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Autor Thema: Erfahrungsbericht aus dem Karrierecenter der Bundeswehr Mainz/Wiesbaden 10/2015  (Gelesen 3020 mal)

Fachdiener

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Vorbereitung und Bewerbung

Durch meine Dienstzeit zwischen 04/2004 und 03/2008 konnte ich als Mannschaftsdienstgrad bei den Fallschirmjägern bereits vier Jahre die Bundeswehr, deren Aufgaben, das Miteinander der einzelnen Kameraden und das Verhalten der vorgesetzten Dienstgradgruppen kennenlernen. Interessiert und fasziniert hat mich schon immer die Laufbahn der Feldwebel, da hier auf Grund meiner schulischen und beruflichen Vorbildung eine berufsnahe Verwendung möglich ist. Aus der Truppe hatte ich mich bereits 2006 für die Laufbahn des Truppenfeldwebel beworden, jedoch scheiterte es damals an meiner Lebenserfahrung bzw. Reife mit knapp 18 Jahren. Da ich mit 18 Jahren nur über den Realschulabschluss, aber noch nicht über die abgeschlossene Berufsausbildung verfügte, war für mich nach den besagten vier Jahren Schluss und ich habe die Bundeswehr 2008 verlassen.

Sieben Jahre später und jetzt mittlerweile mit einem anerkannten Berufsschulabschluss des Kaufmann für Versicherungen und Finanzen und inzwischen 29 Lebensjahren, nahm ich im Juli diesen Jahres mit meinem zuständigen Karriereberater, einem Hauptfeldwebel, Kontakt auf und besprach mit mit Ihm über meine Möglichkeiten bei der Bundeswehr. Da meine Berufsausbildung den Zusatz bzw. die Fachrichtung Versicherungen mit sich führt, blieben für mich nur eine Hand voll Verwendungen übrig, welche allesamt mit der Materialbewirtschaftung oder dem Personal-, Rechnungswesen zu tun haben.
Der Hr. Hauptfeldwebel druckte mir dann alle Verwendungsmöglichkeiten aus und gab mir ein paar Tage Bedenkzeit, welche ich auch intensiv hier im Forum und im Internet nutzte.

Nach kurzer Zeit war für mich klar, dass meine Bewerbung auf den Feldwebel des Fachdienstes mit der Fachrichtung bzw. Verwendung des Stabsdienstfeldwebels S1 bzw. Rechnungsführer lauten wird. Mit der Unterstützung des Herrn Hauptfeldwebels erstellte ich meine Bewerbungsunterlagen, welche von dem Hrn. Hauptfeldwebel Ende August an das Karrierecenter in Mainz mit der Außenstelle Wiesbaden versandt wurden.

Keine Woche nach dem Absenden bekam ich auch schon ein Eingangsschreiben mit der Bitte, mein Dienstzeugnis von 2008 doch bitte schnellst möglich nach Wiesbaden zu senden, da dieses nicht in meiner Akte auffindbar war. Gesagt, getan, sendete ich das Dienstzeugnis per E-Mail an die Sachbearbeiterin nach Wiesbaden.

Jetzt wartete ich bis Anfang Oktober, bis ich die Initiative ergriff und bei der Sachbearbeiterin anrief und dann erfuhr, dass ich bereits seit zu diesem Zeitpunkt 14-Tagen für eine Eignungsfeststellung in Mainz / Wiesbaden geplant war.

Durch diese Nachricht weiter angetrieben, erhöhte ich mein Sportpensum und achtete noch detaillierter auf meine Ernährung. Die auf den bekannten Webseiten angebotenen CAT Tests etc., kannte ich nach kürzester Zeit aus dem FF und auch den BFT durchlief ich mit nüchternen Ergebnissen ein paar Mal.

Jetzt war der Tag der Anreise gekommen ...



