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Autor Thema: Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch  (Gelesen 835 mal)

Sebastian15

  • Gast
Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« am: 31. Dezember 2017, 16:20:17 »

Guten tag liebe Forengemeinde.

Mein name ist Sebastian, 15Jahre, bald 16 jung und ich bin momentan in der 9.klasse Realschule.
Wie es aussieht, werde ich wenn alles gut geht, die Realschule 2019 beenden.
Jetzt haben wir über die Weihnachtsferien die Aufgabe bekommen, ein Referat über unseren zukünftigen Berufswunsch auszuarbeiten. Mein Berufswunsch geht, unschwer zu erraten, in richtung BW. Dabei habe ich allerdings nicht unbedingt so Dinge wie "Wie werde ich Fallschirmjäger/Scharfschütze/Jetpilot/Kampfschwimmer/KSK-Soldat"
usw im Kopf, sondern eigentlich ganz nüchtern betrachtet, Verwaltung, IT, Logistik oder dergleichen. Sanitätsdienst ist nicht wirklich mein Ding, das klammer ich schonmal aus! Allerdings reizen mich auch gewisse Infanteristische dinge, das muß ich für mich aber nochmal gründlich durchdenken und evtl in der Grundausbildung herrausfinden.
Körperliche vorrausetzungen erfülle ich, da bin ich mir eigentlich sicher. Kein übergewicht (73KG bei 182CM), keine bekannten Krankheiten oder sonstige Körperliche auffälligkeiten. Sportlich stehe ich in meinem umfeld weit über den allermeisten meiner Altersstufe. Psychologisch wird zu gegebener zeit der Einstellungstest der BW Klären ;)
Viele, sehr viele "Dinge" konnte ich für mich schon im Internet herrausfinden. Auch dank Youtube-Serien wie "Die Rekruten".
Aber, eben nicht alles, was ich wissen möchte. Zumindest nicht einwandfrei.

Ich habe schon bei dem für meinen Wohnort zuständigen Karierrecenter (doofes Wort!) angefragt, dort würde man mir gerne einen Beratungstermin geben. Allerdings
währe dieser NACH abgabetermin meines Referates, hingehen werde ich aber trotzdem. Informationen kann ich nicht genug bekommen.

Vlt. ist ja die ein oder andere "Doofe" Frage oder ungeschickte formulierung dabei, ich entschuldige dieses mal mit meiner unwissenheit.

Frage 1:
Vorraussetzung bei dieser Frage ist natürlich, ich schaffe meinen Realschulabschluß und Bewerbe mich mit diesem.
Wie ist das mit dem thema Berufsausbildung denn nun wirklich? Im internet liest man viel, vor allem Aussagen von Leuten die mal was "vom Freund des Nachbarn vom Kollegen dessen Bruder" gehört haben...
Ist es GRUNDSÄTZLICH besser, VOR dem Eintritt in die BW eine zivile Ausbildung zu absolvieren? Wie ist das beim Bund? Kann ich dort als Zeitsoldat generell eine Zivil anerkannte Ausbildung durchlaufen, oder eher doch nicht? Oder nur in ganz bestimmten Bereichen? Ist das an Dienstjahre gekoppelt?
Das System Berufsförderungsdienst (heißt der so?) habe ich auch noch nicht ganz kapiert. Was fördert der? Nur nach dem Ende der Dienstzeit, oder schon währenddessen?
Bitte erkläre mir einer den begriff "Übergangsgebührnisse", der überfordert mich irgendwie...

Frage 2:
Eigentlich etwas, was ich komplett nicht verstehe...
Stichwort Private Ausrüstung. Ich lese auch hier im Forum immer wieder von "Privat beschaffter Ausrüstung". Warum Privat beschafft? Was soll sowas? Das fängt bei so relativ Harmlosen sachen wie Stiefeln an, und hört bei Schusswesten und Helmen auf. Stellt Die BW das nicht zur verfügung? Oder ist die Qualität so schlecht, das man privat versorgt doch auf der sichereren seite steht??? Bei Socken/Unterwäsche kann ich das ja noch nachvollziehen, aber beim rest?
Wird das "nur" gedultet oder ist das sogar erlaubt oder erwünscht? Warum machen Soldaten das?

