZNwG und alle Teile der Einstellungsverfahren sind beschrieben mit Tipps was man machen sollte zur Vorbereitung.
Einziger Wehrmutstropfen: es stehen auch hier keine Infos drin über den Mathetest außer "lesen sie im Internet".
Und hier kann man aus Sicht des Prüfers nachlesen, warum Anzug und Krawatte und ordentliches Auftreten so wichtig ist.

Das Testbuch von Hesse/Schrader für Polizei, Feuerwehr, Zoll und Bundeswehr ist nicht zu empfehlen. Ich habe es auch noch schnell gekauft und bis auf einen alten OPZ-Bericht (vielleicht aus 2009 oder früher) und wenigen Tipps steht da nichts drin. Für Polizei- und Feuerwehrbewerber wesentlich besser geeignet.

Zur Vorbereitung müsst ihr euch gedanken machen warum ihr zur Bundeswehr wollt, was ihr machen wollt und das ihr in den Auslandseinsatz müsst. Das Argument "AFG ist 2014 zu Ende" zählt nicht bei den Entwicklungen in Syrien, im Libanon usw.
Macht euch darüber Gedanken, wann und wo ihr schonmal Verantwortung übernommen habt. Die Frage kommt im persönlichen Fragebogen zu Beginn und wird höchstwahrscheinlich den ungedienten Bewerbern gestellt werden.

Ich habe z.B. angegeben, dass ich in den Ferien früher bei einer Fußballschule mitgeholfen habe, dass ich Emailverteiler im Studium war, das ich Vertrauensperson der Mannschafter meiner Dienststelle bin usw. Denkt euch nichts aus, das finden die raus.
Wo wir gleich beim nächsten Punkt sind: seid offen und ehrlich.
Einen Ausbilder, der seit 5 Jahren nur AGA nach AGA ausbildet kann man nicht mehr allzu groß verarschen, man kann ihn nur noch wütender machen.
Ein Prüfer der vielleicht schon 10.000 Bewerber perrsönlich vor sich sitzen hatte, wird Lügen erkennen und nachfragen. Und als Offizier müsst ihr eine ehrliche Haut sein.

Wo wir zum Berufsbild kommen:
hämmert es euch in eure Köpfe: als Soldat (des Heeres im speziellen) lautet euer Auftrag "Kämpfen - Schützen - Helfen - Vermitteln" und als Offizier seit ihr militärischer Führer, Ausbilder und Erzieher der euch unterstellten Soldaten.
Überlegt euch gut was für Eigenschaften ein solcher Offizier haben sollte. Durchsetzungsvermögen, Mentale wie Physische Stärke, körperliche Fitness, Kommunikationsbereitschaft, Aufrichtigkeit, Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen usw....

Ein kleiner Geheimtipp:
ja, es gibt die Möglichkeit sich einstellen zu lassen als Offizier ohne Studium innerhalb einer Verwendung abseits des fliegerischen Dienstes. Diese Plätze sind sehr begrenzt, aber es könnte für den einen oder anderen durchaus eine Option sein, sollte es mit dem Studium nicht klappen. Ein späterer Wechsel in die Laufbahn der Offz mit Studium (siehe oben) könnte möglich sein. Seid euch aber bewusst, dass ihr dann als SaZ13 ohne Studium eingestellt werdet mit erheblich schlechtern Chancen BS zu werden.
Gleich anschließend nächstes Thema: BS. Wählt eure Verwendung und das Studium nach euren Neigungen aus. Niemandem ist geholfen, wenn er Luft- und Raumfahrtechnik studiert und keine Ahnung davon hat und im ersten Semester rausfliegt, genauso wie wenn jemand 13 Jahre lang in der Fernmeldetruppe (will niemanden beleidigen) versauert, obwohl er zu den Kampftruppen wollte.

Nun komme ich zum Schluss:
Ich habe soooooooo einen Hals wenn ich Leute sehe wie einige an der OPZ - nach der Meinung "Jaja ich kriege dann ja einen Medizinstudienplatz aber muss ich wirklich durch die AGA?" - ja verdammt. Meiner bescheidenen Meinung nach wird man entweder Soldat aus Überzeugung oder gar Neigung oder man lässt es.
Wer nur wegen des Studiums zur Bundeswehr geht ist in meinen Augen falsch und ich freue mich für jeden dieser Art, der die OPZ nicht besteht. Denn an der OPZ werden (auch mit teilweise durchaus interessanten Methoden, um kein anderes Wort zu gebrauchen) militärische Führer, Offiziere asgewählt und keine Studenten!
Der Wunsch Offizier zu werden muss klar das Wichtigste sein. Das Studium ist nur ein schöner Nebeneffekt und es gibt nicht viele Offiziere die ihr Studium für die spätere Verwendung gebrauchen können.