Anreise und Unterbringung in Mainz

Im Oktober 2015 war es dann soweit. Ich machte mich die 300 Km einfache Fahrstrecke auf den Weg nach Mainz in die Kurmainz Kaserne. Das mit dem Einladungsschreiben mitgeschickte DB-Fahrticket nutzte ich nicht, ich fuhr mit meinem eigenen Kfz. An der Kurmainz Kaserne angekommen, überprüfte ein ziviler Sicherheitsmitarbeiter am Kasernentor meinen Ausweis und das Einladungsschreiben und zeigte mir den Weg in Richtung der Unterkunftsgebäude. Da ich bis 16:00 Uhr anreisen sollte, jedoch bereits um 14:30 Uhr an der Unterkunft ankam, waren noch "alte" Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen und persönlichen Hab und Gut vor Ort, so dass ich etwas abseits parken musste.
Gegen 15 Uhr betrat ich dann das Melde-/Unterkunftsgebäude und wurde durch einen sehr netten und zuvorkommenden zivilen Mitarbeiter begrüßt, erhielt meine rote Laufmappe und meine Stube zugewiesen. Zusätzlich erhielt ich noch einen kurzen Ausblick auf die nächsten Stunden bzw. den Rest des Tages / Abend und durfte mich dann in das 1. OG begeben und bezog meine Stube. Ziemlich zeitgleich kamen weitere drei Bewerber auf unserer Stube an, so dass wir uns während des Einräumen des Spindes und Beziehen des Bettes etc. schon mal beschnuppern konnten. Uns allen war die Aufregung anzuerkennen, aber durch offene und gute Gespräche, legte sich bei mir die Nervosität.
Da am ersten Abend die Verpflegungsküche "unter Wasser stand", bekamen wir zu 18:00 Uhr gepackte Verpflegungsbeutel und ausreichend zu Trinken. Hier muss ich ein großes Lob loswerden. Die Verpflegungsbeutel waren bis oben hin voll und es gab neben stillem und Sprudelwasser auch süße Getränke aller Art.

Die erste und letzte Anforderung am ersten Tag bestand darin, dass wir uns um 20:15 mit 28 Frau/Mann im Konferenzraum einfanden und in Gegenwart eines zivilen Angestellten den so genannten Biometrischen Bogen ausfüllten. Hier wurden wir nach unsere Einstellung zum Beruf des Soldaten gefragt, wie z.B. würden Sie eine Waffe abfeuern, würden Sie an einem Auslandseinsatz teilnehmen, was nehmen Sie aus Ihrer Kindheit, Schulzeit und Berufsausbildung etc. mit und warum wollen sie zur Bundeswehr und gerade in die Vorgesetztenlaufbahn der Feldwebel.
Für die Beantwortung der Fragen in ganzen Sätzen und freihändig geschrieben, hatten wir dreizig Minuten Zeit, wobei ich nach gut zwanzig Minuten fertig war und den Raum dann in Richtung Stube verlassen durfte. Damit war der Anreise und zu gleich erste Tag beendet.


Der zweite Tag

Morgens um 05:00 Uhr klingelte der Wecker und ich begab mich zum Duschen ins Erdgeschoss. Nach dem ich als einziger mich in meinen Anzug geworfen habe und mit Hemd und Krawatte "abmarsch" bereit war, trafen sich alle Bewerber um Punkt 06:00 Uhr im Erdgeschoss und wir gingen gemeinsam zum Frühstück. Dort hatten wir 20 Minuten Zeit und mussten dann um 06:30 Uhr zur Abfahrt mit dem "Reise-"Bus nach Wiesbaden samt unserer Laufmappe und allen Unterlagen, welche wir noch nicht abgegeben hatten, zur Abfahrt bereitstehen. Punkt 06:30 setzte sich dann der Bus in Richtung Wiesbaden in Bewegung und gut 15 Minuten später kamen wir bei der Wehrbereichsverwaltung West (Außenstelle Wiesbaden) an und es ging sieben Stockwerke gen Osten hoch und wir versammelten uns in einem mittelgroßen Besprechungsraum. Ich glaube, dass diese sieben Stockwerke schon die erste Prüfung war, denn einige Bewerber waren danach schon so schlapp, dass sich die Schnappatmung eingestellt hatte.

