Warum sollte ein Spezial-HG eingestellt werden, ordentlich kassieren und eine ZAW bekommen? Weil er in deinem Bsp. 32 ist?
Moment, das "ordentliche Gehalt" hab ich absichtlich nicht näher definiert. Ein SaZ 12 HG/SG sollte in der hinsicht ordentlich kassieren, dass sein Gehalt ein ausreichender Anreiz für eine Einstellung in diese Laufbahn ist. Das bedeutet nicht, dass er am Ende so viel verdienen muss wie ein HFw.
Warum bekommt ein Offizier ein Studium? - Weil er sich für 13 Jahre in seiner Laufbahn verpflichtet.
Warum sollte denn ein Feldwebel eine ZAW bekommen? - Weil er sich in seiner Laufbahn für 12 Jahre verpflichtet.
Und warum sollte dann ein SaZ 12 Mannschafter keine ZAW bekommen? - Da könnte man nur argumentieren, dass er im Äquivalent als Mannschafter nicht "auf Gesellenebene" eingesetzt wird und deshalb auch keinen Berufsabschluss braucht. Ok, aber man könnte ihm beispielsweise als Gegenleistung angemessene Mittel aus dem BFD-Topf zusprechen. Übrigens wird doch bei der aktuellen Anwerbung von Mannschaftern nichts anderes gemacht: Die Bundeswehr hat erkannt, dass sie ein Prämiensystem einführen muss um diese Laufbahn attraktiv zu machen und testes gerade mit zaghaften Schritten Möglichkeiten auf diesem Gebiet aus.
Mir geht es doch nur um folgendes: Warum konnte früher ein Uffz eine Gruppe führen und heute brauchen wir dafür einen Hauptfeldwebel? Es gibt bei uns eine Dienstgradinflation und die führt eben dazu, dass wir in den meisten Bereichen kaum noch eine pyramidenförmige Dienstgradstruktur haben. Normal wäre: Viele Mannschafter, weniger Unteroffiziere, weniger Offiziere. Was wir haben ist: Kaum Mannschafter, Kaum Unteroffiziere (die heutzutage sowieso zu "besseren Mannschaftern" degradiert wurden), viele Feldwebel, viele Offiziere und sehr viele Stabsoffiziere (überspitzt ausgedrückt).
Deshalb sage ich: Ne gesunde Dienstgradstruktur fängt damit an, dass wir Mannschafter nicht nur für bestenfalls vier, maximal sechs Jahre ausbilden und sie dann weiterschicken, sondern dass wir ihr Know-How längerfristig nutzen. Und dann sollte auch ein 30-jähriger SG z.B. als Scharfschütze eingesetzt werden können ohne dass man sagt: "Wenn man bis in diese Altersbänder Soldat bleiben möchte, dann MUSS man in höhere Laufbahnen wechseln". Und eine solche Weiterentwicklung der Laufbahn fängt u.a. damit an, dass man dem Soldaten ein Gehalt in Aussicht stellt, bei dem er sich denkt: "Ok, ich kann das als Beruf ausüben und in einigen Jahren meine Familie damit ernähren" und nicht "Ich geh jetzt für ein paar Jahre zum Bund um ein paar Öcken zu verdienen und dann mach ich nen richtigen Beruf". Auch SaZ 12 Mannschafter kann in meinen Augen ein richtiger Beruf (nicht i.S.v. abgeschlossene Berufsausbildung) sein, aber dafür muss die Laufbahn eben aufgewertet werden. Das Gleiche gilt auch für die Uffz-Laufbahn, aber beide Laufbahnen wurden bisher immer nur kontinuierlich abgewertet.
Warum soll jemand, der nichts vorzuweisen hat für 20+ eingestellt werden und Helikopter fliegen, wenn ein anderer erst ein Abi mit 1 braucht oder ein Studium abzulegen hat?
Gute Frage. Gegenfrage: Der Erwerb eines Pilotenscheins ist (außerhalb der großen Fluggesellschaften) nicht an irgendeinen Schulabschluss gekoppelt. Eine Pilotenausbildung ist weder eine Berufsausbildung und erst Recht kein Studium. Warum sollten wir uns also in einer fliegenden Staffel round about 40 Offiziere leisten, wo doch gerade mal eine handvoll von denen eine Vorgesetztenfunktion wahrnimmt und, ausgehend von SaZ 15 Piloten, jemals wahrnehmen wird? In einem Schwarm fliegen: sechs "einfache" Piloten + stv. Schwarmführer + Schwarmführer. In der nächsthöheren Organisationseben kommt dann noch der Staffelkapitän und sein stv. dazu.
Es erscheint dir also nicht unvorteilhaft, dass pro Staffel 24 Offiziergehälter gezahlt werden für eine Tätigkeit, die nicht mal das Äquivalent einer Berufsausbildung darstellt? Warum wird es dann in unserer Armee trotzdem gemacht? Ganz einfach um ein absolutes Mindestmaß an Konkurrenzfähigkeit der militärischen Fliegerei der zivilen Fliegerei gegenüber aufrechtzuerhalten. Man könnte selbstverständlich auch einen Feldwebel zum Hubschrauberpiloten ausbilden. Man hat es ja auch in unserer Armee tatsächlich gemacht! Bis vor wenigen Jahren konnte man vereinzelt OStFw sehen, die noch aktive Piloten waren. Mittlerweile ist diese Laufbahn natürlich ausgestorben. Und warum? Weil in der Bundeswehr das Geld so strikt an den Dienstgrad gekoppelt sind, dass man zur gehaltsmäßigen Aufwertung eines Dienstpostens die STAN anpassen muss.
