Forum Chat ()

StartseiteForumTeamANB / RegelnFeedgenerator Hilfe
  • 15. November 2018, 12:23:28
  • Willkommen Gast
Bitte logg dich ein oder registriere dich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Autor Thema: Erfahrungsbericht ACFüKrBW 12/15 (San)  (Gelesen 2237 mal)

WirdMaHellImHals

  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 166
Erfahrungsbericht ACFüKrBW 12/15 (San)
« am: 11. Februar 2016, 09:42:12 »

Guten Morgen zusammen,

nachdem mir die vielen Erfahrungsberichte hier doch ein ganzes Stück weiter geholfen haben und ich grade in der Nachtschicht nicht viel zu tun habe, möchte ich auch einmal meinen Erfahrungsbericht in den Ring werfen.
Zu meiner Person: 21 Jahre alt, allg. Hochschulreife, abgeschlossene Berufsausbildung als Rettungsassistent.
Beworben natürlich im ZSanDst für den Studiengang Humanmedizin.

Nachdem ich den CAT-Test im hiesigen KC mit dem Prädikat "das war echt geil" (laut HG aus dem GeZi) absolviert hatte, mich 2 Wochen mit dem Warten auf die Einladung gequält hatte war es dann soweit. Ich durfte im Dezember nach Köln um mich dort mit 6000 anderen Bewerbern um einen der begehrten Studienplätze für Humanmedizin zu reissen.

Tag 1
Angereist bin ich aus dem Norden, was hieß, das mich zunächst eine 6-stündige Zugfahrt erwartete. Vom Kölner Hauptbahnhof ging es dann mit der Straßenbahn zur Mudrakaserne. Dort wurden als erstes die Zimmer bezogen und man hatte noch die Chance seine Zimmerkameraden kennenzulernen und sich ein erstes Mal mit Gleichgesinnten auszutauschen. Schnell noch was schickeres angezogen und los gings zum Einführungsvortrag. Vor der Bewerberunterkunft wurden wir von unseren drei Betreuungsoffizieren abgeholt, die uns hinüber zum eigentlichen AC führten. Hier bekamen wir die Information, was uns die nächsten drei Tage erwarten würde, begleitet von einer ansehnlichen Powerpointpräsentation. Als guter Offiziersbewerber hatte man sich natürlich schon ordentlich darauf vorbereitet und kannte die Inhalte, die vermittelt wurden schon. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, ein großer Teil der Bewerber hörte all dies anscheinend zum ersten mal. Anschliessend folgte ein weiterer Vortrag über die möglichen Studiengänge bei der Bundeswehr. Für mich uninteressant, merkte ich doch recht schnell, dass viele Bewerber sich damit noch gar nicht auseinander gesetzt hatten, was sie denn gerne studieren würden. Hiernach wurde an alle Bewerber der persönliche Laufzettel ausgeteilt, der die eigenen Stationen in den nächsten Tagen darstellte.
Es folgte der persönliche Fragebogen, der später im Interview wieder aufgegriffen werden würde. Bedenkt, alles was ihr dort schreibt muss von euch begründet oder mit Beispielen belegt werden können. Bereitet euch auf folgende Fragen vor:
- Was sind meine Stärken und Schwächen?
- Zeitaufwand für Schule, Lernen oder andere Tätigkeiten?
- Was zeichnet einen Offizier aus? Was davon habe ich/habe ich nicht?
- Was lese ich, wieviel lese ich, warum lese ich es?
- Hobbies, Freizeitaktivitäten?
- Was mache ich in meiner Freizeit? Engagiere ich mich ehrenamtlich? Übernehme ich irgendwo Verantwortung oder habe es getan?
- Wo sehe ich Nachteile im Offizier sein, in der Ausbildung zum Offizier?
- Präferiere ich das Arbeiten im Team, zu zweit, alleine? (Das müsst ihr unbedingt begründen können)

Für die Sanis gabs anschliessend noch den SanFragebogen. Ist sehr ähnlich, nur auf den SanOffz bezogen (was zeichnet ihn aus, was davon bringe ich mit),
natürlich mit der Frage warum Ich denn Medizin studieren möchte?

