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Autor Thema: Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA  (Gelesen 2268 mal)

pommesmitfritten

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Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« am: 04. November 2015, 19:05:16 »

Hallo Kameraden,

da ich einiges an Informationen aus dem Forum gesaugt habe, möchte ich auch was zurück geben.

Es gibt zwar einige Berichte, will aber Informationen die mir gefehlt haben ergänzen bzw damit einen weiteren Eindruck vermitteln.

Zu meiner Ausgangssituation:
Ich bin 28 Jahre jung, arbeite als Elektroniker, habe Fachhochschulreife und habe mal einen Freiwilligen Wehrdienst geleistet.
Nun habe ich ROA in Wehrübungen gestellt.

Nachdem ich meine Unterlagen bei dem Karriereberate abgegeben habe, bekam ich relativ zügig Post vom Personalamt der Bundeswehr. Meine Unterlagen werden geprüft und ich würde bei positivem Entscheid eine Einladung bekommen.
Zwei Wochen später dann der Brief zum vereinbaren eines Termins. Gesagt, getan, Termin fixiert, eine Woche später postalische Einladung mit allem was man braucht:
- Anfahtsskizze
- mitzubringende Dokumente
- Anreisetag und Zeit
- weitere Infos
- Reisegutscheine

Als ich dann am ersten Tag mit der Bahn angereist bin, hat mich die nette Dame des DB-Reisecenters in Köln zur falschen Kaserne geschickt. Einerseits ärgerlich, andererseits hätte ich mich im Vorfeld auch ein bisschen besser über die Verkehrsverbindung informieren sollen.
(am Bahnhofsvorplatz runter, Linie U18 zum Neumarkt, Linie S7 zum Westhoven, Kölner Str, Treppe rauf, links, fertig!)

Da ich aufgrund dieser Problemchen zu spät kommen würde, habe ich meine Betreuerin angerufen, was letzlich kein Problem war. Wurde auch nicht angesprochen und brachte mir keinen Nachteil!
Zur Kleidung: Die war durchwachsen. Zieht euch einfach vernünftig an. Krawatte kann, muss nicht. Ich fand es persönlich overdressed und den meisten sah man an, das sie das erste mal in ihrem Leben nen Anzug tragen, den die stolze Mutti ausgesucht hat ;)
Ich hatte am Anreisetag ne saubere, einfache Jeans an. Ein Paar neutrale Schuhe, (keine Lackschuhe, Sandalen oder Turnschuhe!), ein Hemd und nen Cardigan, weil kühl.
Am zweiten und dritten Tag einen Anzug, ohne Krawatte oder Fliege. Leger und trotzdem schick. Wurde aber auch nie auf meine Garderobe angesprochen. Ich kaufe mir meine Anzüge aber selbst und trage ab und an einen, bewege mich als nicht wie ein Storch darin oder als hätte ich zwei 1/2 Zoll Rohre unterm Jacket versteckt.

Aber das Bewerbungsverfahren beginnt mit dem Eintritt in die Kaserne und endet bei der Abreise. Verhaltet euch so! Kein Handy, niemals, nur auf Bude oder unmittelbar vor der Unterkunft. Sonst ein absolutes Tabu, das mit Ausschluss geahndet wird.

Die die bei euch auf Bude sind, werden eure Partner im Gruppensituationsverfahren sein ;)
Beschnuppert die und fragt sie was sie so machen. Ein erster Eindruck ist da vielleicht nicht schlecht.

14:40 Uhr Unterweisung Geb 9, Raum 117
Hört hierbei zu, erste wichtige Informationen die unbedingt zu beachten sind! Des Weiteren der beliebte biographische Fragebogen!
Hierbei wird unterschieden zw Menschen die die Schule länger als drei abgeschlossen haben und die bei denen es weniger ist!

Anschließend Vortrag eines Mitglieds der Prüfungskommision. Auch hier zuhören! Ein weiteres Papier mit persönlichen Daten, aber speziell zur Einplanung wird ausgefüllt!