Frage 3:
Muß ich als Soldat unbedingt in der Kaserne wohnen? In der Grundausbildung ist das ja wohl klar, wohl auch während Lehrgängen, aber generell? Wie ist das mit eigener Wohnung?

Frage 4:
Hat man einfluss darauf, wo man eingesetzt wird, als was, also welcher art von Posten man bekommt?
Darf man bei der Entfernung zum Heimatort mitreden?

Frage 5:
Diese Frage ist mir persönlich am wichtigsten!
Wie geht man als Soldat mit der nicht vorhandenen anerkennung durch die Deutsche Bevölkerung um? Ich kenne das aus USA, da ist das komplett, aber wirklich KOMPLETT unterschiedlich. Ich bemerke hier am Bahnhof immer wieder, das Soldaten in Uniform teilweise doch arg schief angeschaut werden. In den USA habe ich mehrfach erlebt, wie Soldaten am Flughafen mit applaus empfangen werden.  Wie geht man damit um? Wird man da in irgendeiner weise trainiert?
Als Soldat würde mich das  (!von meinem momentanen Standpunkt aus!)  doch wohl arg belasten.

Das sind so die brennensten fragen, die ich im moment noch habe.

Ich würde mich sehr freuen, diese fragen von Soldaten hier aus dem Forum beantwortet zu bekommen. Ich freue mich über jeden konstruktiven Beitrag. Leider habe ich im Familien/Bekantenkreis niemanden, der bei momentan bei der BW ist und der mir aktuelle informationen geben könnte. Mit Aussagen "Ja, damals..." oder "Also zu meiner Zeit..." kann ich verständlicherweise nicht ganz so viel anfangen.

DANKE
Sebastian
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S1NCO

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #1 am: 31. Dezember 2017, 16:44:30 »

Frage 1:

Ist ein persönliches Ding. Sicherlich wird die zivile Ausbildung dich charakterlich weiterbringen.
Wenn du jetzt aber Industriekaufmann lernst, mit 20 als Feldwebelanwärter eintrittst, 12 Jahre als Fallschirmjäger dienst, dann musst du danach gut ranglotzen dass du mit der Ausbildung (wieder) was anfangen kannst.

Als Feldwebel im Fachdienst, besteht die Möglichkeit eine Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung zu absolvieren (ZAW).
Dies kann z.B. als IT-Feldwebel eine Ausbildung zum FiSi sein.
Bei einer Laufbahn mit ZAW wird mindestens ein Jahr mehr Dienstzeit gefordert, in bestimmten Verwendungen noch mehr. Also mindestens 9 Jahre (Uffz o.P.), bzw. 13 Jahre (Uffz. m.P.)

Übergangsgebührnisse kriegst du nach deiner Dienstzeit.
Als SaZ 12 wären das 60 Monate.
Ist ein prozentualer Anteil deines letzten Gehalts.
Richtet sich nach deiner Tätigkeit (Schulische Ausbildung, berufliche Ausbildung, Beamtenanwärter oder wieder Vollberuf).

Frage 2:

Kann man pauschal nicht beantworten. Viele Sachen wie Chest-Rigg´s bieten sich schon an.
Die Bundeswehr stellt das erforderliche natürlich zur Verfügung. Für bestimmte Lehrgänge und bestimmte Verwendungen ist es aber komfortabler sich zusätzliche Ausrüstung zu kaufen. Hier wird aber oft diesbezüglich gehatet, wie schlecht die Ausrüstung doch ist. Dem kann ich nicht zustimmen.

Frage 3:

Auf Lehrgängen (Auch Grundausbildung) bist du grundsätzlich zum Wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft (Kaserne) verpflichtet.
Ebenso bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.
Davon kannst du dich aber in deiner Stammeinheit befreien lassen, wenn du dir dort vor Ort eine Wohnung nehmen möchtest.
Kann ich auch jedem nur empfehlen.

