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Autor Thema: Konzeption der Bundeswehr - Überarbeitet  (Gelesen 397 mal)

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Konzeption der Bundeswehr - Überarbeitet
« am: 07. August 2018, 10:15:30 »

Durch das BMVg wurde die Konzeption der Bundeswehr (KdB) überarbeitet und am 20. Juli 2018 durch die VM'in erlassen.

Da hier im Forum der Schwerpunkt auf "Personal" liegt... Hier Auszüge aus dem Anhang:

"6.2. Personal

Grundsätze

Die Erfüllung der Aufträge und Aufgaben der Bundeswehr erfordert kontinuierlich die
Verfügbarkeit einsatzbereiter Kräfte. Daher stehen die Menschen im Mittelpunkt der
Bundeswehr. Sie sind ihr wertvollstes Kapital. Ihre Qualifikation, Motivation und
Berufszufriedenheit bestimmen maßgeblich die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr.
Die Unvorhersehbarkeit zukünftiger Konflikte und die damit verbundenen Forderungen an
flexible und reaktionsfähige Streitkräfte stellen hohe Anforderungen an die Einsetzbarkeit
des zivilen und militärischen Personals. Je komplexer die Aufgaben in einer zunehmend
differenzierten Welt werden, umso wichtiger werden die individuellen Fertigkeiten,
Fähigkeiten und Erfahrungen der Menschen.
Dem steigenden Bedarf an fachlich qualifiziertem und gesundheitlich einsatzfähigem
Personal stehen in Deutschland künftig immer weniger Menschen mit den benötigten
Qualifikationen, Potenzialen und Kompetenzen gegenüber. Hinzu kommt, dass nach dem
Aussetzen der verpflichtenden Einberufung zum Grundwehrdienst nunmehr für ein
Engagement in der Reserve das Freiwilligkeitsprinzip gilt. Ausschließlich im Spannungs- und
Verteidigungsfall kann auf Wehrpflichtige als Säule der Personalbedarfsdeckung
zurückgegriffen werden. Unter Berücksichtigung dieser Prämissen steht die Bundeswehr im
Kontext der wachsenden und sich ständig ändernden Anforderungen vor der
Herausforderung, in einem bundeswehrgemeinsamen Ansatz die eigenen personellen und
organisatorischen Strukturen, Verfahren und Prozesse demographiefest und anpassungsfähig
gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitgebers Bundeswehr gewährleisten zu
müssen. Das schließt ein gewandeltes Verständnis zum Zusammenwirken von Organisation,
Personal und Ausbildung ein. Die zu erfüllenden Aufgaben und das zur Verfügung stehende
Personal sind maßgeblich bei der Ausgestaltung der Organisation zu berücksichtigen.


Personalstrategie der Bundeswehr

Die Personalstrategie der Bundeswehr bildet den übergeordneten Rahmen für alle
Maßnahmen und Initiativen der Bundeswehr zur Steigerung ihrer personellen
Einsatzbereitschaft sowie ihrer Attraktivität als Arbeitgeber. Mit ihr wird das Ziel verfolgt,
wesentliche Impulse für die Personalbedarfsdeckung und die personelle Einsatzbereitschaft
der Bundeswehr auch in einem sich rasch ändernden Umfeld zu setzen. Maßstab hierfür ist
eine zeit-, fähigkeits- und aufgabengerechte Personalbedarfsplanung, -deckung und
-steuerung mit strategischer Perspektive. Interne und externe Einflussfaktoren setzen zudem
ganz neue Anforderungen an das Ausbildungs-, Bildungs- und Qualifizierungsportfolio des Arbeitgebers.
Die Personalstrategie der Bundeswehr bildet die Klammer für andere laufende Programme
und Initiativen, aus denen sich Forderungen an das Personalmanagement der Bundeswehr
ableiten, wie beispielsweise die Agenda Attraktivität, und stellt dadurch deren Verankerung
als strategische Daueraufgabe sicher. Durch bestmögliche Umsetzung der Programme und
Initiativen der Personalstrategie der Bundeswehr sowie die stetige und nachhaltige
Optimierung der Personalprozesse können alle in Frage kommenden Potenziale des
zukünftigen Personalkörpers der Bundeswehr erschlossen, vernetzt und voll umfänglich ausgeschöpft werden.
Die Personalstrategie der Bundeswehr trägt dazu bei, die Bundeswehr fortlaufend als einen
wettbewerbsfähigen, modernen und attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.

