Hallo Ranger90!
Wie ich sehe wurde deine Frage noch nicht beantwortet. Das dürfte daran liegen, dass es kaum Reserveoffizieranwärter gibt! In meinem Jahrgang sind es ca. 20, ich habe am 1.7.2010 angefangen und scheide nun zum 30.6. diesen Jahres als Fähnrich aus.
Nun zu deiner Frage: Ja, wie ist das denn so als ROA? Seit meinem Jahrgang starten die ROA´s wie der normale OA in einem der drei OA-Bataillone (Hammelburg, Idar-Obertein oder Munster) und bekommen dort die 6-monatige Grundausbildung eines jeden Offizieranwärters. Diese ist mittlerweile meiner Erfahrung nach sogar härter und fordernder als die "normale" 3-monatige AGA anderer Laufbahnen. In diesen 6 Monaten liegt der Schwerpunkt auf der Gefechtsdienstausbildung und darauf, den Soldaten an körperliche Extremsituationen heranzuführen und ihn dazu zu bringen, unter diesen Bedingungen einen möglichst klaren Kopf zu bewahren. Persönlich bringt einen das auf jeden Fall weiter. Man kommt an seine Grenzen, lernt in der Gruppe gemeinsam Situationen durchzustehen und schnuppert erste Führungserfahrung (der OA/ROA soll von Anfang an daran gewöhnt werden, frei vor Menschen zu sprechen und Entscheidungen zu treffen).
Anschließend geht es weitere knapp 6 Monate an die Offizierschule in Dresden. Hier werden der OL 1 und der OL 2 direkt hintereinander besucht (Offizierlehrgang 1 und 2). Der Schwerpunkt liegt in dieser Phase der Ausbildung auf Taktik, Politischer Bildung, Wehrrecht und Militärgeschichte. Die Hörsaalleiter und Vorgesetzten sind sehr kompetent, man lernt sehr viele andere OAs und ROAs kennen und hat sicherlich die komfortabelste Wohnsituation (Einzelstuben) in seiner 2-jährigen Dienstzeit. Zudem ist Dresden eine wunderschöne Stadt, die sich zu allen möglichen Aktivitäten hervorragend eignet. Egal ob feiern, gut essen gehen oder Freizeitaktivitäten, hier hat man definitiv eine schöne, wenn auch gegen Ende der Lehrgänge recht lernintensive Zeit. Wenn man sich im Lehrgang "OL 1" sehr gut anstellt, bekommt man außerdem mit Glück die Möglichkeit, eine 1- bis 2-wöchige Austauschreise an eine der Offizierschulen im Ausland (diverse Länder aller Kontinente) zu machen. Ich persönlich hatte die große Ehre, im April 2011 10 Tage bei der US Army zu verbringen, was mit Abstand das beste Erlebnis meiner Bundeswehrlaufbahn war, und wofür ich dieser Armee immer dankbar sein werde!
Ansonsten sage ich hier: Dresden bringt einen persönlich in Sachen "Menschenführung" und "Allgemeinbildung" weiter, ist aber in erster Linie eine super Stadt und eine sehr spaßige Zeit!
Ausbildungsabschnitt 3 eines ROAs sind die truppengattungsspezifischen Lehrgänge, die je nach Verwendung sehr stark variieren. In meinem Fall muss ich gestehen: Die Lehrgänge haben mir weder fachlich noch persönlich besonders viel geholfen. Das liegt aber zugegebenermaßen daran, dass ich meine Wunschverwendung als Gebirgsjäger aufgrund der T2-Musterung nicht bekommen habe.
Seit Januar 2012 bis Ende Juni bin ich nun in meiner neuen Stammeinheit (in die ich Mitte 2011 bereits reingeschnuppert habe) als Gruppenführer eingesetzt und bilde die Soldaten meines Zuges und teilweise auch verschiedene Lehrgänge mit Soldaten anderer Kompanien aus. Das macht alles sehr viel Spaß und bringt mich zwar fachlich kein bisschen für das zivile Leben weiter, ist aber eine einmalige Erfahrung und persönlich sicher ein extrem charakterprägender Lebensabschnitt.
Die Ausbildung zum Reserveoffizier ist also praxiserfüllter als die eines normalen OA, der bereits nach 15 Monaten ins Studium geht. Es hängt stark von der Truppengattung ab, was genau man ausgebildet bekommt. Fakt ist aber: Die Ausbildung bringt die eigene Persönlichkeit enorm weiter und prägt! Ich persönlich kann die Laufbahn nur empfehlen.
JA, ich hätte auch die Möglichkeit gehabt meine Dienstzeit um 11 Monate zu verlängern. Dabei wäre ich auf den Einzelkämpferlehrgang gegangen und hätte möglicherweise auch einen Einsatz mitnehmen können.
Ja, man erfährt als ROA Akzeptanz in der Truppe, obgleich man es als Offizieranwärter welcher Art auch immer stets schwerer hat als der normale Soldat. Wenn man sich aber gut anstellt, dann (so ist meine Erfahrung) wird man auch respektiert und findet neue Freunde in anderen Laufbahnen.
Ja, ich würde die Reserveoffizierlaufbahn noch einmal wählen, wenn ich nochmal die Wahl hätte.
Zum Thema "Was bringt mir das bei Bewerbungen?" kann ich noch nichts sagen, da ich noch 3 Monate aktiver Soldat bin.
Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick gewähren und habe deine Fragen zur Zufriedenheit beantwortet.