Frage 4:

Das klärst du nach erfolgreicher oder nicht so erfolgreicher Eignungsfestellung mit dem Einplaner.

Frage 5:

Wenn ich als Bäcker arbeite, wird mir doch auch nicht jeden Tag gesagt "deine Brötchen sind supergeil".
Ich persönlich kenne keinen einzigen Soldaten dem es belastet, dass Soldaten in Deutschland anders betrachtet werden als in anderen Ländern.
Zumal das in unserem Land nicht nur Soldaten betrifft. Vielleicht schreibt darüber noch jemand anderes mehr.
Aber mich persönlich belastet und interessiert das nur geringfügig.
Wichtig ist dass du einen Job hast der dir was gibt und dem du was gibst.


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S1NCO

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #2 am: 31. Dezember 2017, 16:50:39 »

Nachtrag an Frage 5:

Das ist in Deutschland meiner Erfahrung nach auch je nach Region sehr verschieden.

Während ich in Hannover oder Hamburg auf keinen Fall als Soldat erkannt werden möchte, ist es in Oberbayern/Niederbayern und bayrisch Schwaben sehr angenehm.
Bei der Kriegsgräbersammlung kommt ein kleines Vermögen zusammen und am dritten Haus kollabierst du schon völlig, weil es soviel Kuchen gibt.

Selbst wenn du negative Erfahrungen machst, die Personen haben was gegen die Organisation Bundeswehr, nicht gegen dich als Person.
Ich habe eine Weile lang bei IKEA als Samstagskraft gearbeitet und war dort im Kundenservice eingesetzt. Da wurdest du auch 7h pro Tag an der Reklamation angemault. Die Leute waren aber eben so, weil ihre Hemnes-Kommode in ihren Augen scheiße war und nicht weil sie mich scheiße fanden.

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BSG1966

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #3 am: 31. Dezember 2017, 17:07:44 »

Wenn Sie scharf auf Verwaltung/IT/Logistik sind, würde ich Ihnen sehr sehr raten, Ihr Abitur zu machen. Ihre Ausdrucksweise und das was sich an intellektueller Kapazität andeutet lässt doch die Vermutung zu dass Sie ein vernünftiges Abitur schaffen können. Mit Abitur stehen Ihnen bessere Laufbahnen offen. Auch finanziell.

Frage 1 ist weitestgehend beantwortet.

Zu Frage 2 - hier sind die Gründe sehr sehr verschieden. Es gibt vereinzelt Ausrüstungsgegenstände, in denen die vom Dienstherrn zur Verfügung gestellten nicht optimal sind, wohl aber ausreichend. Manche beschaffen sich Soldaten zusätzlich (einige Taschenlampen oder Uhren oder wasweißich) weil's cool aussieht oder weil's cool ist die zu haben. Beispiel. Ich habe mir eine Stirnlampe besorgt. Es gibt, wenn ich eine benötige, auch eine dienstlich gelieferte. Die ist auch gut. Ich find meine aber besser. Und kann sie zB im Rettungsdienst auch verwenden. Ähnlich verhält es sich mit manchen Rucksäcken, Taschen, etc. pp. - bei Stiefeln scheiden sich die Geister, manche finden die dienstlich gelieferten doof. Bei Bergstiefeln ist es zB so dass die im Flachland nicht zum Ausstattungssoll gehören. Manche finden die aber eben bequemer. Dann müssen sie sich die eben selber kaufen. Ob erlaubt geduldet usw - in der Vorschrift steht da dass die Gegenstände in Form und Farbe den dienstlich gelieferten entsprechen müssen. Stiefel geht also klar. Es sei denn der Disziplinarvorgesetzte befiehlt was anderes, zB "Morgen kommt der Kaiser von China und da tragen alle die dienstlich gelieferten." (zB weil einheitlich, zB weil ich will nciht dass er sieht dass alle sich was eigenes kaufen)

Frage 3 ebenfalls beantwortet

Frage 4 - Einfluss/Mitreden - bedingt ja. Man kann wünschen, man kann Antrag stellen, etc. pp., am Ende wird man aber da eingesetzt, wo der Dienstherr Bedarf hat. Und man unterschreibt, dass wenn der Dienstherr einen in Kiel braucht, man aber selbst in Kempten wohnt, der neue Arbeitsort Kiel ist. Bums aus Nikolaus.