Wer Fragen hat, immer her damit. Ich bin jedenfalls froh und kann jetzt die nächsten Monate bis zum Juli 2013 noch richtg genießen und dann geht es gekräftigt und fit ab in die OA Laufbahn.

PS: ich habe mich zwischendurch immer mal wieder an die Leute erinnert, die irgendwann mal sagten ich würde das nicht oder nie schaffen. Das hat mich motiviert - ab sofort können die mich alle mal kreuzweise  :D

(Ich entschuldige Rechtschreibfehler, die Editierfunktion ist ja ausgeschaltet, meine Tastatur ist gerade repariert worden und es ist spät... )





Papperlapap

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #7 am: 18. Dezember 2013, 19:37:10 »

Das klingt alles schon einmal sehr gut und macht mir sogar ein klein wenig mehr Hoffnung, wäre da nicht Mathe. Mir geht es ähnlich wie dem TE, Abi 2010 und etc. Bin mittlerweile im 5. Semester Geschichte und möchte dieses Studium nun abbrechen, wenn es mit der Bundeswehr klappt.

Weiß irgendjemand, ob man als noch "aktiver" Student mehr Chancen bei der Studieneignung hat? Ich habe mich auf Geschichte, PW und Pädagogik beworben und ich würde mal behaupten, dass meine Chancen das Studium erfolgreich abzuschließen sind, als bei einem Neueinsteiger. Ich bin nicht wirklich schlecht in meinem Fach und könnte auch weiterstudieren, wenn ich wollte. Nur möchte ich das nicht und ich kann mir vorstellen, wenn mich jemand fragt: "Warum willst du dasselbe dann bei der Bundeswehr studieren?" Nun, ich möchte in erster Linie Offizier/Soldat werden, das Studium sehe ich als nötiges Mittel an, um eben Offizier werden zu können. Evtl hat hier ja jemand einen Kameraden mit ähnlichen Erfahrungen. Und im Januar werde ich wohl mehr wissen, denn dann bin ich bei der OPZ ;)
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dunstig

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #8 am: 18. Dezember 2013, 19:56:11 »

Tut mir Leid, aber es ist mir unbegreiflich, warum jemand, der schon im 5. Semester ist, das Studium abbrechen möchte, nur um dann bei der Bundeswehr quasi von Null anzufangen? Zumal (wenn ich richtig informiert bin) die Regelstudienzeit für den Bachelor Geschichte bei 6 Semestern liegt. Warum nicht noch ein Jahr dranhängen, den Abschluss mitnehmen und dann bewerben, anstatt 2,5 Jahre einfach so zu verschenken? Rein aus persönlichem Interesse: Würden Sie die Gründe für mich ein wenig genauer erläutern?

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie genau diesen Sachverhalt am ACFüKrBw gut begründen müssen, denn danach wird mit Sicherheit gefragt. Wer versichert der Bundeswehr, dass Sie sich nach 2,5 Jahren nicht wieder umentscheiden? Insgesamt sollte es bei guter Begründung aber keinen Nachteil darstellen. Einen (kleinen) Vorteil bei der Studieneignung könnte es geben, allerdings ist das Studium bei der Bundeswehr anders organisiert, weswegen Sie genauso wie jeder andere getestet werden und ein möglicher "Vorteil" eher gering ausfallen dürfte (hhängt natürlich auch von den bisherigen Leistungen im Studium ab).

Zitat
Nun, ich möchte in erster Linie Offizier/Soldat werden, das Studium sehe ich als nötiges Mittel an, um eben Offizier werden zu können.

Auch wenn ich diese aussage prinzipiell gut heiße, da wir den Bewerbern hier im Forum immer deutlich machen müssen, dass Sie in erster Linie Soldat werden, sehe ich das bei Ihnen ein wenig kritisch. Das Studium bei der Bundeswehr dauert 4 Jahre und nimmt dadurch einen sehr großen Part in der Laufbahn der Offiziere ein. Außerdem ist es in Trimestern und dadurch also nochmal straffer organisiert. Das heißt, dass man den Stoff, den man im Zivilen innerhalb von 6 Jahren durchnimmt nun in einer deutlich verkürzten Zeit lernen darf. Diese Tatsache in Kombination mit Ihrer Aussage, dass Sie nach 5 Semestern zivilem Studium schon keine Lust mehr haben, bei der Bundeswehr jedoch das selbe (oder ähnliches) wieder studieren wollen, ruft bei mir eher Skepsis hervor, ob Sie sich wirklich ausreichend Gedanken um Ihre Zukunft gemacht haben.
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"Ich stehe vor der Bundeswehr, zu der ich seit 22 Jahren auch "meine Armee" sagen kann. Und bin froh, weil ich zu dieser Armee und zu den Menschen, die hier dienen, aus vollem Herzen sagen kann: Diese Bundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sie ist eine Stütze unserer Freiheit." Joachim Gauck