Mittelfristige Personalplanung

Personalumfang und -struktur müssen bedarfsgerecht und nachhaltig finanziert sein und sich
an der Aufgabenerfüllung der Bundeswehr ausrichten. Eine mittelfristige Personalplanung,
welche eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Personalumfänge und Organisationsstrukturen
zum Ziel hat, berücksichtigt dies und wirkt in die Integrierte Planung hinein.
Die Bundeswehr muss künftig alle Aufgaben gleichrangig qualifiziert, schnell und robust
erfüllen können. Um der Bundeswehr die Möglichkeit zu geben, in angemessener Zeit auf
die Notwendigkeit von Anpassungen reagieren zu können, gilt es, den Personalkörper
flexibel an die jeweiligen Anforderungen anzupassen und dafür die notwendigen
systemischen Voraussetzungen einschließlich erforderlicher Anreizsysteme zu schaffen.
Daher wurde eine Trendwende Personal eingeleitet und mit der Mittelfristigen
Personalplanung ein neues und flexibles Verfahren zur mittelfristigen Planung und fortlaufenden
Bestimmung der Personalumfänge implementiert.
Durch das Personalboard, welches zur Etablierung eines systematischen, belastbaren und
strukturierten Planungsverfahrens verankert wurde, werden folgende drei Determinanten bei
der jährlichen Umfangsbestimmung berücksichtigt:
• die Aufgaben der Bundeswehr und die daraus erwachsenden Anforderungen;
• die im Haushaltsplan veranschlagten Planstellen und Stellen;
• die Realisierbarkeit (personell, organisatorisch, infrastrukturell, materiell und haushalterisch).
Das kontinuierliche Verfahren gewährleistet die erforderliche Agilität und Flexibilität, um auf
einen sich unter wechselnden Rahmenbedingungen dynamisch entwickelnden Bedarf
angemessen reagieren zu können und mittelfristig die notwendige Wirkung zu erzielen.


Personalmanagement der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist eine einsatzorientierte Freiwilligenarmee. Sie benötigt kompetentes, talentiertes,
den Anforderungen entsprechend ausgebildetes und gebildetes, leistungsfähiges
und leistungswilliges militärisches und ziviles Personal, das von der Sinnhaftigkeit seines
Auftrags überzeugt ist. Seine Bereitschaft, sich persönlich weiterzuentwickeln und Veränderungen
als Herausforderungen zu begreifen, seine Qualifikation, Motivation und
Berufszufriedenheit bestimmen maßgeblich die Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.
Das Personalmanagement der Bundeswehr schafft die Grundlage für die personelle
Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Ausbildung, Bildung und Qualifizierung sind in allen Phasen von entscheidendem Einfluss.
Für das bundeswehrgemeinsame Personalmanagement ergibt sich daraus zum einen die
Notwendigkeit, sich bei der Gewinnung neuen Personals wettbewerbsfähig auf dem
Arbeitsmarkt zu positionieren. Zum anderen gilt es mehr als je zuvor, die Potenziale und
Kompetenzen aller Angehörigen der Bundeswehr in einem integrierten Personalkörper
auszubilden, langfristig an die Organisation zu binden und weiterzuentwickeln.
Überall dort, wo sinnvoll und möglich, sind die organisatorischen und haushalterischen
Voraussetzungen zu schaffen, um sowohl militärische als auch zivile Dienstposten je nach
Angebot und Bedarf statusfremd besetzen zu können. Bestehende Instrumente und
Verfahren der Personalbedarfsdeckung, -entwicklung, Ausbildung sowie Bildung und
Qualifizierung sind in enger Abstimmung und im Dialog zwischen den Bedarfsträgern und
dem Bedarfsdecker systematisch weiterzuentwickeln und zu harmonisieren.
Unverändert gilt, dass alle Angehörigen der Bundeswehr nach Eignung, Befähigung und
fachlicher Leistung zu ernennen und zu verwenden sind. Eine auf Nachhaltigkeit
ausgerichtete Personalentwicklung bedarf einer ausgewogenen Balance zwischen Aufbau
und Erhalt von Erfahrungswissen und den Erfordernissen der Bedarfsdeckung auf Grundlage
von Bedarfsträgervorgaben. Es gilt, die persönliche Lebensplanung der Menschen in der
Bundeswehr mit den Vorgaben und Anforderungen der Bedarfsträger und Bedarfsdecker in Einklang zu bringen.
Die Menschen in der Bundeswehr sind chancengerecht zu fördern. Sie sind bei ihrer
kompetenzorientierten beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen. Chancen- und
Leistungsgerechtigkeit, Gleichstellungsgerechtigkeit, Bindung an Recht und Gesetz,
Transparenz, Planbarkeit und Verlässlichkeit stellen verbindliche Leitlinien der Personalentwicklung dar.
Eine umfassend verantwortliche Personalgewinnungsorganisation soll das auf dem Arbeitsmarkt
vorhandene Potenzial der an einer Beschäftigung bei der Bundeswehr Interessierten
auch unter Nutzung vermehrter eigener Ausbildung ausschöpfen. Sie kann auf Maßnahmen
der Informationsarbeit, insbesondere der Arbeitgeberkommunikation, aufbauen, die ein positives
Image fördern und bei der Zielgruppe ein nachweisbares Interesse an einer Tätigkeit
beim Arbeitgeber Bundeswehr schaffen. Die personalwerbliche Kommunikation attraktiver
Berufsbilder, Karriereperspektiven – in der Bundeswehr und nach der Dienstzeit – und
Besoldung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Bundeswehr auf dem Arbeitsmarkt.
Immer mehr Menschen werden ein hohes Alter bei besserer körperlicher und geistiger
Leistungsfähigkeit erreichen. Damit geht auch eine Verlängerung der aktiven Altersphase
und Verschiebung der Abfolge und Länge, teilweise auch Überlagerung der bisherigen
klassischen Lebensphasen (Ausbildung, Arbeit, Ruhestand) einher. Für die Bundeswehr gilt
es, das Potenzial samt der vielfältigen Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungswissen
älterer Menschen stärker sowie bedarfsgerecht durch Nutzen der Flexibilität des
gesetzlichen Rahmens zu erschließen, ohne dass dadurch ein überalterter, nur noch bedingt
einsatzfähiger Personalkörper entstehen darf. Die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen
den Laufbahnen, die bedarfsbezogene Nutzung des Seiteneinstiegs und die fortlaufende Qualifizierung sind zu forcieren.
Die Bundeswehr kann sich mit ihrem Selbstverständnis als ein am Maßstab der Attraktivität
orientierter Arbeitgeber erfolgreich im Wettbewerb positionieren, wenn sie Unterschiede und
Gemeinsamkeiten in einem bundeswehrgemeinsamen Personalkörper benennt und nutzt,
um dadurch möglichst viele Menschen anzusprechen. Das beinhaltet auch die Erschließung
weiterer Potenziale und Talente durch die Öffnung für neue Zielgruppen.
Moderne und zukunftsorientierte Personalentwicklungskonzeptionen und Karriereperspektiven
sind ein wichtiger Schlüssel, um das richtige Personal zur richtigen Zeit am richtigen
Ort verfügbar zu haben und dadurch verschiedensten Anforderungen gerecht werden zu
können. Erforderlich ist ein breites Angebot an Entwicklungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven
mit kurz-, mittel- und langfristigen Beschäftigungshorizonten, die angesichts der
zunehmenden technologischen Komplexität zur Aufrechterhaltung der hohen Professionalität
der Bundeswehr beitragen können. Entsprechend ausgestaltete Karrieremodelle sind
attraktiv, nach außen wie auch nach innen. Hierzu zählt neben einer Führungs- und Projektkarriere die Fachkarriere.
Der regelmäßige Abgleich der zivilen und militärischen Arbeitsbedingungen mit den
Aufgaben der Bundeswehr einerseits und den gesellschaftlichen Trends bei der Arbeitgeber und
Arbeitsplatzwahl andererseits ist eine Daueraufgabe des Arbeitgebers Bundeswehr und
Voraussetzung für eine nachhaltige Personalgewinnung und -bindung.

