Dann möchte ich als Threaderöffner auch nicht mit einem Erlebnisbericht zurückstehen. Es war ein sonnig-nebliger Novembertag im November 1998, als ich in meiner Ausbildungsbatterie (Heeresflugabwehr) antreten musste, dennoch kann ich mich quasi an fast jede Einzelheit dieses Tages erinnern. Ich und Bundeswehr, das konnte ich mir eigentlich so garnicht vorstellen und der Einberufungstermin war ja eigentlich noch so lange hin, rückte dann aber unaufhörlich und scheinbar immer schneller näher, bis der Einberufungstag dann da war. Noch ein kurzes gemeinsames Frühstück mit meiner Frau (ich habe nach einer fast schlaflosen Nacht so gut wie keinen Bissen runterbekommen) und ab ging es Richtung Kaserne. Einen PC hatte ich damals noch nicht und das Internet steckte ja bekanntlich gerademal in den Kinderschuhen (wie sehr ich die heutigen Wehrpflichtigen da doch beneide), daher hatte ich als einzige Informationsquelle die üblichen Schauergeschichten, die einem Kollegen, Freunde und Bekannte erzählt haben, begleitet natürlich mit den besten Wünschen; z. B. hat mir einer erzählt, dass die Einkleidung komplett "im Laufschritt" erfolgen würde und man während der Wartezeit im Stehen weiterlaufen müsse...

Aber damals wusste ich das natürlich noch nicht, hörte sich zwar unwahrscheinlich an, aber dennoch war mir schon recht mulmig, zumal ich auch nicht der Sportlichste war und mir klar war, dass gerade beim Bund es auch auf körperliche Leistung ankommen würde.
Weit zu fahren hatte ich nicht, nur ca. 35-40 km waren es von meinem Wohnort zur Kaserne mit dem Auto. Auf dem halben Weg und das weiß ich noch ganz genau, klingelte mein Handy und dran war mein Vater, der mir ausdrücklich nochmal "Alles Gute" wünschen wollte und auch noch einen super Tipp für mich auf Lager hatte: Ein Kollege hätte ihm erzählt, man solle in den nächsten Tagen nicht "dumm auffallen." Welch ein Welttipp, das hatte ich eigentlich nicht vor, beruhigte meine Aufregung aber nicht wirklich. Die 40 km vergingen insgesamt wie im Flug, es kam mir irgendwie alles vollkommen irreal vor. Heute lache ich darüber, aber damals sah ich das nicht so locker.
Also stand ich dann um 12 Uhr (14 Uhr sollte ich da sein) mit meinem Auto vor dem Kasernentor auf dem Besucherparkplatz. Ich blieb noch einen Moment sitzen und dachte dann "Hmmmm, da sollst Du jetzt reingehen?" Na gut, ich hätte ja auch verweigern können, also hatte ich jetzt keine andere Wahl gehabt. Ich schnappte mir dann meine Sachen und ging dann zum Tor. Nach Kontrolle des Personalausweises und des Einberufungsbescheides ließ man mich passieren und ich ging dann den gut ausgeschilderten Weg zum Batteriegebäude. Als ich reinging, war keiner da... Der Schwung, der bis 12 Uhr da sein sollte, in der Kantine, wie sich später herausstellte und der Rest noch nicht da. Irgendwie schien dort überhaupt nicht viel los zu sein, die waren wohl alle zu Tisch. Also, wieder nach kurzem Warten zum Geschäftszimmer und mich dort bei einem Geschäftszimmersoldaten, einem OG, gemeldet. Dann kam der Spieß aus dem Nachbarzimmer rein und er musterte mich von oben bis unten mit einem grimmigen Grummeln, allerdings ohne ein Wort zu sagen. Ich versuchte, die Situation zu entspannen, indem ich ihn mit "Guten Tag" begrüßte und ihm die Hand geben wollte. Da schnautze er zurück, er werde mir bestimmt nicht die Hand geben, wir seien hier schließlich bei der Bundeswehr und ich werde mich an die militärischen Umgangsformen wohl noch gewöhnen müssen. Toll dachte ich, kaum hier, schon dumm aufgefallen. Auf einmal steckte ein SU den Kopf herein und fragte, ob der erste Zug nun vollständig sei. "Nein, den hier können Sie noch mitnehmen", polterte der Spieß. Der Gruppenführer nahm mich also mit und wie die Zukunft zeigen sollte, war es eine gute Wahl, so früh dagewesen zu sein, denn der erste Zug war etwas entspannter als der zwote Zug.
Der Gruppenführer brachte mich dann auf meine zukünftige Stube, wo ich mir dann Spind und Bett aussuchen durfte und dann auf die anderen Kameraden gewartet habe, die dann vom Essen zurückkamen. Danach wurden einige grundlegende Dinge sowie der weitere Ablauf des Tages erzählt. Über das Tempo der "Einschleusung" war ich sehr überrascht: Wir wurden an diesem ersten Tag noch komplett eingekleidet, nicht nur Schlumpftarn, sondern auch die Uniformen, es gab noch die oliven Teile. Auch der Spindaufbau wurde, nach dem ersten Abendessen in der Kaserne (Handpizza sowie das übliche Brot) noch vollständig perfektioniert, nachdem uns das gezeigt wurde. Hier habe ich dann das erste Mal das Falten der Hemden auf DIN A4 kennen- und auch hassen gelernt...