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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #9 am: 18. Dezember 2013, 20:13:41 »

Da Sie mit aller Wahrscheinlichkeit recht haben, erkläre ich mich gerne. :)

Es ist nicht so, dass mir das Studium keinen Spaß macht, sondern eher die Aussicht, was NACH dem Studium kommt. Die Chancen, einen anständigen Job zu bekommen, sind äußerst gering, zumindest in den Sachen, in denen ich mich interessiere. Mir gefällt unter anderem das zivile Uni da sein nicht sonderlich, da man keinerlei Druck ausgesetzt ist, dabei ist dieser enorm wichtig und auch in der späteren Berufswelt existent. Man kann sagen, dass ich das normale System ablehne und ich brauche für meinen Teil Druck, um wirklich sehr gute Leistungen bringen zu können. Das ist eine meiner Schwächen, aber auch Stärken. Ich habe für meinen Teil das Gefühl, dass ich in der Zeit seit meinem Abitur nicht wirklich vorangekommen bin, was meine berufliche Zukunft aussieht. Persönlich allemal und ich bin mir heute wesentlich sicherer zur Bundeswehr gehen zu wollen, als vor 4 Jahren. Ich habe einen Reifeprozess durchlaufen, eben in diesen 4 Jahren, der mir aufgezeigt hat, dass ich was anderes brauche und auch will.

Ich sehe eben wesentlich bessere und auch mehr Chancen bei der Bundeswehr, nachdem ich ein Studium abgeschlossen habe. Ich hätte nach meiner Dienstzeit Führungserfahrung und auch schon sehr viel Verantwortung für viele Menschen übernommen. Außerdem habe ich Interesse daran, nach meiner Dienstzeit ins BMVg zu wechseln, was vermutlich so leichter ist.

Außerdem empfinde ich die letzten 2,5 Jahre als nicht verschenkt. Ich hatte eine schöne Zeit, habe viel Wissen gesammelt und bin reifer geworden. Aber das Wichtigste ist, dass ich in der Zeit zu dieser Entscheidung gekommen bin, zur Bundeswehr gehen zu wollen. Deswegen möchte ich diese Zeit auch nicht missen.

Natürlich kann es auch sein, dass ich nicht für ein Studium geeignet bin und, wie auch mein WB sagte, über eine Ausbildung nachdenken sollte. Deswegen habe ich auch darum gebeten, falls ich nicht als OA genommen werde, meine Bewerbung an die nächst tiefere Laufbahn, also FW, weitergereicht wird. :)
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Antw:Erfahrungsbericht OPZ (29.10.-31.10.) 2012
« Antwort #10 am: 18. Dezember 2013, 20:16:54 »

Tut mir Leid für den Doppelpost, aber mir wurde auch gesagt, dass mein Bachelor Abschluss nicht anerkannt werden würde, weil es eben ein anderes System wäre.

Wenn Sie möchten, kann ich ihnen auch meine komplette Motivation schildern :)
Ich bin nämlich ehemaliger KDV....(bitte seien Sie nicht zu hart zu mir, ich kann es erklären)
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« Antwort #11 am: 18. Dezember 2013, 20:19:50 »

Nur damit ich es richtig verstehe, in Ihrem ersten Beitrag schreiben Sie:

Zitat
Bin mittlerweile im 5. Semester Geschichte und möchte dieses Studium nun abbrechen, wenn es mit der Bundeswehr klappt.

Und in Ihrem zweiten Beitrag:

Zitat
Ich sehe eben wesentlich bessere und auch mehr Chancen bei der Bundeswehr, nachdem ich ein Studium abgeschlossen habe.

Ist für mich widersprüchlich, weswegen ich, bevor ich weitere Ratschläge gebe, lieber nochmal nachfrage: Wollen Sie Ihr Studium abbrechen bevor oder nachdem Sie Ihren Bachelor-Abschluss erreicht haben?
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« Antwort #12 am: 18. Dezember 2013, 20:22:16 »

 ;D

Entschuldigen Sie, da sind mir ein paar Kommata verrutscht. Ich meinte, dass ich meine Chancen nach einem Studium BEI der Bundeswehr besser sehe.
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ulli76

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« Antwort #13 am: 18. Dezember 2013, 20:32:07 »

Du kannst doch dein Studium abschließen und danach ganz normal als OA mit oder ohne Studium bewerben.
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•Medals are OK, but having your body and all your friends in one piece at the end of the day is better.
http://www.murphys-laws.com/murphy/murphy-war.html

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« Antwort #14 am: 18. Dezember 2013, 20:36:38 »

Ja, schon, aber 1. ist man mit einem BA nicht so gut dran und 2. möchte ich so nicht weiterstudieren, sondern Leistung bringen. :)
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