Ab dann habt ihr Freizeit und die Möglichkeit mit den Betreuungsoffizieren zum "Griechen" zu gehen. Nutzt das.
Es hat sich rausgestellt, das die meisten Jungs und Mädels sehr unzureichend informiert worden sind. Sprecht die Offiziere an und löchert sie bzgl eurer Verwendungswünsche, was ein Soldat so treibt und wo die Unterschiede bei den Offizieren liegen!

Der Folgetag fängt früh an und ist auch recht vollgepackt. Ihr habt einen Laufzettel bekommen, der euer ständiger Begleiter sein wird! Da seht ihr was so an steht. Die sind persönlich zugeordnet und unterscheiden sich teilweise von euren Mitbewerbern.

Im großen und ganzen geht es los mit dem Aufsatz. Zwei Wortpaare stehen zur Auswahl, Aufgabe hierbei:
- Definieren, Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Zusammenfassung
Zeitansatz 30min.

Teilt euch die Zeit ein. Zieht euch eine Uhr an und haltet die im Auge.
Wer anfangs viel schreibt und später wenig, macht den Eindruck er hat ein schlechtes Zeitmanagment. Wer mittendrin oder am Schluss extrem viel schreibt, schweift in der Regel zu weit aus. 
Strukturiert euch etwas und schreibt 1,5 - 2 lockere Seiten voll.

Anschließend CAT-Test. Der ist adaptiv, passt sich also euch und euren Verwendungswünschen bzw Vorbildung an. Vorbereiten ist gut, aber nicht zwingend notwendig. Da dort die Intelligenz geprüft wird, hat man da wenig Vorbereitungsmöglichkeiten.
Dazu der PMO (Persönlichkeits-Merkmale-Offizier). Antwortet spontan und ehrlich, Seltsame Konstellationen entdecken die Prüfer ;)

Direkt danach Voruntersuchung.

Wenn man damit fertig ist, geht es zum beliebten GSV (Gruppensituationsverfahren):
In der Regel werdet ihr von einem Prüfoffizier und einem Psychologen beobachtet, kann aber auch jeweils zwei von einer Sorte sein.
Auch hier gibt es wenig Vorbereitungsmöglichkeiten. Der Test zielt darauf eure charakterlichen Merkmale kennen zu lernen. Wie geht ihr unter Zeitdruck mit unbekannten Menschen um, um eine Lösung in einer schwierigen Situation zu finden.
Es wird ein Problem gestellt, also eine Lage, die genau beschrieben ist. Dabei müsst ihr nach einer Vorbereitungszeit von 2min mit euren Mitbewerbern eine Lösung finden und euch einig werden. Es gibt keine Musterlösung.

Es geht auch weniger darum eine Lösung zu finden, als gemeinsam an die Sache ran zu gehen. Ungern gesehen werden laut den Offizieren, Menschen die Vollgas geben und alles alleine machen und die, die eben gar nichts sagen und alles hinnehmen.

Anschließend kommt der Ressourcenmangel:
Wieder ein Szenario, bei dem es gilt eine Ressource, zB ein Urlaub für sich zu gewinnen. Es können nicht alle drei diese Ressource haben. Entscheidet wer die bekommt und was derjenige als Ausgleich erhält. Ziel ist es, die Ressource zu wollen und dies argemntativ zu verteidigen vor den Mitbewerbern.

Abschließend der Kurzvortrag:
Ein Thema, ihr entscheidet wie das Problem gelöst wird. 25min Bearbeitungszeit mit einem Blatt Papier. Danach wird der Reihe nach der Vortrag gehalten. Dabei geht es auch wneiger um den Inhalt oder die Lösung, sondern wie ihr redet, artikuliert, gestikuliert und euch vorbereitet.

