Forum Chat ()

StartseiteForumTeamANB / RegelnFeedgenerator Hilfe
  • 19. Februar 2018, 19:13:16
  • Willkommen Gast
Bitte logg dich ein oder registriere dich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Autor Thema: Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012  (Gelesen 4992 mal)

Stefan1994

  • Gast
Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012
« am: 21. Dezember 2012, 03:34:59 »

Hallo zusammen,

vom Mittwoch, 19.12 bis Donnerstag, 20.12.2012 nahm ich an der Eignungs- und Untersuchungsfeststellung (EUF) im Karrierecenter der Bundeswehr (KC) in München teil. Beworben habe ich mich als Feldwebel im allgemeinen Fachdienst. Ich bin gerade im dritten und letzten Lehrjahr zum IT-Systemelektroniker.

Also dann fange ich mal chronologisch an:

Gespräch Wehrdienstberater:                      Mitte September
Abgabe Bewerbung und CAT-Vortest:           Ende September
Post aus ZNwG wegen fehlenden Unterlagen: Anfang Oktober
fehlende Unterlagen nachgereicht:               Mitte Oktober
Einladung ins KC:                                      Ende Oktober

Alles in allem geschah der Papierkram davor also recht fix.

ANREISETAG:


Ins KC bin ich nach telefonischer Absprache schon am Dienstag Abend angereist, da im Winter auf die Bahn nicht immer Verlass ist :)
Ich musste bis 21:00 Uhr da sein, anwesend war ich um 20:30 Uhr. An der Wache gemeldet, zum Karrierecenter gelaufen, beim GvB (Gefreiter vom Betreuungsdienst) gemeldet und Stube bezogen. Die Kaserne besteht außer dem KC noch aus einer Sanitätsakademie (SanAk).
Der GvB war sehr freundlich, ihn kann man auch gerne über Bundeswehr allgemein fragen.
Vor dem Zapfenstreich noch kurz mit anderen Bewerben unterhalten. Diese versicherten mir, dass 3/4 der Zeit aus Warten bestünde. Diese Erfahrung konnte ich zum Glück nicht teilen  :) Dann noch Gespräche mit Wiedereinstellern geführt, welche mir sagten, dass meine Wunsch-TSK Luftwaffe fast komplett aus Bayern abgezogen wird, was ich zum Glück auch nicht bestätigen konnte, aber dazu später. Trotzdem war es sehr interessant sich mit bereits gedienten Leuten zu unterhalten.
Danach las ich mir die Hausordnung durch. Wichtig, und vielleicht nicht selbstverständlich: 1. kein Alkohol in- und außerhalb der Kaserne; 2. nachts darf nicht in Unterwäsche auf Toillete gegangen werden => Joggingsanzug mitnehmen; 3. Minderjährige dürfen die Kaserne nicht verlassen.
Geschlafen habe ich sehr, sehr unruhig, wahrscheinlich wegen der Nervosität.


ERSTER PRÜFUNGSTAG:

Geweckt wurde um 05:45 vom GvB. Um sechs gings ab zum Frühstück, mit allem was das Herz begehrt. Hierzu gibt es lustigerweise zu sagen, dass ich mir ne Ladung Gurken geholt haben, diese von der Zange gerutscht sind und geradeaus in das Müsli des nach mir wartenden Stabsarztes. So was kann wieder nur mir passieren :) Dieser war aber jung und sehr lässig drauf.

Dann hätte ich mich um sieben beim GvB melden sollen. Dies habe ich aber verpeilt und bin duschen gegangen. So konnte ich also den CAT (Computer-Test) noch nicht machen und musste zwei Stunden warten, bis die anderen Bewerber eingetroffen sind. Nach der Begrüßung durch den GvB ging's in den Keller, wo uns ein sehr einsatzerfahrener Hauptmann begrüßte und in einer Präsentation die Bundeswehr, den Soldatenberuf und den Ablauf der nächsten 2,5 Tage.
Anschließend durften wir die ersten formalen Sachen unterschreiben, z. B. Eintritt für die FDGO (Freiheitlich-demokratische Grundordnung).
Es folgte ein netter Psychologe, welcher uns den biographischen Fragebogen erklärte. Zur Beantwortung hatten wir 30 min Zeit.
Fragen waren:
-Was haben Sie aus ihrer Schulzeit gelernt?
-Was haben Sie aus ihrer Ausbildung/Schülerpraktikum gelernt?
-Wie hat Sie ihre Erziehung geprägt?
-Was machen Sie, wenn es mit der Bw nicht klappt?
-Wie steht Ihre Familie/Verwandte/Freunde zu ihrer Entscheidung?
-Welche Hobbies haben Sie und was bringen Ihnen diese?
Ich habe die komplette Zeit durchgeschrieben.