Diversität und Vielfalt sowie Vereinbarkeit Familie und Beruf/Dienst

Die Bundeswehr profitiert von der Vielfalt der Menschen, ungeachtet ihres Alters, des
Geschlechts, einer Behinderung, ihres ethnischen und kulturellen Hintergrundes, ihrer
Religion, ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. Die Bundeswehr begreift die Vielfalt
ihrer Beschäftigten als Chance und profitiert vom breiten Spektrum soziokultureller
Erfahrungen und Perspektiven, ohne dass dadurch die militärische Auftragserfüllung in
Frage gestellt werden darf. Sie schafft zeitgemäße Lösungsansätze und nutzt multiple
Kompetenzen. Ziel ist eine inklusive Arbeitsumgebung, in der sichtbar und spürbar Eignung,
Befähigung und fachliche Leistung gleichermaßen geschätzt und honoriert werden, jedoch
auch den individuellen Lebensmodellen und Lebenssituationen der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter eine besondere Wertschätzung entgegengebracht wird.
Die Bundeswehr tritt bereits jetzt für eine chancengerechte Teilhabe von Frauen und
Männern sowie von behinderten und schwerbehinderten Menschen an Karrieren und
Funktionen ein. Die bisherige Entwicklung wird mit einem aktiven Vielfaltsmanagement
verstärkt. Eine gleichstellungsgerechte, angemessene und nachhaltige Repräsentanz von
Frauen gilt es in allen Bereichen der Bundeswehr zu erreichen, insbesondere in allen
Führungspositionen. Die Aspekte der Vielfalt, Inklusion und Chancengerechtigkeit wirken in
alle Themenbereiche des Personalmanagements hinein mit dem Ziel, ein gemeinsames
integratives Werte-, Auftrags- und Führungsverständnis zu schaffen.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst hat nicht zuletzt im Zusammenhang mit der
Ausrichtung der Bundeswehr auf den Einsatz und den gesellschaftlichen Veränderungen
eine große Bedeutung. Sie bildet eine Klammer für viele Maßnahmen der Bundeswehr in
den unterschiedlichsten Bereichen und ist eine wesentliche Führungsaufgabe, die in
besonderer Weise verpflichtet. Menschen, die eine Balance zwischen Arbeits- bzw.
Dienstzeit und ausreichend verfügbarer Zeit mit der Familie finden, sind seelisch stabiler,
leistungsfähiger und motivierter. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst ist ein
wesentlicher Attraktivitätsfaktor für die Personalbindung und die Personalgewinnung.

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