Wenn das alles geschafft ist, kommt das Interview!
Das ist eigentlich nichts wildes. Ich war auch nervös, aber im Nachhinein war es sehr angenehm. Eigentlich wollen euch die Prüfer nur kennenlernen und sich einen Eindruck über euch persönlich verschaffen. Papier ist geduldig, aber auch interpretierbar.
Es gab keine unangenehmen Fragen an mich.
Zum Beispiel wurde ich gefragt ob ich unbeständig sei mit der Wahl meines Arbeitgebers, weil ich innerhlab der 10 Jahre, dreimal gewechselt habe.
Da ein Betrieb geschlossen wurde und der andere schlecht bezahlt hat, hab ich mich auf den derzeitigen Beworben, bei dem Das Geld und das Klima passten. Fertig! Das war auch so okay.

An diesem Tag wurde niemand etwas über die Bundeswehr geragt. Sollte aber dennoch nicht außer Acht gelassen werden ;)

Standardfragen wie:
- Warum wollen Sie Offizier werden?
- Warum sollten wir genau Sie zum Offizier ausbilden?
- Was macht ein Offizier?
- Was sagt ihre Familie dazu?
- Können Sie auch mal auf den Tisch hauen?

Aber wenn man sich mit seinem Berufswunsch vernünftig auseinander gesetzt hat, sollte das auch keine Vorbereitung brauchen.

Naja, nachdem das alles geschafft war, bekamen alle eben den Wisch: "Zwischenergebnis Offizierseignung". Bei den einen bestanden, bei anderen eben nicht.

Danach folgte für mich erstmal nichts mehr und bei den meisten war dann nur noch das Interview übrn Tag verteilt.

Am Abend dann noch einen Vortrag zum Einplanen. Es wurde gesagt das ROAs und SaZ wie BS gehen dürften, da uninteressant. Bleibt! Es ist interessant!

Tags drauf dann der MKT (Mechanischer Kenntnis Test) -> easy und machbar. Physikalische Grundgesetze!
Lichteinfall auf eine Linse, Wasserstand im Fluss, Stromkreis, Rädchen und Riemen etc. Machbar!

Abschließend der beliebte Sporttest.
Dazu, schaut nach BFT (Basis Fitness Test):
- 5x10m Pendellauf in unter 60sec
- Klimmhang mind 5sec
- Ergometer fahren, 3km in max 6:30min

Wer die drei Dinge nicht schafft, hat wirklich NICHTS bei der Bundeswehr verloren.

Pendellauf in 40sec ist ne "sehr gut"
Klimmhang, 68sec ist ne "sehr gut"
Ergometer unter 4min auch "sehr gut"

Tippfür den Ergo: Am Anfang relativ weit hoch gehen, ca 230Watt und dann mit 90U/min treten, dann reicht es locker (ca. 4:30min)
Wer mehr schafft, höher gehen und langsam treten, bringt mehr als schnell zu treten ;) (Puls im Bereich 130 halten)
Noch wichtiger: Beim Frühstück nicht den Bauch vollschlagen, sonst seht ihr es spätestens beim Ergo wieder ;)

Ist das alles geschafft, gehen die OAs zum Mathetest und die ROAs zum Einplaner. Dann gibt es ne Uhr und ne Urkunde.

Mehr ist es nicht ^^


Als letztes:
Bevor ihr euch bewirbt oder euch von irgendeinem Karriereberater vollquatschen lässt, informiert euch.
Was macht ein Soldat?
Was heißt es Soldat zu sein, Pflichten, Rechte?
Was wollt ihr überhaupt bei der Bundeswehr machen und sein?
Fühlt ihr euch dazu befähigt? Dazu sollte man sich realistisch einschätzen können!

Viele kamen an und wussten weder was sie studieren wollen, noch was sie machen wollen. Ein Mädchen, furchtbar schüchtern und introvertiert, wollte zu den FSchJg, GebJg oder PzGren, weil sie ist ja auch gern im Wald, so mit ihrem Pferd und so, und spazieren ist toll...Bekam seltsamerweise keine Eignung.
Macht euch schlau. Auch als Offz geht man nicht zum Studium zur BW, sondern weil man Soldat sein will und sich in der Lage fühlt Menschen zu führen, auch unter schweren Bedingungen! Diese Blauäugigkeit hat mich wirklich erschrocken. Auch die Reaktionen derer, die die aktiven Soldaten nach Einsätzen gefragt haben...
Als ResOffz ist das nicht ganz so akut, aber dennoch muss man wissen, was man da für Tätigkeiten hat!
Macht euch nen Kopf über mögliche Verwendungen und wo ihr das machen wollt. Und mit ein bisschen Logik kann man feststellen, das wohl die meisten SanOffzAnw Humanmedizin studieren wollen...