Danach war erstmal Mittagspause. Wie am Morgen und am Abend für jeden was dabei, auch für Vegetarier. Man darf sich nur einmal was holen (Getränke öfter), aber dafür den ganzen Teller aufladen :) Dies habe ich natürlich gemacht, bis mir nach dem Essen gekommen ist, dass die Musterung kommen könnte und ich an der Grenze zum BMI von 30 stehe  :(

Um 13:00 mussten wir uns zum ersten mal beim "Steuerkopf" melden. Bei uns war es ein Hauptmann und eine zivile Mitarbeiterin (MA). Diese teilten uns ins Prüfraten ein, die eine einschließlich mir zum CAT, die andere zur Musterung (ergo ärztliche Untersuchung).

CAT war nicht schwer. Ich musste schon bei der Bewerbungsabgabe im ehemaligen KWEA (jetzt Karriereberatungsbüro) einen Vortest machen, diese Teile fielen dann raus. Somit hatte ich noch Englisch-, chinesische Zeichen- und Persönlichkeitstest. Im Test wird jedes chin. Zeichen einer Zahl zugeordnet, du musst dann quasi chinesische Zeichen addieren indem du die entsprechenden Zahlenwerte zusammenzählst. Nicht schwer, aber wird sehr zügig durchgeführt. Meine Meinung: Wer hier 1/3 der chinesischen Zeichen richtig addieren kann ist ein Genie, ich hatt vielleicht 1/4 richtig.
Beim Persönlichkeitstest gilt es wahrheitsgemäß zu antworten, und nicht, was die Prüfer hören wollen. Sonst entlarven sie dich im Prüfgespräch.

Allgemein ist der CAT bei jedem verschieden, also nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn manche schon nach 30 min gehen, man selbst aber 3 h braucht.

Die Musterung bestand aus: Urinprobe wegem Drogenscreening, kurzer Hörtest, kurzer Sehtest, Wiegen/Messen, Körperbegutachtung, kurze Genitalbereichbegutachtung und Blutdruckmessung. Ich war wie jeder T2. Ausschlüsse bekam ich für alle kämpfenden Truppen, weil ich einen BMI von 29,2 habe, aber dort wollte ich ja eh nicht hin.
(Ich kann nur empfehlen, Alternativen für Fallschirm- und Gebirgsjäger zu suchen, weil man da ziemlich häufig rausfällt. Jäger oder Panzergrenadier wäre doch was.)

Um 16:00 war Feierabend. Ich fuhr mit zwei anderen Volljährigen zum Stachus auf den Christkindlesmarkt und genoss einen schönen Kinderpunsch  ;D

ZWEITER PRÜFUNGSTAG:

Heute hatte uns der GvB vergessen zu wecken, bin dann um 06:15 zum Glück automatisch aufgewacht. Also immer Wecker auf 6:00 stellen!

Fast alle mussten um 07:30 beim Steuerkopf antreten, zwei mussten noch den CAT zu Ende bringen.
Uns wurde mitgeteilt, dass nun die Prüf-/Vorstellungsgespräche stattfinden.
Ich bin noch schnell auf Stube gerannt, habe schwarze Jeans, Hemd und Sakko angezogen. Krawatte ist übertrieben, aber immerhin ist ein Feldwebel ein Vorgesetzter, deswegen sollte man sich auch entsprechend kleiden.

Nun der Moment, um den sich so viele Mythen ranken:
Mich hat nur ein Hauptmann getestet, bei machen anderen war noch ein Psychologe dabei.
Wichtig ist von Anfang an -----------> Ehrlichkeit

Um was ging es in dem Gespräch:
Wie will ich in meinen jungen Jahren Leute führen? Was machen Sie wenn sich ein 25-jähriger Mannschafter gegen Ihren Befehl weigert?
Ich habe geantwortet, dass ich schon in der Schule/Ausbildung immer der Jüngste war und somit gelernt habe, mich durchzuboxen. Danach habe ich alles aufgezählt, wo ich schon einmal Menschen geführt habe, auch mit 16 Oberministrant war (ja, sowas lächerliches). Schlussendlich habe ich auch erzählt, dass ich nach mehrmaligem Ermahnungen auch mal zurück stecke. Diese Selbstreflexion hat dem Hptm gut gefallen, weshalb wir wieder bei der Ehrlichkeit wären.

Und noch so Standardfragen (Warum Bw? Was sind Ihre Alternativen? Sind Sie sich bewusst, dass ein Einsatz auch ein Risiko darstellt?)
Hierzu gibt es noch zu sagen, dass Mitbewerber, welche zu den Kampftruppen wollten, ein Bild von einem versprengten Soldaten gezeigt wurde. Außerdem wurden diese gefragt, was passiert wenn diese auf Menschen schießen.