Nachdem all dies gelaufen war gab es zwar kein Abendbrot in der Truppenkantine mehr, dafür konnte man sich eine Kleinigkeit beim "Griechen" holen, dem Lokal über der Truppenküche. Wenn ihr Hunger habt, dann nehmt die Currywurst, die dauert ne halbe Stunde kürzer als n Schnitzel...
Man hat hier wunderbar die Gelegenheit sich mit den anderen Bewerbern auszutauschen und (ganz wichtig) die Betreuungsoffiziere mit allen Fragen zu löchern, die ihr über die Bundeswehr noch habt. Ein kleines Kölsch mit den BetrOffz und dann gings ab in die Koje. Wenn ihr ein gemütliches Kissen gewohnt seid, dann nehmt euch unbedingt eins mit. Ich musste bis spät in die Nacht mit mir kämpfen um endlich einzuschlafen.







Gespeichert

WirdMaHellImHals

  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 166
Antw:Erfahrungsbericht ACFüKrBW 12/15 (San)
« Antwort #1 am: 11. Februar 2016, 09:42:53 »

Tag 2

Punkt 5 Uhr klingelte der Wecker. Schnell duschen (in der Gemeinschaftsdusche), danach zum Frühstück. Bedenkt, dass ihr für das Frühstück nur 25 Minuten Zeit habt (bei 30-40 Bewerbern). Wer also auf seinen Morgenkaffee beharren möchte, der ist gut beraten sehr früh aufzutauchen, sprich gegen halb 6.

6:10 Uhr - Aufsatz

Der Morgen beginnt damit, dass ihr zwei Begriffe definieren und voneinander abgrenzen müsst. Dafür habt ihr 30 Minuten Zeit. Ihr könnt zwischen zwei Wortpaaren wählen, ich habe Verbot und Tabu genommen. Nehmt euch die Zeit, den Aufsatz im Kopf vorzustrukturieren und dann sauber aufzuschreiben.

Danach - PMO

Ein computergestützter Persönlichkeitstest mit knapp 120 Aussagen, bei denen ihr von "stimmt voll zu" bis "stimme gar nicht zu" die Auswahl habt. Im Grunde sind es die 5 gleichen Fragen, nur immer anders formuliert. Hier ganz wichtig: Ehrlich sein! Wer sich etwas zusammenlügt, weil er glaubt, dass es einen besseren Eindruck macht, der wird damit im Interview zerpflückt.

Danach - Ärztl. Untersuchung

Einmal das übliche Prozedere durch: wiegen, messen, gucken, hören, schiffen. Anschliessend zum Arzt, der euren Körper einmal kurz auf Links dreht und zu allem fragt, was es so an Krankheiten gibt. Auch hier: Ehrlich sein!

Danach (ca 10:30) - Gruppensituationsverfahren


Ich war in meiner Prüfgruppe zu dritt. Wir wurden von einem sehr netten jungen Prüfoffizier in den Prüfungsraum gebeten. Da er noch in der Ausbildung zum Prüfer war, war neben ihm, dem Psychologen, noch ein erfahrener Fregattenkapitän anwesend, der ihn beaufsichtigte.

Das anschliessende Testverfahren beruht auf 4 Säulen: Das GSV mit den Szenarien Krisenmanagement und Ressourcenmangel, der Vortrag und das Interview.

Krisenmanagement

Es geht darum eine Krisensituation im Team zu bewältigen. Hier solltet ihr euch zum einen als Führungsperson, aber auch als Teamplayer beweisen.
Nachdem jeder einen Zettel mit dem Szenario bekommen hatte, durfte jeder erst lesen und sich dann im stillen seine Gedanken machen, danach wird für 12 Minuten diskutiert. Wichtig: Es wird nicht abgebrochen, bevor die Zeit nicht rum ist.
Ihr dürft euch hier auch selber Umstände ausdenken, sofern sie nicht absolut unrealistisch sind, oder als "schummeln" zu werten sind.
Bei uns war es folgende Lage: Als Urlaubergruppe in Skandinavien hatten wir einen Berg erklommen. Von der Spitze sahen wir wie ein Reisebus von der Straße abkam und in einen Graben rutschte. Aufgrund der topographischen Lage gab es keinen Handyempfang. 4km die Straße runter war ein bewohntes Haus, von dem man aus Hilfe rufen kann. In 2km Entfernung, senkrecht zur Straße war ein weiteres Haus, zu dem der Weg aber über eine möglicherweise einsturzgefährdete Brücke führte und wo nicht erkennbar war, ob das Haus bewohnt ist. Der Abstieg über den einzigen Pfad vom Berg zur Unfallstelle dauert 12 Minuten, in denen wir unser weiteres Vorgehen planen sollten.