Ein paar Zahlen (für 2016) die mir in Erinnerung geblieben sind:
10000 Bewerber
6000 davon werden eingeladen
4000 schaffen das Verfahren
1965 werden eingestellt

Ich hoffe euch ein bisschen was an Infos geliefert zu haben, bei Anregungen oder Fragen, einfach kommentieren.

Guckt bei Google, hier, oder bei YouTube, Auch hilfreich ist die Karriereseite der BW. Stöbert.
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Antw:Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« Antwort #1 am: 07. November 2015, 18:16:34 »

Ich danke dir!
Besonders die genauen Werte zum Sporttest habe ich so lange gesucht!

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Der Reservist

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Antw:Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« Antwort #2 am: 07. November 2015, 21:06:01 »

Vielen Dank für diesen ausführlichen, interessanten und gut strukturierten Bericht!


Noch eine kurze Frage:

"10000 Bewerber
6000 davon werden eingeladen
4000 schaffen das Verfahren
1965 werden eingestellt"

Worauf beziehen sich deine Zahlen? Auf alle ROAs (adW und SAZ) ? Für ROA a.d.W. erscheint mir die Zahl nämlich 20mal zu hoch!

MkG!
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"Also bei und (RSU Kp Schwäbische Alb) wird neben diversen Litzen aus der aktiven Zeit auch die Resi Litze getragen. Das ist gar kein Problem. Schwarz-Rot-Gold ist einfach die schönste Farbkombi!"

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Antw:Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« Antwort #3 am: 07. November 2015, 21:16:03 »

.. Die Zahlen sind hier schon mehrfach genannt worden ... Und ROB Bewerber werden mit welcher Personengruppe getestet?
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pommesmitfritten

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Antw:Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« Antwort #4 am: 09. November 2015, 12:08:30 »


Worauf beziehen sich deine Zahlen? Auf alle ROAs (adW und SAZ) ? Für ROA a.d.W. erscheint mir die Zahl nämlich 20mal zu hoch!


Die zahlen beziehen sich eigentlich auf die OAs! Die wurden an die Wand projeziert.

Bei den ROAs verhällt sich das anders. Da wird unterschieden zwischen Beordert in eine Einheit oder einem Landeskommando.

Hast du die Eignung, darfst du wünsche äußern zur TSK (nicht Marine! aber San) und wünsche in der Verwendung. Dann schaut der Einplaner nach den aktuellen Zahlen für das Folgejahr und ob sich deine Wünsche mit dem Bedarf decken. Außerdem wird natürlich eine Bestenauswahl getroffen. Eine Jägerkompanie nimmt sich idR niemanden der beim Sporttest die Mindestanforderungen erfüllt hat. Passt das alles, bekommt man im Folgejahr Mrz/Apr (lt Einplaner) Post, ob man eben dabei ist oder nicht.
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Antw:Erfahrungsbericht ACFürKrBW 11/2015 - ROA
« Antwort #5 am: 09. November 2015, 12:15:18 »

.. Die Zahlen sind hier schon mehrfach genannt worden ... Und ROB Bewerber werden mit welcher Personengruppe getestet?

Sorry, Editierfunktion nicht gefunden.

Die waren bei den OAs auf Bude. Ich gehe davon aus, weil die im Prinzip den gleichen Ablauf (bis auf Studium) haben wie die OAs. Sind ja SAZ2 und machen dann die Ausbildung. Nach dem neuen Konzept ca 6 Monate Netto in ihrer Stammeinheit.
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