Gegen 23:30 Uhr wurden wir alle in Uniform herausgerufen und dann gings das erste Mal im Zugrahmen zum U-Raum, wo sich der KP-Chef, Spieß, ZgFhr sowie GrpFhr vorstellen. Gegen 00:15 Uhr waren wir dann wieder auf der Stube und der erste Zapfenstreich wurde ausgerufen. Die Nacht war natürlich nicht wirklich erholsam, ich wachte ständig auf mit dem Gedanken, gleich den Weckruf zu hören. Dieser kam dann auch um 05:15 Uhr in Form eines langgezogenen Trillerpfeifenpfiffs (jaja, die gute alte Trillerpfeife...

) und ein "EEEEEEEEERSTEEEEEEEEEER ZUUUUUUUUUUUUUG AUUUUUUUUUUUUFSTEEEEEEEEEEEHN!!!!!!"
Antreten in Schlumpftarn war das Motto, vorher natürlich Körperpflege und dann im Zugrahmen zum Frühstück, 30 Minuten Zeit, danach dann Vollzähligkeit und dann "IN DEN LIEGESTÜTZ FALLEND", wie sehr wir dieses Kommando die nächsten Wochen "liebten"...

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Einstellungsuntersuchung, die auch alle an diesem Tag durchliefen, nichts aufregendes halt. Zwischendrin wurde in der Wartezeit immer wieder Dienstgradabzeichen gelernt. Abends stand dann der erste Unterricht beim Batteriechef auf dem Dienstplan, wo wir alle schon in "Feldanzug Grundform" saßen. Da alles so reibungslos geklappt und vor allem schnell geklappt hat, wie der Batteriechef lobend erwähnte, sollte am nächsten Tag schon in die Waffenausbildung eingestiegen werden. Dienstschluss war gegen 21:30 Uhr.
Am dritten Tag ging es dann mit Unterricht auf Stube in der Gruppe los, "das Gewehr G3". Und da ja nach der Theorie bekanntlich die Praxis folgt, ging es dann gleich auf die Kasernenwiese. Gewehr zerlegen und zusammensetzen (nicht bauen: "Seid wann können Sie Gewehre bauen" bekam man dann zu hören

). Das ging dann auch den ganzen Tag, unterbrochen von der Mittagspause, die für mich aber leider mehr oder weniger ausfiel: Ich musste auf die Gewehre aufpassen und als ich dann mit Essen drangewesen wäre, stimmte der Schuhputz nicht. Also ab auf die Stube und "verbessern". Als der Schuhputz dem GrpFhr dann gefiel, war die Pause um und ich ziemlich angefressen...

Abends dann noch G3-Unterricht beim ZgFhr im U-Raum und gegen 21:00 Uhr Dienstschluss.
Die Woche lief dann so weiter, Donnerstag G3, diesmal mit "erschwerten Bedingungen" wie auf dem Rücken liegend, mit verbundenen Augen, ihr kennt das sicherlich alle. Freitag war dann PFT und am Samstag bis 12 Uhr Dienst, der Sonntag war frei und der Zapfenstreich auf Montag 01:00 Uhr festgesetzt, was auch die gesamte AGA so blieb; es sollte allerdings der erste und auch der letzte dienstpflichtige Samstag in dieser AGA bleiben und Freitags war immer um spätestens 12:00 Uhr Schluss.
Was ich zurückblickend sagen muss, dass es bei der Heeresflugabwehr eine sehr humane AGA war: Wenig Sport, KEINE HiBa, wenig "Dummfick" und nach gut 6 Wochen war mit der Rekrutenbesichtigung auch schon alles vorbei, war noch eine Zweimonats-AGA und durch Weihnachten noch kürzer.