In diesem Konferenzraum wurden wir durch einen Prüfoffizier (Hauptmann) begrüßt, welcher mit einen sehr guten ersten Eindruck vermittelte und mir ein wenig meine Sicherheit zurück gab und meine Nervosität runterfahren lies. Bei dieser Willkommensvorstellung gab es bereits per Powerpoint schon einige Informationen, welche später im Computer CAT Test abgefragt wurden. Hier z.B. Auslandseinsätze und Vorgesetzte der Bundeswehr bzw. dessen Laufbahnen etc. Nach gut zwanzig Minuten war das erste Kennenlernen beendet und die auf Grund des Abreisens eines Bewerbers noch aus 27 Bewerbern bestehende Gruppe wurde in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe ging zum CAT Test (ich auch), eine Gruppe zur Vervollständigung Ihrer Daten und eine Gruppe zum ärztlichen Dienst.

Es ging also mit dem CAT Test bei mir los und meine Gruppe und ich begaben uns in den Computerraum und uns wurde ein PC-Platz zugewiesen. Mein Test begann mit dem Mathematiktest (Brüche, Wurzeln, Grundrechenaufgaben und Kommarechnung), über die Matrizen-, logischem Denken, Würfelbildern, Wörter ihrer Bedeutung zuordnen, dem Reaktionstest (Blauer und roter Pfeil) und dem englisch Test. Obwohl hier ein Zeitansatz von 90 Minuten bis drei Stunden angesagt wurde, war ich nach gut 50 Minuten mit meinem Test fertig und sollte mich jetzt zum medizinischen Dienst begeben.

Beim medizinischen Dienst wurde festgestellt, dass ich vier Kilogramm zu viel auf den Rippen habe und ich deswegen T4a gemustert wurde. Das bedeutet, dass ich zu diesem Zeitpunkt aus medizinischer Sicht keine Verwendung für den Dienst als Soldat bekommen hatte. Da sonst aber alles in Ordnung war, bekam ich die Auflage, bei Bestehen des CAT Test und der Eignung zum Uffz o.P. oder m.P. dann bis zum Einstellungstermin diese minus vier bis fünf Kilo per Arztschreiben von zu Hause nachzuweisen und ich würde die Tauglichkeit 2 erhalten.
(Beim Arzt wurde das Sehvermögen, Drogenmissbrauch, Hörvermögen, Bewegungsabläufe, Herz- Kreislaufsystem, Krankenvorgeschichte geprüft und besprochen)

Für mich war der Tag jetzt beendet und ich wartete drei Stunden auf die Abfahrt des Busses zurück nach Mainz. In Mainz angekommen, wartete auch schon ein Herr Oberstabsfeldwebel mit dem Sporttest auf uns. Wir begaben uns in die Sporthalle und dort absolvierten wir den Pendellauf (geschafft in 46 Sekunden;Note 2) und den Klimmhang (leider nur 23 Sekunden; Note 3). Als dann alle damit fertig waren, verlegten wir zurück ins Unterkunftsgebäude und absolvierten hier im 1. OG den Fahradergometertest. Hier konnte ich dann zeigen was ich kann und bewältigte die 3.000 Meter in 3:42 Min. Somit die Note 1 als einer von zwei Bewerbern von 27! Insgesamt hat mir aber trotzdem eine Sekunde "irgendwo" gefehlt, so dass meine Gesamtpunktzahl eine glatte 2,5, aber leider in Schulnoten eine 3 war.

Das war es auch schon für den zweiten Tag und seit 16 Uhr hatten wir Zeit zur freien Verfügung.


Der dritte Tag

Morgens begann alles wie am zweiten Tag. Angekommen in Wiesbaden ging es auch schon nach einer einstündigen Wartezeit mit dem Prüfoffizier- und Psychologengespräch los. Im Grunde wollten die beiden Herrschaften aus dem am ersten Abend ausgefüllten Fragebogen einige Äußerungen genauer erklärt bekommen und von den insgesamt 45 Minuten, handelten circa 30 Minuten davon, warum es damals nicht mit der Feldwebeleignung klappte, oder wir ich es mir mit meiner Familie und meinen Kindern bzgl. eines Auslandsaufenthaltes vorstelle. Nach gut 45 Minuten sollte ich den Raum verlassen und mich wieder im Warteraum 1 bereithalten. Kurze Zeit saß ich nun in dem Warteraum und schon kam auch wieder der Herr Hauptmann mit einem Lächeln auf mich zu und befragte mich auf dem Weg in "Prüfungszimmer" nach meiner Vergangenheit als Fallschirmjäger und dass es jetzt ja dann etwas ruhiger in der neuen Verwendung zugehen wird. Zu diesem Zeitpunkt war mir dann klar, jawohl sie nehmen mich.