Fazit: 2 wollten Unteroffizier mit ziviler Ausbildung machen -----> beide genau das bekommen
         3 wollten Feldwebel Truppendienst machen -----> nur einer hat die Eignung, die anderen wurden als Mannschafter eingestuft
         3 wollten Feldwebel Fachdienst machen -----> zwei bekam Uffz-Eignung, ich darf Feldwebel werden

Danach folgte der Sporttest. Ich hatte großen Bammel vor dem Standweitsprung, bin zu Hause meistens nur 1,70 gesprungen. Der Sprung muss übrigens auf beiden Beiden sicher gestanden werden. Alles andere ist meiner Meinung für einen halbwegs sportlichen Menschen pipifax. Ich habe mich nicht sonderlich vorbereitet, spiele regelmäßig Fußball. Wer trotzdem was tun will, darf das gerne :)
Beim Ergometer ist wichtig, dass man nicht viel zu schnell tritt, sonst tritt man irgendwann ins leere und kommt und die geforderten 60 Umdrehungen.
Frauen fahren 14 1/2 min Radl, Männer 13 1/2
Für Männer fängt es in diesem KC mit 60 Watt an und steig in diesen 13,5 min an, bis die 195 Watt erreicht werden.

Fazit: Jeder bestanden.
Meine Punkte insgesamt: 14
Übungen sind nach Durchführung chronologisch sortiert, zuerst wurde man von der Prüferin, einer freundlichen Frau Oberfähnrich ordentlich aufgewärmt (ich meine sportlich :) )
Pendellauf: 9,5 s   => 3 P
Sit-up:      36      => 4 P
Standweitsprung: 1. Sprung 1,95;  2. Sprung 1,70;  3. Sprung 2,00 => 1 P
Bundeswehrliegestütz: 27 => 6 P

Anschließend Mittagspause und danach Einplaner.
Hier verbrachte ich die meiste Wartezeit, das Warten hat sich aber gelohnt: Ich trete zum 01.10.2013 (vorläufig) meinen Dienst bei der Luftwaffe an. Meine Verwendung ist "LAv Fw EF Rech" (Luftfahrzeugavionikfeldwebel Eurofighter Fachrichtung Rechennavigation und Waffenelektronik), Stammeinheit ist Neuburg an der Donau, nur 85 km Fahrt von meiner Heimat entfernt. Besser kann es nicht laufen.
Aber wie gesagt, nur vorläufig, da ich aufgrund meines Übergewichts noch Belastungs-EKG beim Hausarzt machen muss und einen OP-Bericht wegen eines Gelenkpfannenrisses in der Schulter nachreichen muss.

Zum Schluss noch 10 min beim BFD-Berater, dann Bett abgezogen und ab in den Weihnachtsurlaub.

Ich hoffe ihr konntet aus meinem doch recht langen Bericht "a bisserl" schlauer werden, wie man in Bayern so schön sagt.

Gruß und frohe Festtage,
  Stefan

Gespeichert

kommando ksk

  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 209
Antw:Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012
« Antwort #1 am: 21. Dezember 2012, 09:20:40 »

Gratuliere Stefan,sehr interessanter Bericht.
Gespeichert

Tommie

  • Miles & More
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 8.108
Antw:Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012
« Antwort #2 am: 21. Dezember 2012, 10:23:07 »

Die Kaserne besteht außer dem KC noch aus einer Sanitätsakademie (SanAk).

Der ist gut ;) ! Richtig wäre ungefähr diese Version: Die Kaserne besteht zu über 95% aus Einrichtungen der Sanitätsakademie der Bundeswehr (davon gibt es nämlich nur eine ;) !) und des Zentralinstitutes des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und man hat in dem Flügel, der auf die Kantine zeigt, dem früheren "Zentrum für Nachwuchsgewinnung" und heutigen "Karriere-Center" ein wenig Platz gemacht, so dass der Sporttest nicht zwischen den Wohnwägen der gewerblichen Damen auf der Ingolstädter Straße abgehalten werden muss :D !

Ansonsten: Glückwunsch von mir zur Feldwebellaufbahn! Reichen Sie Ihre Unterlagen baldmöglichst nach und nehmen Sie ab bis zur Einstellung, denn mit einem BMI von über 30 ist es nach der Einstellungsuntersuchung gleich wieder vorbei ;) !
Gespeichert
"Killing folks is easy, being politically correct is a pain in the ass!"

Achmed, the Dead Terrorist

Stefan1994

  • Gast
Antw:Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012
« Antwort #3 am: 23. Dezember 2012, 16:17:16 »

Könnte man meinen Bericht noch ins Board zu den anderen Erfahrungsberichten einfügen?

Schöne Festtage,
Gespeichert

ulli76

  • Forums-Doc
  • Administrator
  • ******
  • Online Online
  • Beiträge: 24.164
Antw:Erfahrungsbericht ZNwG Süd/KC München Dezember 2012
« Antwort #4 am: 23. Dezember 2012, 16:20:32 »

Ist doch schon längst verlinkt  ;)
Gespeichert
•Medals are OK, but having your body and all your friends in one piece at the end of the day is better.
http://www.murphys-laws.com/murphy/murphy-war.html
 

© 2002 - 2018 Bundeswehrforum.de