Denkt hier besonders an die Gesprächsetikette.

Ressourcenmangel
Hier wird explizit die Lösung für ein bestehendes Problem gefordert. Es gibt von einer Ressource eine Einheit weniger als ihr Teilnehmer seid. Also muss am Ende einer von euch nachgegeben haben. Ihr müsst euren Standpunkt durchsetzen, warum gerade ihr die Ressource bekommen solltet, dabei aber auch versuchen den Gruppenzusammenhalt zu wahren. Auch hier habt ihr wieder die Möglichkeit euch Aspekte auszudenken.
Solltet ihr an den Punkt kommen nachzugeben, handelt eine Entschädigung aus. So zeigt ihr, dass ihr bereit seid zugunsten der Gruppe zurückzutreten, euch aber trotzdem vor den anderen behaupten zu können.

Kurzvortrag
Jeder bekommt einen Zettel mit einem Problem, zu dem es zwei Lösungen gibt. Ihr habt 25 Minuten Zeit euch in die Problemstellung einzuarbeiten und anschliessend eure Lösung vorzustellen und zu begründen!
Kein Hexenwerk. Wenn ihr keine gelernten Vorträger und Tafelbildzeichner seid, dann lasst die Tafel weg. Das kostet euch unnötig Zeit und schafft unglaublich viel Leerlauf in eurem Vortrag. Notiert euch eure Argumentation und tragt sie dann vor.

Interview
Jetzt kommt der interessanteste und für mich auch der schönste Teil. Das Gespräch indem ihr euch selber verkaufen könnt und auch müsst, denn das ist eure einzige Chance euch persönlich den Prüfern vorzustellen.
Ich war direkt als erster mit dem Interview dran. Zunächst stellte bei mir der junge Prüfoffizier die Fragen.
Warum wollen sie zur Bundeswehr? Was ist für einen Offizier wichtig? Wie zeichnet er sich aus? Haben sie diese Eigenschaften schon selbst an sich feststellen können? Wenn ja, wann?
Wie steht es mit Auslandseinsätzen? Warum wären sie bereit ins Ausland zu gehen?
Wichtig ist: Ihr habt hier mit euren Antworten die Chance, das Gespräch zu lenken. So kam ich mit meinem Prüfer recht schnell auf das Thema Arzt/Soldat und den Konflikt zwischen soldatischem und hippokratischem Eid, auf welches ich mich besonders gut vorbereitet hatte. Das Endergebnis dieser Diskussion war, dass ich noch gar nicht wusste, wie ich reagieren würde, wenn ich einmal in diesen Konflikt geraten würde. Da ich mit der Frage aber gerechnet hatte und das auch gut begründen konnte (sind ja immerhin noch mind. 8 Jahre bis dahin), war er damit zufrieden.
Eine Frage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Welches Buch haben sie zuletzt gelesen? Wenn ihr Titel und Autor genannt habt, sollt ihr ihm das Buch verkaufen. Wenn man ein bisschen Leute begeistern kann, dann ist aber auch das kein Problem.

