Hallo,
Ich mache gerade ein FSJ im Krankenhaus und überlege schon seit längerer Zeit Medizin bei der Bundeswehr zu studieren. Ich weiß dass man eine bestimmte Zeit ohne probleme wieder von seinem Vertrag zurücktreten kann, aber wie funktioniert es wenn man zb 3 semester studiert hat und dann aufhören möchte. Klar, Geld muss man zurückbezahlen, aber werden einem die 3 Semester angerechnet?
Ich hoff es hat sich bereits jemand damit beschäftigt und kann mir helfen
Danke, Julia
Liebe Julia,
ich frage mich die ganze Zeit, was mich an Ihrem durchaus sympathisch vorgetragenen Anliegen irritiert, nein: eher stört! Das ist nicht die Frage, ob die abgeleisteten Semester erhalten bleiben. Denn die Semeseter - oder besser die dabei erlangten Leistungsnachweise hat Ihnen ja die Universität ausgestellt - und der ist es herzlich egal, in welchem Vertragsverhältinis gegenüber Dritten ihre Studierenden stehen.
Was ich weder konsistent, noch konsequent empfinde, ist Ihre Haltung zu einem potenziellen Arbeitsgeber, hier Bundeswehr. Warum in aller Welt beschäftigen Sie sich einerseits mit der Frage, ein nicht unerhebliches Einkommen als Studentin zu beziehen, um in Ruhe und ohne Zwang zu BaFöG oder Zusatzjobs Medizin studieren zu können - und bevor Sie diesen Vertrag berhaupt eingegangen sind, diffuse Ausstiegsszenarie zu stellen? Aus meiner Sicht wäre es redlicher, sich für das Eine ODER Andere zu entscheiden. Niemand zwingt Sie dazu, sich als Sanitätsoffizieranwärter zu verpflichten, um Medizin zu studieren. Wenn Sie dies allerdings tun, dann sollten Sie davon auch überzeugt sein - und zu Ihrer Verpflichtung stehen!
Lassen Sie sich dies von einem Offizier sagen, der seit Ende der 70er Jahre dient und trotz zwischenzeitlicher Reflexionen und Anfechtungen zu seiner Entscheidung gerne steht!
Danke für ihre Antwort!
Klar, da haben sie Recht! Ich hab mich mit dem Thema Bundeswehr schon viel beschäftigt. Mein Cousin studiert dort und ich könnte mir das auch gut vorstellen, 100% ob ich mit der BW klar komme bin ich mir aber nicht. Deshalb ist es für mich auch wichtig zu wissen, was passiert wenn es mir doch nicht gefällt. Ich denke das sind ganz normale Fragen, die einen beschäftigen wenn man sich für 17 Jahre verpflichten lassen möchte!
LG Julia
Liebe Julia,
dass Sie sich damit beschäftigt haben, war auch aus Ihrer ersten Zuschrift herauszulesen. Und mit Ihrem Cousin werden Sie ja auch häufiger gesprochen haben. Studiert der auch Medizin oder etwas anderes an einer Bundeswehruni?
Wissen Sie, ich kenne keinen einzigen Menschen in meinem zivilen oder militärischen Umfeld, der die gesamte Zeit seines Berufslebens über zu 100 % mit seinem (jeweiligen) Arbeitgeber klar kommt - und da schließe ich mich vollkommen. Dies gilt übrigens auch für viele Selbstständige, die auch so ihre Probleme mit einzelnen Aspekten ihres Unternehmerdaseins haben...
Ich bin mir aber sehr sicher, dass Sie Ihre Fragen kaum in den ersten Monaten Ihres Studiums, wie Sie schrieben, auch nur annähernd beantwortet bekommen. Denn wie gesagt, Sie werden von der Bundeswehr ja für das Studium an einer ganz normalen, zivilen Uni beurlaubt, haben also mit der Bundeswehr während der Semester keine indirekte oder direkte Berührung. Und in den semesterfreien Zeiten erleben Sie den Sanitütsdienst in einem Standort aus der Perspektive des "Nicht-Arztes" - ebenfalls wohl eher nicht repräsentativ für Ihre spätere Tätigkeit als Ärztin.
Vielleicht wenden Sie sich an unsere "Forums-Ärztin" Ulli76 oder den BwArzt medinight, die haben sich ihre berechtigten Fragen sicher auch gestellt.
Bin ja schon da.
Also aus dem Vertrag kommt man eben nicht einfach so raus. Dann kann man natürlich mit Widerrufsrecht verpflichten- das bedeutet, dass man innerhalb der ersten 6 Monate ohne Angabe von Gründen kündigen kann. (Kann aber sein, dass man den Studienplatz noch nicht bekommt, solange noch das Widerrufsrecht offen ist.- Einfach mal den Wehrdienstberater fragen)
Die Semester und der Studienplatz bleiben einem erhalten- die Plätze sind zivil. Die Bundeswehr bekommt jedes Semester eine bestimmte Anzahl an PLätzen pro Uni und kann diese intern vergeben. Den Platz an sich gibt´s dann von der ZVS. Und die ganzen SCHeine sind eh zivil.
Was sich anbietet, ist vor der Bewerbung mehrere Praktika in verschiedenen Bereichen (Also SanBereich, Bw- Krankenhaus und wenn möglich auch mal ein San/LazRgt) zu machen. Da bekommt man einen ganz guten Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche und man kann das Personal löchern.
Besonders sollte man sich mit dem Thema Auslandseinsätze beschäftigen. Da ist der Sanitätsdienst nämlich immer mit dabei und oft sogar ganz "vorne"
Und nein, es gibt nach einem Einsatz keine "Schonfrist" mehr bis zum nächsten.