Im Zimmer dann angekommen stand auch schon die Frau Dr. auf, reichte mir die Hand und teilte mir im Namen des Hauptmannes und sich selbst mit, dass sie mir zu einer uneingeschränkten Feldwebeltauglichkeit gratuliere. Es folgte ein kurzer Smalltalk und ein Hinweis, dass ich doch noch ein wenig Englisch üben solle, aber dafür hätte ich ja auf dem Lehrgang und durch BFD Maßnahmen etc. noch Möglichkeiten. Die Frau Dr. wollte dann noch von mir wissen, wie ich das Gespräch fand und wir verabschiedeten uns mit den Worten: Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

Für mich war dann nur noch das Sortieren und Abgaben etwaiger Unterlagen bzgl. meines Hauses etc. angesagt und dann ging es zum Essen.

Ein paar Stunden später gibt es dann gemeinsam mit den Anderen zurück nach Mainz und dort fand dann die Ausschleusung statt.

Ergebnis: 28 Bewerber, 1 am ersten Tag abgereist, 1 am zweiten Tag erkrankt, 18 Mannschaftereignungen, fünf Unteroffizier o.P. Eignungen und drei Feldwebeleignungen.

Als Stabsunteroffizier (FA) werde ich am 01.04.2016 in Sondershausen starten und dann irgendwann in Frankenberg für die nächsten Jahre in meinem Stammtruppenteil als S1 Personal- u. Betreuungsfeldwebel dienen. Ich wurde als SaZ 16 verpflichtet und werde noch mindestens zwölf Jahre meinen aktiven Dienst verrichten.

(Rechtsschreibfehler sind gewollt und können behalten werden)
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ckinnay128

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Sehr gut geschrieben, wenn einen solchen Bericht lese, steigt meine
Motivation es auch zu schaffen. Ich muss am Sonntag ins KC München - meine Aufregung steigt von Tag zu Tag.

Danke für deinen Bericht
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Fachdiener

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Danke schön ...

Wünsche Dir viel Erfolg!
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P.B15

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Herzlichen Glückwunsch auch von mir !

Ich bin am 24.11. in Mainz bzw direkt in Wiesbaden da ich mich für den FWD23 beworben habe

Bei mir wirds voraussichtlich 1/2 Tag dauern laut Einladungsschreiben

Der Bericht is super geschrieben und erhöht bei mir eigentlich nur die Vorfreude , ich danke dir :D !

Viel Glück auf deinem weiteren Weg (Auch was die Kilos betrifft)
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Fachdiener

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Ich danke Dir!

2,2 Kilogramm sind schon runter, so dass ich davon ausgehe, dass ich mich Ende nächster Woche beim Arzt vorstellen werde und lasse meine aktuelle Größe und das Gewicht notieren. Sende dann das Schreiben nach Wiesbaden und hoffe, dass dann der Einstellungsbescheid bald im Briefkasten liegt.

Spiele auch mit dem Gedanken persönlich nach Wiesbaden zu fahren und beim medizinischen Dienst das Nachmessen machen zu lassen, denn ich habe noch eine Wette mit der Frau Hauptmann von der Einplanung offen. :-)
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P.B15

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Scherzkeks:D ! Den Rest kriegst du auch gerockt . Wie gesagt , viel Erfolg !
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Fachdiener

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ES HAT GEKLAPPT

Gestern wurde ich in Wiesbaden noch einmal auf die Waage gestellt, meine Größe wurde gemessen und nach dem die Ärztin von meiner Gewichtsreduzierung erfahren hatte, ordnete sie noch einen Drogentest an.

Körpergröße und Gewicht passten (zwei Kilo unter Max.) und der Drigentest war auch in Ordnung.

Kurz darauf habe ich auch schon vom Einplaner meine Einplanungsunterlagen erhalten und am 04.04.2016 gehts als SU (FA) los.
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