Danach übernahm der Psychologe das Wort. Hier wurde ich besonders über mein ehrenamtliches Engagement ausgefragt, über meine Vorausbildung (wer aufmerksam war: Rettungsassistent) und den großen Unterschied zwischen den Noten in meinem Abi und denen in der Ausbildung (Abitur 2,7 - Ausbildung 1,3). Wer hier gute Antworten findet, der sammelt wirklich Punkte. Ich erklärte, dass sich mein Lernverhalten deutlich verändert hatte und auch meine Motivation viel größer ist, wenn ich an etwas arbeite, was mir richtig Spaß macht. Außerdem wurde ich darauf angesprochen, dass ich ausgebildeter RettAss bin, aber nur als RettSan bezahlt werden. Der aufmerksame Leser merkt wieder: Die hinterfragen wirklich alles, was man ihnen an Material und Ergebnissen bei der Bewerbung und während des Verfahrens bietet. Auch das konnte ich sehr gut erklären. Zu guter letzt sprachen wir noch über die psychische Belastung und wie ich damit umgehen würde, wenn ich mit etwas nicht fertigwerden würde. Hier keine professionelle Hilfe annehmen zu wollen ist mit Sicherheit die falsche Antwort.

Anschliessend wurde ich kurz aus dem Zimmer gebeten, nach kurzer Beratungszeit wurden mir meine Ergebnisse präsentiert. Ich war tatsächlich geeignet ein Offizier bei der Bundeswehr zu werden. Ihr habt hier die Möglichkeit Feedback zu euren bisherigen Ergebnissen im Detail zu bekommen. Verlangt die auf jeden Fall, damit ihr wisst wo ihr steht und wodran ihr arbeiten müsst.

Pause - Mittagessen
Nachdem ich diesen Riesenhammer hinter mir hatte und die erste große Hürde genommen war, merkte ich endlich mal, dass ich riesigen Kohldampf hatte. Also flugs rüber zum Mittagessen. Nutzt diese Zeit um mal kurz runterzukommen, durchzuatmen und euch dann wieder auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren.

Danach  - SanTest

Der SanTest ist ein an den Medizinertest angelehntes Testverfahren. Er besteht aus 2x20 Aufgaben. Der erste Teil sind mathematische Aufgaben: Dreisatz, Formeln umstellen, Einheiten umrechnen. Hier gilt: Vorbereitung ist alles, aber nur dann was wert, wenn ihr sie wirklich intensiv betreibt. Setzt euch mit naturwissenschaftlichen Problemen auseinander und rechnet bis euch der Kopf qualmt. Oder tut nichts, alles dazwischen hat keinen Mehrwert.

Der zweite Teil besteht dadrin, aus Texten zu medizinischen Sachverhalten die richtigen Aussagen abzuleiten. Die Texte sind lang und die Sachverhalte kompliziert. Lest mit Bedacht, checkt eure Antworten bevor ihr sie absendet.

Für den San-Test gilt: Es ist unmöglich alle Aufgaben in der Zeit zu schaffen. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt natürlich nicht und fühlte mich, als könnte ich ja auch direkt nach Hause fahren. Dass ich im ersten Teil 18/20 geschafft hatte und im zweiten 20/20, hab ich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr realisiert.
Normal ist im ersten Teil ca die Hälfte zu schaffen, beim zweiten zwischen 12 und 15. Der Test soll euch gezielt zeitlich unter Druck setzen. Seid euch dessen bewusst, kontrolliert eure Antworten und sendet sie dann ab. Lieber weniger richtig machen, als viele falsch.

Danach - San-Vortrag
Ich wusste eigentlich gar nicht mehr, was ich hier sollte, war ich ich doch fest davon ausgegangen es tierisch verkackt zu haben.
Aber da das Unterhaltungsprogramm ja umsonst war, genau wie das Essen, ging ich trotzdem zum Vortrag.
Hier sitzen jetzt alle San-Bewerber mit Offizierseignung zusammen (also ca. eine Handvoll bei uns) und hören sich an, was sie bei Einstellung erwartet:
AGA, Studium, Klinik, Truppenarztzeit, Fortbildungen, Lehrgänge, etc. All das wisst ihr ja jetzt, es ist also nicht Teil der Studienberatung.
Auch das wird explizit erwähnt: Das morgige Prüfgespräch dreht sich ausschliesslich um eure Motivation, medizinische Kenntnisse und Wissen in Chemie, Biologie, Mathematik. Ich hatte das Gefühl ich könnte einpacken.

