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Autor Thema: Bundeswehr und Familie  (Gelesen 1201 mal)

Cookietoeeaatt

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Bundeswehr und Familie
« am: 10. August 2018, 23:25:02 »

Hallo


Ich hoffe ich finde Hier Rat, Meinungen und Hilfe.

Mein Freund möchte zur Bundeswehr (verzeiht mir ich stecke in dem Thema null drin) als Soldat für Auslandseinsätze. Wir sind dabei eine Familie zu gründen, Planung der Hochzeit und und und. Ich habe Angst das ich eines Tages die Nachricht bekomme das er verstorben ist oder etwas passiert ist. Dann sitze ich da mit den Kindern und mein Mann kommt nie wieder. Ich kann das echt nicht vereinbaren mit meiner Denkweise. Denke ich falsch oder soll ich ihn gehen lassen? Wir verdienen beide gut, daran liegt es nicht. Wie soll ich machen? Wie wäre eure Sicht auf die Situation?
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dunstig

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #1 am: 11. August 2018, 01:04:59 »

Mal rein rational: Schau dir mal das Verhältnis der Anzahl von Soldaten im Einsatz gegenüber denen, die im Einsatz verstorben sind.

Da ist’s hundert mal gefährlicher zur Arbeit zu fahren.
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"Ich stehe vor der Bundeswehr, zu der ich seit 22 Jahren auch "meine Armee" sagen kann. Und bin froh, weil ich zu dieser Armee und zu den Menschen, die hier dienen, aus vollem Herzen sagen kann: Diese Bundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sie ist eine Stütze unserer Freiheit." Joachim Gauck

KlausP

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #2 am: 11. August 2018, 07:54:58 »

Können Sie es besser mit Ihrer Denkweise vereinbaren, wenn Ihr Mann morgens zur Arbeit fährt und zwei Stunden später erhalten Sie die Nachricht, dass er einen tödlichen Auto- oder Arbeitsunfall hatte?
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StOFä (NVA) a.D., StFw a.D.
aktiver Soldat vom 01.11.71 bis 30.06.06, gedient in zwei Armeen

HubschrauBär

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #3 am: 11. August 2018, 10:49:38 »

Natürlich darf man nicht ausblenden, dass der Einsatz als Soldat auch ganz andere Gefahren mit sich bringt als der Alltag. Und je nach dem welche Tätigkeit im Detail ausgeübt wird steigt oder sinkt das Risiko.

Aber insgesamt kann auch ich leider sagen, dass ich bisher mehr Kameraden und Freunde im deutschen Straßenverkehr verloren habe als durch Feindeinwirkung im Einsatz.
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LwPersFw

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #4 am: 11. August 2018, 11:20:14 »

Zitat
Wie wäre eure Sicht auf die Situation?

Die "Sicht der Welt" ist immer individuell...
Jeder hat seine Ängste...
Und wer dann letztlich betroffen ist, dessen Sicht ändert sich nochmal grundlegend...

Aber vielleicht hilft ja diese Risikobewertung...

(nahezu) vermeidbare Todesfälle in DE pro Jahr

ca. 70.000 direkte Folge Alkohol
ca. 100.000 direkte Folge Rauchen
ca. 3.000 Verkehrstote
ca. 40.000 Tote durch Krankenhausinfektionen

also ca. 580 pro Tag ... jedes Jahr...

...und dies wird gesellschaftlich (nahezu) akzeptiert...

...wo sind da die Ängste ?


Das aber Soldaten im Einsatz fallen, oder aber das man in DE von Terroristen bei Anschlägen getötet wird, DAS macht den Menschen Angst, bzw. damit kann man den Menschen Angst machen...

Bsp
Von den seit 1992 in die Auslandseinsätze entsandten Bundeswehrangehörigen starben 109 – 37 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung, 72 kamen durch sonstige Umstände ums Leben.
(Quelle: bundeswehr.de)

109 ... in 26 Jahren !

Tote durch Terror in diesen 26 Jahren ... deutlich unter 100 !

Hilft den Gefallenen/Toten/Angehörigen nicht ... für diese schrecklich.


Aber in der persönlichen Risiko-Angstanalyse...

unter 200 Tote durch Einsätze/Terror in 26 Jahren...

zu

ca. 5.5 Millionen Alkohol/Rauchen, etc. in 26 Jahren...