Frage 5 - nun, das hat sich ja nicht von jetzt auf gleich entwickelt. Jeder Soldat wusste das vorher und guckt nicht dumm aus der Wäsche, wenn ihm keiner den A**** küsst weil er ja so geil in der Uniform aussieht. Also kann ich es schwer nachvollziehen wenn das Leute belastet. Es kann natürlich Situationen geben, in denen da eins zum anderen kommt, zB grad in Afghanistan richtig viel Sch**** erlebt und dann auch noch von denen, für die man das macht, nen blöden Kommentar kassiert. Im Großen und Ganzen hab ich es erlebt dass die Leute ihre Arbeit machen und dann is gut. Das wird hingenommen, ein größeres Ärgernis ist es wenn Volksvertreter öffentlich, ich sag mal vorsichtig, bundeswehrferne Haltungen zur Schau stellen. Stichwort Parlamentsarmee.
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Ralf

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #4 am: 31. Dezember 2017, 17:23:13 »

In der Laufbahn der Fachdienstunteroffiziere und der Fw des allgemeinen Fachdienstes ist immer eine Berufsausbildung (bei Fw sogar eine Meisterausbildung) enthalten, wenn man keine Ausbildung mitbringt. Das ist nichts außergewöhnliches, jedes Jahr werden tausende ausgebildet.

Die Mehrheit der Soldaten wohnt außerhalb der Kaserene, also auch nichts außergewöhnliches.

Klar kannst du wegen Verwendung und Dienstort "mitreden", denn du unterschreibst das Angebot, also nimmst es an oder auch nicht.
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TomTom2017

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #5 am: 31. Dezember 2017, 17:45:11 »

Zu Frage 5:

Ich denke, dass hat sich die letzten 10-15 Jahre verbessert, was das Ansehen der Soldaten in der Bevölkerung geht. Als ich 2002/2003 meinen Grundwehrdienst + FWDL geleistet hatte, wurde das noch deutlich kritischer gesehen.
Mittlerweile reift doch bei nicht wenigen Leuten die Erkenntnis, dass die Soldaten, vor allem im Einsatz, eine hohe Opferbereitschaft eingehen. Was man z.B. an einer etwas älteren Studie (2013) erkennen kann:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article121418282/Das-widerspruechliche-Image-deutscher-Soldaten.html

Und wenn (wieder) eine kritische Diskussion über Ausrüstungsmängel bzw. den schlechten Ausrüstungsstand geführt wird (berechtigt oder nicht), dann kann man das positiv dahingehend interpretieren, dass einem das Wohl der Soldaten eben nicht am A**** vorbei geht. Was dann die politische Führung macht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber Jubelstürme wie z.B. in den USA wird es wohl bei uns auf längere Sicht auch weiter nicht geben - dafür sorgt allein schon unsere Geschichte.
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"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann" (Wau Holland)

CIRK

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #6 am: 31. Dezember 2017, 17:46:56 »

Aber Jubelstürme wie z.B. in den USA wird es wohl bei uns auf längere Sicht auch weiter nicht geben - dafür sorgt allein schon unsere Geschichte.

Zum einen sicherlich dass, zum anderen sollten die "Jubelstürme" in den USA auch nicht überbewertet werden, da ist oftmals auch vieles eher "aufgesetzt".
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Sebastian15

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Antw:Allgemeine Fragen zur BW als Berufswunsch
« Antwort #7 am: 06. Januar 2018, 16:49:08 »

Ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen.
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