16:00 Abendbrot
Ihr sitzt jetzt nur noch mit all denen zusammen, die auch eine Offizierseignung bekommen haben. Die Stimmung ist entspannter, der erste Tag ist geschafft.
Das Essen war, wie immer, völlig in Ordnung.

Danach - Einplanunsvortrag

Hier gibt es eine Menge Zahlen zu hören. Die Quintessenz: Nicht jeder, der zum Offizier und zum Studium geeignet ist, wird am Ende auch eingestellt.
Es ist halt eine Bestenauslese und da kann die generelle Eignung auch schonmal nicht best genug sein.
Für die Zahlen schaut am Besten mal in den Erfahrungsbericht von Jolinar, der abgesehen von den reinen Zahlen auch im ganzen absolut lesenswert ist: http://www.bundeswehrforum.de/forum/index.php?topic=55116.msg571686#msg571686

Anschliessend ging es noch kurz zum Griechen, danch zügig ins Bett.
Gespeichert

WirdMaHellImHals

  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 166
Antw:Erfahrungsbericht ACFüKrBW 12/15 (San)
« Antwort #2 am: 11. Februar 2016, 09:44:40 »

Tag 3

6:30 MKT

Der mechanische Kenntnistest lässt recht zügig bewältigen. Ihr habt dreizehn Minuten für eine Handvoll Aufgaben zu mechanischem Grundverständnis. Macht die Übungsaufgaben auf der Karriereseite, dann seid ihr auf der sicheren Seite.

7:15 Sporttest
Der BFT sollte bekannt sein. Alles kein Hexenwerk bei ausreichender Vorbereitung. Besonders den Klimmhang schafft aufeinmal jeder dreimal so lange wie im Training, die 3km Ergometer doppelt so schnell.
Danach schnell duschen, umziehen und zum Sanitäts-Prüfgespräch anmelden. Vorher noch schnell die Stube räumen, den Koffer im Keller vom AC abstellen und auf in den zweiten Stock.

10:45 - Anmeldung zum San-Gespräch
Zunächst erst einmal ganz viele Zettel ausfüllen und unterschreiben. Macht auf jeden Fall von eurem Anspruch auf Widerruf Gebrauch. Den müsst ihr zwar als SanOA recht schnell abgeben (nämlich sobald es um die Studienplätze geht, also ca. 2 Wochen in der GA), aber das ist besser als nichts und wer möchte kann auch ein Semester warten mit dem Studienbeginn, um sich die BW nochmal ganz genau anzuschauen.

Danach - Sangespräch
Hier kommt für alle, die es bis hierhin geschafft haben, nocheinmal der Riesenschlag mit dem Hammer. Das Gespräch ist lang (meins dauerte fast eine Stunde), anspruchsvoll und kräftezehrend. Denn jetzt geht es um eure Motivation und natürlich die Studieneignung. Ihr führt ein Gespräch mit einer der beiden Bundeswehrärztinnen.
Die ersten 5 Minuten werdet ihr kurz über eure Motivation ausgefragt, bei mir kam die natürlich durch die Vorerfahrung in der Notfallmedizin. Bestehendes Wissen, dass ich unbedingt vertiefen und verbreitern wollte. Auch hier könnt ihr das Gespräch wieder lenken: Ich schwärmte von der Faszination von Physiologie und Pathophysiologie, wie das Herz schlägt und wie ein Herzinfarkt geschehen kann. Darauf schlug sie natürlich gleich an und fragte mich, was denn ein Herzinfarkt sei, wie er entstünde, wie die Therapie präklinisch und klinisch ist, welche Labormarker es gibt und vieles mehr.
Durch meine Ausbildung konnte ich hier natürlich mit fundiertem Wissen glänzen und wir haben uns zeitweise sogar auf Augenhöhe über neueste Erkenntnisse der Notfallmedizin unterhalten (ein interessiertes Nachfragen meinerseits zu einem Sachverhalt führte dazu, dass sie mir das schnell erklärte. Konkret ging es darum, dass nach neuesten Studien eine Insufflationstherapie mit Sauerstoff bei Verdacht auf Herzinfarkt und guten B-Verhältnissen nicht mehr durchgeführt werden sollte und warum).
Bei Biologie dürft ihr euch ein Thema aussuchen, über das ihr kurz referiert. Ich wählte die Proteinbiosynthese, die ich vorher natürlich bis zum Erbrechen gelernt hatte. Hier gilt: Tief ins Detail gehen, gezielt Fachbegriffe einsetzen, dann steht ihr gut da.
Wir gingen noch auf ein paar Oberflächlichkeiten der Chemie ein (Puffersysteme, pH-Wert) und wo man das am Menschen findet (pH-Wert des Blutes, Bicarbonat-Puffer) und danach war, nach ein paar Fragen zu meinem Lernverhalten (genau wie der Psychologe), mein Gespräch auch schon vorbei.
Die 5 Minuten, die ich vor ihrem Büro saß um auf ihr Ergebnis zu warten waren wohl die längsten meines Lebens.
Sie bat mich wieder herein und eröffnete mir die Studieneignung ohne Bedenken. Das war zwar das, womit ich am wenigsten gerechnet hatte, dafür freute ich mich umso mehr über das Ergebnis.
Auch hier dürft ihr wieder Feedback zu bisher geleistetem erfragen: Ich bekam mitgeteilt, dass ich im SanTest an der Spitze des oberen Drittels war. Zudem empfahl sie mir bis zum Studienbeginn ordentlich die Grundlagen Physik/Chemie/Biologie zu pauken.