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aktiver Berufssoldat im Bereich Personalwesen

BSG1966

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #5 am: 11. August 2018, 12:58:45 »

Naja. Auf der einen Seite ist es vollkommen richtig und wichtig, die Gefahr nicht zu überdramatisieren, da statistisch tatsächlich nicht vielen was passiert - wir reden aber nicht nur von Toten sondern auch anderweitig versehrten, sprich: körperliche UND seelische Schäden, dazu kommt dass mancher sich doch verändert, sei es in Sachen Persönlichkeit oder in Sachen Werte, Ansichten, wenn er aus einem Auslandseinsatz zurückkehrt (nicht immer zum Schlechteren, natürlich!) Die Schwierigkeit, das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten, dass kaum einer aus dem Umfeld ein adäquater Gesprächspartner diesbezüglich ist, weil er es eben nicht nachvollziehen kann, oder schlichtweg das Interesse nicht besteht oder gar eine Abwehrhaltung da ist.

Dazu kommt, dass die Risiken, in einem Auslandseinsatz geschädigt zu werden ZUSÄTZLICH zu den "allgemeinen" Todes- und Unfallursachen besteht. Sprich, Krebs kann man hüben wie drüben kriegen, das Gefecht hat der Auslandseinsatz (relativ) exklusiv.

So oder so, was wäre mein Rat...

Zunächst, es kommt ganz darauf an, was genau Ihr Liebster denn bei der Bundeswehr anstellen will. Nicht jeder Soldat macht im Auslandseinsatz das Gleiche. Der eine sitzt den ganzen Tag im klimatisierten Container und tut Dinge am Coomputer - der andere fährt außerhalb des Camps umher und ist statistisch gesehen einer höheren Gefahr ausgesetzt.

Was noch, ich denke, wenn man eine Familie gründen will, sind die Abwesenheiten (4-6 Monate im Ausland) allein schon eine recht hohe Belastung für die Familie und auch für die Partnerschaft. Sprechen Sie darüber, versuchen Sie Ihre Sorgen diesbezüglich darzulegen, vielleicht sind da ein paar Aspekte, mit denen er soch so noch gar nicht auseinandergesetzt hat.

Auch die Hintergründe, warum es denn jetzt ausgerechnet die Bundeswehr sein soll, sind zu hinterfragen - geht es um "Abenteuerlust" und "mal was anderes"? Dann sollte man schon überlegen, ob es nicht auch andere Wege gibt, für Abwechslung zu sorgen.

Was Sie für sich gedankenmäßig durchspielen könnten - stellen Sie sich vor, Sie beide hätten sich kennengelernt und er wäre schon von Anfang an Soldat. Wäre das für Sie ein Hindernis gewesen? Also, hätten Sie sich trotzdem verliebt usw und irgendwann Richtung Familie und Co. geplant? Wären die Abwesenheiten und die Gefährdung für Sie von vorneherein ein No-Go gewesen oder hätten Sie sich trotzdem auf den Menschen eingelassen weil er es wert gewesen wäre?

Letztendlich sollten Sie beide einfach offen darüber miteinander sprechen und die Sorgen und Vorbehalte ebenfalls thematisieren. Und, das muss man jetzt leider auch so hart sagen, wenn es daraufhinausläuft dass er sagt "ist mir egal, ich will das jetzt machen" - dann muss man schon auch überlegen, ob das mit der Familie, Hochzeit usw. so eine gute Idee ist.
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BSG1966

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #6 am: 11. August 2018, 13:03:11 »

Ach und - ich habe jetzt keine Zahlen, was in welcher Häufigkeit vorkommt, aber:

Es gibt Partnerschaften und Familien, die an der Einsatzbelastung kaputtgehen. Das muss man so einräumen und kann man nicht wegdiskutieren. Auf der anderen Seite sind das teilweise auch Partnerschaften, die sonst an anderen Dingen zerbrochen wären, sprich: wo die Substanz einfach nicht ausgereicht hat.

Genauso gibt es aber viele viele viele Partnerschaften/Familien, die das packen!