"Hubschrauberpiloten sollen mehr verdienen? Dann dürfen ab jetzt keine Uffz mehr fliegen, sondern nur noch Offz. Das Gehalt reicht immer noch nicht, um die Laufbahn im Vergleich zur zivilen Fliegerei attraktiv zu halten? Dann verkürzen wir eben die Mindestbeförderungszeiten für Piloten um jeweils 0,5 Jahre. Reicht immernoch nicht? Lasst uns die Zulagen erhöhen."
Und damit zurück zur ursprünglichen Frage: Warum brauche ich in einer Staffel zwei Dutzend Offiziere ohne Führungsverantwortung, wenn ich stattdessen auch Feldwebel fliegen lassen könnte, solange das drumherum stimmt? Folgendes ist jetzt nur eine Gedankenspielerei, aber so sehe ich grundsätzlich die Prinzipien anderer Staaten und ich sehe nicht, warum das bei uns nicht auch klappen sollte:
Fliegender Offizier: Verpflichtungszeit 20 Jahre und Absolvieren eines Studiums.
Fliegender Uffz: Verpflichtung für 12 Jahre ohne Studium
Fliegender Mannschafter: Verpflichtung für 10 Jahre.
Natürlich unterscheiden sich die Laufbahnen dann auch inhaltlich. Der Mannschafter kriegt ne neunmonatige allgemeinmilitärische Ausbildung, danach eine hochwertige Pilotenausbildung, Flugstunden und damit einen Anreiz für diese Laufbahn.
Fliegende Uffz kriegen nach einigen Jahren noch die Kommandantenausbildung und werden, bei Eignung, stv. Schwarmführer.
Alles was darüber hinausgeht wird Offz.
Du sprichst dann noch von der Bestenauslese im Zusammenhang mit "Abi mit 1". ich meine, dass sich interessierte Abiturienten sowohl für eine solche Offz-Laufbahn, als auch für eine solche Mannschaftslaufbahn finden ließen, SOFERN die Anreize richtig gesetzt werden. Um Hubschrauber zu fliegen muss man kein Führer sein, also muss man kein Feldwebel/Offizier sein. Auch will nicht jeder Abiturient studieren, manche wollen das überhaupt nicht, andere wollen vielleicht auf die UniBw verzichten und stattdessen mit dem BFD an einer Uni ihrer Wahl studieren.Und ich denke wir wissen auch alle, dass nicht jeder Abiturient Offizier werden möchte, weil er darin ne reine Schreibtischtätigkeit sieht. Manche wollen auch nicht Feldwebel werden, sondern möchten aus welchen Gründen auch immer keine Vorgesetztenfunktion wahrnehmen. Das macht sie aber nicht ungeeignet für die Ausübung von Fachverwendungen wie dem Fliegen eines Luftfahrzeugs.
Jedenfalls hast du dann eine sinnvolle Dienstgradstruktur, musst aber natürlich gewährleisten, dass die Gehälter der Dienststellung entsprechend. Das bedeutet: Mann kann natürlich Gehaltsgefälle Offz - Uffz - Mannschafter beibehalten, aber bitte nicht so, dass der Mannschafter unterirdisch wenig kassiert. Und voila, schon hast du einen Bereich, in dem du nicht ausschließlich Cappos hast, wo du keine brauchst. Nochmal: In anderen Armeen funktioniert es, nur bei uns nicht. Was bei uns aber ganz toll funktioniert ist der Aufbau von Wasserköpfen und der spätere Abbau selbiger auf Kosten des Steuerzahlers. Die aktuellen Strukturen sind schlichtweg so festgefahren, dass die Meisten sich gar keine anderen Möglichkeiten mehr vorstellen können.
Und dabei ist es übrigens nicht gerade hilfreich, dass federführend für unsere Besoldungsordnung das Innenministerium ist, das jedes Mal auf die Barrikaden geht wenn irgendjemand es wagt, eine Lösung der Kopplung der Beamtengehälter an die Soldatengehälter zu fordern....
PS.: Nochmal ganz kurz...
Warum soll jemand, der nichts vorzuweisen hat für 20+ eingestellt werden und Helikopter fliegen, wenn ein anderer erst ein Abi mit 1 braucht oder ein Studium abzulegen hat?
ich weiss das ist jetzt n sehr spezieller Fall, weil die Fliegerei doch nur einen kleinen teil der Bundeswehr ausmacht, aber folgendes Beispiel: Du hast eine STAN, die Mannschafter, Unteroffiziere und Offiziere als Piloten ermöglicht. Du hast dein Einstellungssoll an Offizieranwärtern LFFA bereits fast erfüllt, hast aber noch ein paar Mannschaftsstellen LFFA frei. Bewerber A hat ein 1,5 Abi und in der Fliegerpsychologie "C", Bewerber B hat Mittlere Reife mit 2,0 aber in der Fliegerpsychologie "A". Da es hier um eine Mannschaftsstelle geht, bringt dem Bewerber A sein Abi nicht die Bohne, da Bewerber B die fachspezifischen Anforderung sehr viel besser erfüllt.
In diesem speziellen Fall (der aber garnicht so speziell ist, da ein ziviler Pilotenschein eben kein Abitur erfordert) fängt Eignung nicht dort an, wo der eine Bewerber den besseren Schulabschluss vorweisen kann. Es ist eben nur in unserer Armee so.