14:00 - Der Einplaner

Nachdem all dies hinter mir lag empfand ich tiefe Zufriedenheit. Ich setzte mich erneut in den Warteraum und rechnete damit gleich auf die Warteliste zu kommen. Kurz danach wurde ich von einem sehr freundlichen jungen Leutnant abgeholt, der mir in seinem Büro eröffnete, dass ich es im Ranking tatsächlich in den Bereich der Sofortzusage geschafft hatte. Er fragte mich noch, welche Uniform ich gerne tragen würde, dann wurde der Bescheid ausgedruckt.
 Es gab die bekannte Urkunde, die Uhr, eine Unterschrift und damit war ich fertig und angehender SanOA.
Ich wartete noch auf die 2 Damen, die nach mir dranwaren, da man beim Warten auf das SanGespräch doch eine recht tiefe Kameradschaft schafft. Auch die beiden schafften es in den Bereich der Sofortzusage.
Wir holten zusammen unsere Sachen aus dem Keller und verliessen - voller Hochgefühl - das Gelände der Mudrakaserne um die Heimreise anzutreten.

Die Zeit in Köln verging wie im Flug und zeichnete sich durch Aufregung, der Angst man könnte jederzeit nach Hause gehen, aber Erfolgsmomenten aus.
Ich bin jetzt - nach zwei Monaten - immer noch überglücklich über die Zusage und kann es manchmal immer noch gar nicht fassen.

Ich drücke allen, die noch nach Köln wollen oder müssen, oder gerade ihre Bewerbung vorbereiten, ganz dolle die Daumen. Es ist tatsächlich zu schaffen.
Ich hoffe, dass die eine oder andere Frage geklärt werden konnte.

Zusammenfassend noch ein paar Grundsätze:
- Sammelt Informationen. Lest alles was ihr über Medizin, die Bundeswehr oder Medizin bei der Bundeswehr in die Finger kriegt
- Übt. Für den San-Test, den Sporttest und das Prüfgespräch ist Vorbereitung dein bester Freund.
- Lasst euch nicht stressen. Wer sich stressen lässt macht Fehler. Gilt in der Medizin, gilt auch in Köln.
- Seid immer ehrlich. Alles andere bekommen die raus, glaubt es mir.

Viel Erfolg!

Die Nachtschicht ist vorbei, alle Patienten versorgt und der Bericht fertig. Mit diesen Worten, Gute Nacht  ;D
Gespeichert

jolinar

  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 13
Antw:Erfahrungsbericht ACFüKrBW 12/15 (San)
« Antwort #3 am: 11. Februar 2016, 17:57:22 »

Danke für die Erwähnung, Jonas, das Kompliment für den lesenswerten Bericht gebe ich gerne zurück. Sehr informativ! :)
Gespeichert
 

© 2002 - 2018 Bundeswehrforum.de