So individuell wie die Menschen sind, sind es auch deren Beziehungen. Leider kann man das nicht immer voraussehen, klar. Aber nicht jede Belastungsprobe läutet automatisch das Ende der Beziehung ein und es kann gut sein, dass Ihre eine der letztgenannten ist.
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F_K

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #7 am: 11. August 2018, 13:08:11 »

Ich sehe das wie der PersFw - ca. 1.000.000 Tote in Deutschland jährlich - so 3000 pro Tag.
Tote im Auslandseinsatz und Terror spiele da keine signifikante Rolle.
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BSG1966

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #8 am: 11. August 2018, 13:31:35 »

Ich möchte mal einen anderen Vergleich bemühen.

Tauchen.

Statistik: Tauchunfälle (und das sind jetzt nicht nur die Tödlichen, sondern alle) Risiko 1:5000, also von 5000 Tauchgängen geht einer schief. Und das ist einfach nur die stumpfe Zahl, nicht bereinigt um medizinische Probleme, die bereits VOR dem Tauchen bestanden (Epilepsie, Herzkreislauferkrankungen etc. pp.), nicht bereinigt um menschliches Versagen oder das der Ausrüstung (sprich: Regeln nicht eingehalten, "selbst schuld").

Dennoch ist es eine Risikosportart, weil man sich bewusst und unnötig in eine Umgebung begibt, die gefährlich sein kann.

Ähnlich verhält es sich für mich mit dem Einsatz in Krisengebieten. Es wäre fahrlässig, das Risiko herunterzuspielen oder zu ignorieren, deshalb fährt man in geschützten Kfz, deswegen hat man einen oder mehrere Meinungsverstärker am Mann, deswegen bekommt man Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Wenn ich mich recht irre, wurde in der Geschichte der Bundeswehr noch kein Soldat durch ABC-Kampfstoffe geschädigt, trotzdem hat man die persönliche Schutzausrüstung, trotzdem steht jedes Jahr ABC beim IGF aufm Plan.
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BSG1966

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #9 am: 11. August 2018, 13:33:56 »

Um o.g. Beispiel hier aber vollständig zu berücksichtigen muss man natürlich AUCH fragen:

Würden Sie sich auch so sorgen, wenn Ihr Liebster tauchen geht oder den Motorradführerschein macht?
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Ralf

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #10 am: 11. August 2018, 13:45:06 »

Zitat
Mein Freund möchte zur Bundeswehr (verzeiht mir ich stecke in dem Thema null drin) als Soldat für Auslandseinsätze. Wir sind dabei eine Familie zu gründen, Planung der Hochzeit und und und.
Vielleicht solltet ihr mal miteinander reden. Er kann ja gerne Soldat werden, aber warum ist er heiß drauf in Auslandseinsätze zu gehen, wenn ihr eine Familie gründen wollt? Da würde ich mich doch erst einmal fragen, ob das nun wirklich sein muss. Lange Abwesenheitszeiten, ein Risiko etc.
Wenn er nun gesagt hätte, ich würde gerne Soldat werden o.k. das wäre eine andere Nummer. Es ist ja nicht gesagt, dass er als Soldat in den Einsatz geht. Es gibt durchaus Verwendungen, da ist das Risiko in den Einsatz zu müssen kleiner als bei anderen.
Aber direkt den Fokus auf den Einsatz zu legen?
Ob das mit der Familie gründen dann auch von seiner Seite aus so durchdacht ist? Entweder er meint das nicht so ernst damit oder er ist noch ziemlich unreif oder ich-bezogen.
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StOPfr

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Antw:Bundeswehr und Familie
« Antwort #11 am: 11. August 2018, 13:57:13 »

Mein Freund möchte zur Bundeswehr (...) als Soldat für Auslandseinsätze.

Hat er das so gesagt? Man bewirbt sich nämlich nicht als "Soldat für Auslandseinsätze" sondern kann diese als Soldat nicht ausschließen. Das ist, wie zuvor schon geschrieben, eine ganz andere Herangehensweise an das Thema. Da macht es durchaus Sinn, die Beweggründe zu erfragen, seine und deine Vorstellungen über den Beruf des Soldaten zu hinterfragen und darüber ausführlich zu sprechen. Dies dann auch unter Berücksichtigung der Familienplanung.
Immerhin hast du hier nun schon eine Menge statistischer Daten an die Hand bekommen. Und ganz im Sinne deiner Fragen auch Rat, Meinung und (Entscheidungs)Hilfe.
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